Akute innere Störungen im AKH

29. Februar 2008, 17:34
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Nachdem der Chef der Abteilung für Anästhesie überraschend vom Uni-Rektor abberufen wurde, fliegen die Fetzen zwischen den Streitparteien - mit Kommentar

Doch nicht nur an dieser Front wird in Österreichs größtem Krankenhaus gekämpft.

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Am "Tag danach" herrscht Bunkerstimmung in den Bettentürmen: Niemand von der Ärzteschaft des Wiener Allgemeinen Krankenhauses (AKH) will offiziell an die "Affäre Zimpfer" auch nur anstreifen. Inoffiziell hat freilich fast jeder eine Meinung dazu - schließlich kommt es nicht alle Tage vor, dass ein prominenter Arzt und Klinikchef, der dem vergifteten ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko einst das Leben gerettet hat, von seinem Vorgesetzten quasi einen "blauen Brief" bekommt.

So geschehen am vergangenen Freitag: Da schickte der Rektor der Med-Uni Wien, Wolfgang Schütz, dem Chef der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin, Michael Zimpfer, ein Abberufungsschreiben. Inhalt: Zimpfer habe sich "schwere Pflicht-verletzungen" geleistet und "durch aggressive und lautstarke Auseinandersetzungen in der Öffentlichkeit ein Verhalten gezeigt", welches das "Ansehen der Medizinischen Universität Wien gravierend desavouiert" habe.

Puzzlestein

Freilich ist der hochnotpeinliche Gerichtsauftritt des Mediziners am vergangenen Donnerstag (er hat sich nach einer auch handgreiflichen Auseinandersetzung mit seiner Ex-Freundin letztlich außergerichtlich geeinigt) nur ein Puzzlestein: Hauptsächlich wirft Schütz Zimpfer vor, er habe seine Pflichten am AKH nicht erfüllt.

Was Zimpfer besonders ärgert: "Es ist mir keine Möglichkeit zu einer Stellungnahme einberaumt worden. Mit keinem der schriftlich präsentierten Vorwürfe wurde ich vorab konfrontiert", sagt er zum Standard. Er sei Freitag postalisch benachrichtigt worden.

Med-Uni-Leiter Schütz sagt dazu: "Zu wesentlichen Punkten des Schreibens hat es mehrmals Gespräche gegeben, aber nicht unmittelbar vor dem Brief." Das sei nicht notwendig gewesen, da es sich bei dem Schreiben nicht um einen Bescheid handle, sondern um eine Abberufung, der keine Anhörung vorangehen müsse.

Die sogenannte "Watschen-Affäre", die Zimpfer "eine private Angelegenheit" nennt, sei, laut Schütz, nicht ausschlaggebend gewesen. Viel schwerer wiege, dass "der Klinikbetrieb im administrativen Bereich nicht mehr funktioniert hat".

Schadensbekämpfung

Zimpfer zeigt sich zwar "gesprächsbereit". Der angerichtete Schaden müsse aber "ausgeglichen werden". Denn: "Mein Ruf ist schwer geschädigt." Mit seinen Anwälten bereitet der Arzt schon erste rechliche Schritte gegen seine Absetzung vor, die er als "fristlose Kündigung auffasst: "Ich werde alle Rechtsmittel ausschöpfen. Gegen Rektor Schütz gehen auf jeden Fall Strafanzeigen raus, weil er in verleumderischer Form viele Teile meiner klinischen Tätigkeit kritisiert hat." Schütz dazu zum Standard: "Ich fühle mich da weitgehend sicher."

Ein Vorwurf lautet, Zimpfer übe zu viele Nebenjobs aus. Zimpfer: "Es hat eine Reihe von Klinikchefs wesentlich mehr Nebentätigkeiten als ich." Er betreibe seine Privat-ordination, das sogenannte Gesundheitszentrum Döbling, und sei ehrenamtlich Präsident vom Rudolfinerhaus. "Es sind alle Nebenbeschäftigungen gemeldet gewesen, und ich habe sie in einem Ausmaß erfüllt, das in keiner Weise meine Tätigkeit im AKH beeinträchtigt." Im Übrigen sei seine Präsenz im AKH "ausgezeichnet", und seine finanzielle Gebarung sei "makellos".

Warum die Absetzung? "Die Aktion ist begründet in meiner kritischen Haltung gegenüber den Seilschaften, die sich im AKH etabliert haben. Es geht darum, einen wirklich international bestangesehenen Mann auszuschalten." Sein Verhältnis zu Schütz? "Es hat immer schon ein Konkurrenzverhältnis bestanden."

Die Fetzen fliegen

Das "Konkurrenzverhältnis" besteht offenbar nicht nur auf dieser Ebene. Am AKH fliegen seit der Ausgliederung aus der Uni Wien auf vielen Ebenen die Fetzen: So berichtete profil im September von "Macht, Geld, Neid, Eifersucht" in Österreichs größtem Krankenhaus. Neben hausinternen Intrigen berichtete das Magazin auch von anonym zugespielten "Interessenkonflikten". Inhalt: Pathologie-Chef Otto Scheiner, Onkologie-Chef Christoph Zielinski und Dermatologie-Leiter Hubert Pehamber seien an der "Bio Life Science"-Firma des Ex-LiF-Kandidaten Johannes Strohmayer beteiligt.

Rektor Schütz verordnete damals "Ruhe". Diese wird nun wohl nicht einkehren. Interimistischer Klinikchef ist nun Michael Hiesmayr, Leiter der Abteilung für Herz-Thorax-Gefäßchirurgische Anästhesie. (Peter Mayr, Gertraud Singer, Petra Stuiber/DER STANDARD – Printausgabe, 27.11.2007)

Kommentar:

Intrigantenstadl AKH - Von Petra Stuiber
  • Der Abgesetzte: Michael Zimpfer, Anästhesist und Klinikchef, wähnt sich gefangen in einem Netz von Intrigen.
    foto: robert newald

    Der Abgesetzte: Michael Zimpfer, Anästhesist und Klinikchef, wähnt sich gefangen in einem Netz von Intrigen.

  • Der Absetzer: Med-Uni-Wien-Rektor Wolfgang Schütz ging gegen Zimpfer vor.
    foto: andy urban

    Der Absetzer: Med-Uni-Wien-Rektor Wolfgang Schütz ging gegen Zimpfer vor.

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