Ein Schneechaos zu vermeiden ist gar nicht so einfach
Nachdem auf der Wiener Außenringautobahn wie jedes Jahr beim ersten Schnee ein paar Lkw quer standen, und Menschen stundenlang in ihren Autos gefangen waren, führt man jetzt in aller Eile Winterreifenpflicht ein.
Das wird niemandem wirklich weh tun, nützen wird es aber auch nicht viel. Denn schon bis jetzt gab es die Verpflichtung zur adäquaten Ausrüstung im Winter, bloß konnte nicht gestraft werden so lang nix passierte. In der Schuldfrage war es durchaus relevant, wenn man mit Sommerreifen einen Unfall hatte.
Keine Vorschriften
Der Haken an der Geschichte sitzt aber tiefer: Eigentlich gibt es gar keine Winterreifen, zumindest gibt es europaweit keine Vorschrift, die einen modernen Winterreifen ausreichend definieren würde. Die derzeit relevanten Kriterien für das M+S-Symbol sind dermaßen veraltet, dass auch Ganzjahresreifen das Symbol tragen dürfen, selbst wenn sie bei tiefen Temperaturen kaum besser als Sommerreifen sind.
Noch krasser ist es bei den Lkw, und daher kommt auch das Problem des totalen Verkehrskollaps: Die bei heutigen Fernlastzügen verwendeten Winterreifen (Ganzjahresreifen mit M+S-Symbol) sind mit modernen Winterreifen, wie sie beim Pkw verwendet werden, in der Performance überhaupt nicht vergleichbar.
Asfinag in der Pflicht
Für den Lkw gilt deshalb: Sobald er die Schneedecke nicht mehr durchdrückt, braucht er Ketten. Aber niemand würde Schneeketten bei einem Lkw auf Verdacht auflegen. Erstens: Schwerstarbeit, zweitens geht es danach mit 40 km/h weiter.
In der Praxis gibt es also keine andere Möglichkeit, als dass die Asfinag ihrer Pflicht als Dienstleistungsunternehmen nachkommt, und die Lkws stoppt, bevor alle stoppen. Das geht nämlich. Alleine zum Autobahnpickerl-Kontrollieren kann die riesige Flotte an Blaulicht-Luxus-Vans wohl nicht angeschafft worden sein. (rs, AUTOMOBIL, 23.11.2007)