Wahlkampf mit "alten Worten"

21. Jänner 2008, 14:30
61 Postings

Die neue Chefin der Grazer FPÖ will "Bettelautomaten" statt Bettlern und glaubt, dass für dunkelhäutige Menschen "das Klima in Europa ja nicht unbedingt günstig ist"

Graz - Ihre Aussagen - etwa auch über "Genetik" - haben in den letzten Wochen Empörung und Erstaunen beim Wahlvolk und Verurteilungen des Menschenrechtsbeirats der Stadt Graz hervorgerufen.

Aber wer ist eigentlich Susanne Winter? Das Gesicht der 50-jährigen blonden Frau, die als Spitzenkandidatin von den Plakaten der Grazer FPÖ lächelt, kannte noch vor einem Jahr niemand. Nach den Niederlagen der Blauen in der Steiermark - 2003 flog man aus der Stadtregierung, 2005 aus der Landesregierung und dem Landtag - war die Personaldecke in der FPÖ dünn geworden. Eine historische Nische für die Juristin, die die letzten 20 Jahre in der Ordination ihres Gatten, einem Arzt, arbeitete. Winters 19-jähriger Sohn Michael ist Obmann des Ringes Freiheitlicher Jugend Steiermark (RFJ), dem vor kurzem die Förderung von SP-Landesrätin Bettina Vollath, wegen "menschenverachtenden und rassistischen Äußerungen" gestrichen wurde.

Landesparteiobmann Gerhard Kurzmann holte Winter, die als Bezirkssprecherin tätig war, 2006 als Stadtparteiobfrau. Mit ihr hoffte man, im Fahrtwind H. C. Straches zu punkten. Winter sei stolz darauf, dass "Dr. Winter, Dr. Kurzmann und H.-C. Strache wirklich eine Einheit bilden".

Das Programm, auf das dabei gesetzt wird, hat wenig Überraschendes: "Probleme" der Stadt werden in "organisierter Bettelei" und in mangelnder "Islambekämpfung" geortet. Der Grazer Armen- Pfarrer Wolfgang Pucher klagte Winter, weil sie ihn als Organisator der Bettler bezeichnete. Im Standard-Interview will sie davon nicht abweichen: "Er ist ja quasi wie ein Reiseunternehmen". Statt sich schützend vor die Bettler aus dem slowakischen Hostice zu stellen, solle Pucher lieber beim Aussuchen "neuralgischen Stellen" helfen, wo "Bettelautomaten" aufgestellt werden und Grazer, die spenden wollen, "dann ihr Restgeld hineinwerfen" könnten.

Im Falter schockierte Susanne Winter im Gespräch mit einem aus Nigeria stammenden Österreicher: "Da ist etwas in Ihren Genen, das Sie noch nicht verarbeiten konnten", erklärte sie. Das Wort "Neger", verkündete sie per Aussendung, werde sie sich vom Menschenrechtsbeirat nicht verbieten lassen. Es sei ein altes deutsches Wort.

In den Raum gestellt

Dass "Neger" im Ursprung nicht deutsch und seit geraumer Zeit rassistisch konnotiert ist, ist ihr egal: "Ich werde sicher nicht meinen Enkelkindern die zehn kleinen Schwarzafrikanerlein vorlesen".

Auch für die Existenz von "muslimischen Tierbordellen", vor denen Winter warnt, ist die Beweislage denkbar dünn. Auf die Frage, wo sich diese befänden, meint sie vielsagend: "Wir haben da einiges im Laufen, und ich möchte das einmal so in den Raum gestellt wissen", um nachzusetzen, "aber wir haben zum Beispiel auch Leute, die in Saudi-Arabien gearbeitet haben, und die so etwas gesehen haben". (Colette M. Schmidt/DER STANDARD Printausgabe 24./25.11.2007)

  • Kinderfreuden: Winters Sohn Michael ist Obmann des Ringes Freiheitlicher Jugend Steiermark, dem die Förderung von SP-Landesrätin Bettina Vollath, wegen "menschenverachtenden und rassistischen Äußerungen" gestrichen wurde.
    foto: fpoe

    Kinderfreuden: Winters Sohn Michael ist Obmann des Ringes Freiheitlicher Jugend Steiermark, dem die Förderung von SP-Landesrätin Bettina Vollath, wegen "menschenverachtenden und rassistischen Äußerungen" gestrichen wurde.

Share if you care.