Bausparen: Engpass bei Krediten droht

2. Jänner 2008, 13:53
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Die Bausparinstitute fordern eine Erhöhung der prämienbegünstigten Einzahlung auf 1200 Euro im Jahr

Wien - Die vier Bauspar-Institute - Wüstenrot, Raiffeisen, S-Bausparkasse und ABV - fordern, die seit neun Jahren geltene Bemessungsgrundlage für die Bausparprämie mit Jahreswechsel 2008/09 anzuheben: Bei der Bemessungsgrundlage handelt es sich um den Höchstwert von derzeit 1000 Euro pro Person und Jahr, für die an Bausparer die maximal erlangbare, staatlich geförderte Bausparprämie ausgezahlt wird.

Gefordert werde dieser Schritt vor allem aufgrund eines möglichen Finanzierungsengpasses, führt Thomas Wieser, Vorstandsvorsitzender der ABV Allgemeinen Bausparkasse aus: Zwar liegen die Bausparguthaben noch über den Ausleihungen, aber die Schere schließe sich (siehe Grafik).

"Geschlossenes System"

Werde nicht gegengesteuert, könnte sich die Zuteilung von Bausparkredite hinauszögern oder die Finanzierungsform verteuern, da die Institute gezwungen wären, sich zunehmend auch fremdzufinanzieren, so Erich Rainbacher, Generaldirektor Raiffeisen Bausparkasse: "Wir sind ja eigentlich ein geschlossenes System." Bei der ABV wurde der Gleichstand zwischen Einlagen und Ausleihungen bereits erreicht; bei Raiffeisen steht er in der ersten Jahreshälfte 2008 bevor.

Die Mehrbelastung für den Finanzminister aufgrund von höheren Bausparprämien wird von den Instituten auf 12 bis 15 Mio. Euro geschätzt. Im Vorjahr wurden rund 100 Mio. Euro Bausparprämie auf rund fünf Millionen Bausparverträge verteilt. Heuer dürften 118 Mio. Euro staatliche Prämie ausgezahlt werden, wobei die maximale Prämie pro Vertrag bei 35 Euro liegt. Wird dem Vorschlag entsprochen, rechnen die Bausparkassen-Chefs mit einer Höchstprämie von 48 Euro.

Euro-Hafen

Die Forderung resultiert nicht nur daraus, dass der 1000-Euro-Höchstwert seit mittlerweile neun Jahren gilt. Auch beobachten die Bausparkassen einen Rückgang bei Ausleihungen in Fremdwährungen. Josef Schmidinger, Generaldirektor S-Bausparkassen: "Man kommt jetzt drauf, dass auch beim Fremdwährungskredit die Zinsen steigen können", wohingegen Bauspardarlehen eine gesetzliche Obergrenze von sechs Prozent haben. Sollte der Trend anhalten und nur zehn Prozent der Fremdwährungskreditnehmer eine Bausparfinanzierung anstreben, sei der Deckungsspielraum aus Bauspareinlagen sofort erschöpft, so Schmidinger.

Die Generaldirektorin der Bausparkasse Wüstenrot, Susanne Riess-Passer, rechnet aufgrund einer Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK damit, dass via Bauspardarlehen finanzierte Sanierungen anziehen: "Bereits in den letzten Jahren hat sich die Zahl der Sanierungsdarlehen fast verdreifacht." Zu mehr als einem Viertel werden Renovierungen und Erneuerungen bei Wohnhäusern und Wohnungen über Geld von Bausparverträgen bzw. über Bauspardarlehen finanziert. (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.11.2007)

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