Nach Orlando nicht nur Disneys wegen

2. Jänner 2008, 15:55
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Neue Lufthansa-Route verstärkt Atlantik-Konkurrenz mit AUA

Frankfurt/Orlando - Während Austrian Airlines, nachdem sie Fernost- und die Australien-Ziele gestrichen hat, ihr Langstreckenheil seit wenigen Monaten mit einer vierten Route nach Nordamerika (Chicago) sucht, hat Lufthansa vor kurzem mit Orlando, Florida, ihre 20. US-Destination ins Programm aufgenommen. Auch aus Österreich gebe es für die neue Strecke innerhalb kurzer Zeit große Nachfrage, sagt Karsten Benz, Vizepräsident für Lufthansas Europaverkauf, im Gespräch mit dem Standard. Schon innerhalb weniger Tage wurde die Frequenz von fünf auf sechs mal wöchentlich erhöht.

Einen verschärften Wettbewerb mit Lufthansa-Partner AUA will Benz in der Ausweitung des US-Angebots nicht sehen. "Der Raum ist so riesig groß, dass für beide Platz ist und wir uns nicht ins Gehege kommen." Obwohl sich das Lufthansa-Geschäft aus Österreich hervorragend entwickle: Rund eine Million Passagiere aus Österreich befördert die deutsche Airlines heuer, März 2008 kommt eine neue Verbindung von Klagenfurt zum Lufthansa-Hub München dazu.

Seattle und Calgary

Nur 30 Prozent aller Passagiere aus Österreich bleiben in Deutschland, 70 Prozent steigen auf andere Lufthansa-Flüge um, die Mehrheit auf Langstrecken. Nächstes Jahr werden in Nordamerika Seattle und Calgary dazu kommen.

Zwar fällt einem zu Orlando als erstes Disneyworld als Attraktion ein: Fünf Disneyparks ziehen ganzjährig Millionen Besucher an. Aber wie bei jeder Destinationswahl käme es für Lufthansa auf den Mix aus "Premium"- und Economy-Kunden an, sagt Benz. Orlando habe zahlreiche Unternehmen im Bereich IT, Biotechnologie, Anlagebau oder Automotive, unerlässlich für das Geschäftsfliegersegment.

Denn ihre für die Luftfahrt ungewöhnlich hohen Gewinne - in den ersten neun Monaten 2007 sprang der Gewinn um 50 Prozent auf den Rekord von 1,1 Mrd. Euro, bei 16,4 Mrd. Euro Umsatz - verdankt die Lufthansa wesentlich ihrer seit 2004 verfolgten "Premium"-Strategie, die der teureren Business- und First Class einen hohen Stellenanteil einräumt, erklärt Benz. Dazu gehören auch der von Do & Co versorgte First-Class-Terminal in Frankfurt, eine neue First-Class-Lounge in München, sowie "Lufthansa Private Jet", ein Lufthansa-Bedarfsflugunternehmen, mit täglich bis zu zehn Individualflügen.

Swiss mit besserer Marge

Rund 50 Prozent des Ertrags kommen aus diesen Top-Kategorien, obwohl sie der wesentlich kleinere Teil des Passagieraufkommens sind, und das Wachstum sei stärker als im Economy-Bereich, erklärt Benz. Bei vergleichbaren Flugzeugtypen hat Lufthansa oft doppelt so viele Business-Sitze als die AUA, die außerdem keine Erste Klasse auf der Langstrecke anbietet.

Auch die Lufthansa-Tochter Swiss, seit 1. Juli zu 100 Prozent in Lufthansa-Besitz, trage inzwischen bereits zu den Gewinnen bei, sagt Benz. "Swiss hatte 2007 eine bessere operative Marge als Lufthansa selbst. Unsere konsequente Zwei-Brand-Philosophie zahlt sich aus." Zürich hat neben Frankfurt und München die Rolle eines dritten Hubs im Lufthansa-Konzern eingenommen, was sowohl dem Wiener Flughafen als auch der AUA zusätzliche Konkurrenz beschert. 2008 wird die Swiss-Langstreckenflotte um fünf A330 sowie zwei A340 verstärkt, wie bei Lufthansa mit je drei Klassen ausgestattet. Insgesamt wird Lufthansa in den nächsten zehn Jahren in 170 neue Flieger im Wert von 14 Mrd. Euro investieren, erklärt Benz. (Helmut Spudich, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.11.2007)

  • Mit neuen Langstrecken Richtung Rekordgewinn: Lufthansa-Europa-Verkaufschef Karsten Benz beim Drachenfliegen.
    foto: spu

    Mit neuen Langstrecken Richtung Rekordgewinn: Lufthansa-Europa-Verkaufschef Karsten Benz beim Drachenfliegen.

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