Überdurchschnittliche Zentralität, vertikal singulärer Reichtum und ein Lob

Die Analyse der drei wichtigsten Pässe der Österreicher im Spiel gegen Tunesien verdeutlicht die doppelte Balance, die das Team im Verlauf des Spiels etablieren konnte. Zum einen finden wir eine dominante horizontale Achse in der Viererkette. Die erklärt sich zunächst aus der relativen Besonnenheit im Spielaufbau und ist zu einem Gutteil für das Übergewicht im Ballbesitz verantwortlich, welches sich die Österreicher wie in keiner anderen Partie des Jahres erarbeiten konnten. Die Zentralitätswerte liegen bei vielen Spielern um ein Drittel über dem bisherigen Durchschnitt. Dies allein wäre jedoch ohne adäquate Übersetzung in das Spiel nach vorne noch nichts wert. Hier zeigt sich ein in dieser Form ebenfalls singulärer Reichtum in den vertikalen Beziehungen: Während Gercaliu, Stranzl und Garics die Flügel bzw. die Spitzen mit Bällen versorgten, belieferte Schiemer den direkt vor ihm positionierten Aufhauser und legte damit den Grundstein für eine Formation, die nachvollziehbar macht, dass das Team nicht wie sonst oft nur reagierte, sondern tatsächlich das Spiel gestaltete. Nie zuvor bildete sich so deutlich die Mittelfeld-Raute mit einer klaren Rollenverteilung zwischen Defensive und Offensive im zentralen Mittelfeld bzw. mit einem ausgewogenen Flügelverhältnis. Auf diesem Fundament konnten sich ganz vorne sowohl offene (Ivanschitz-Kienast-Kavlak) als auch geschlossene (Ivanschitz-Kienast-Leitgeb) Dreiecke bilden, denen lediglich eines fehlte: der Vollzug (=Tor). Zum Jahresabschluss eine Würdigung des Masterminds: Gegen Tunesien wurde abermals deutlich, dass Josef Hickersbergers Kunst darin besteht, langfristige und kurzfristige Perspektiven zu verbinden. Denn zum einen bewies er mit seinen Umstellungen im Vergleich zum England-Match, wie sehr er in der Lage ist, von Spiel zu Spiel zu denken. Zum anderen zeigten gleich mehrere der jungen Spieler, wie sehr sie unter dem Teamchef an Sicherheit und Selbstvertrauen gewonnen haben. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 23. November 2007)
DIE MEISTEN PÄSSE/PASSVERSUCHE
1. Schiemer-Stranzl 22
2. Gercaliu-Schiemer 21
3. Schiemer-Gercaliu 15
3. Gercaliu-Leitgeb 15
5. Stranzl-Garics 14
6. Stranzl-Schiemer 13
6. Schiemer-Aufhauser 13
6. Gercaliu-Kienast 13
9. Ivanschitz-Kienast 12
9. Gercaliu-Aufhauser 12
11. Aufhauser-Schiemer 10
11. Stranzl-Kavlak 10
11. Aufhauser-Kavlak 10
11. Aufhauser-Gercaliu 10
AM ÖFTESTEN ANGESPIELT
1. Schiemer 69
2. Stranzl 66
3. Gercaliu 63
4. Kienast 62
5. Leitgeb 49
6. Aufhauser 48
7. Ivanschitz 43
7. Kavlak 43
9. Kuljic 32
10. Garics 31
11. Harnik 28
12. Fuchs 14
GABEN DIE MEISTEN PÄSSE
1. Gercaliu 87
2. Stranzl 84
3. Schiemer 77
4. Aufhauser 66
5. Ivanschitz 43
6. Garics 40
7. Leitgeb 38
8. Kavlak 35
9. Kienast 27
10. Kuljic 18
11. Hiden 15
SCHLÜSSELSPIELER*
1. Stranzl 150
1. Gercaliu 150
3. Schiemer 146
4. Aufhauser 114
5. Kienast 89
6. Leitgeb 87
7. Ivanschitz 86
8. Kavlak 78
9. Garics 71
10. Kuljic 50
*Gegebene und angenommene Pässe
ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT
1. Ibertsberger 100,00 ( 7 von 7)
2. Schiemer 93,51 (72 von 77)
3. Aufhauser 92,42 (61 von 66)
4. Gercaliu 86,21 (75 von 87)
5. Stranzl 85,71 (72 von 84)
5. Kavlak 85,71 (30 von 35)
7. Fuchs 84,62 (11 von 13)
8. Sariyar 83,33 ( 5 von 6)
9. Garics 82,50 (33 von 40)
10. Hiden 80,00 (12 von 15)
11. Kienast 77,78 (21 von 27)
12. Leitgeb 76,32 (29 von 38)
13. Harnik 70,00 ( 7 von 10)
14. Ivanschitz 69,77 (30 von 43)
15. Kuljic 55,56 (10 von 18)
BALLBERÜHRUNGEN PRO BALLBESITZ
1. Fuchs 1,47
2. Kuljic 1,64
3. Ivanschitz 1,67
3. Hiden 1,67
3. Sariyar 1,67
6. Harnik 1,71
7. Aufhauser 1,77
8. Ibertsberger 1,78
9. Kienast 1,80
10. Kavlak 1,81
Der Ansatz
Die Spielzüge werden aufgenommen und codiert. Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet. In der Grafik sind die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern jedes Spielers zu sehen. Die Größen der Kreise (rot: Startelf; orange: Eingewechselte) verdeutlichen die Summe der angekommenen und abgegebenen Pässe.
Die Analytiker
FAS.research, in Wien und San Francisco ansässig und schon bei der WM 2006 in Deutschland im Einsatz, beobachtet exklusiv für den Standard die Länderspiele der österreichischen Nationalmannschaft.
Team: Ruth Pfosser, Harald Katzmair und Helmut Neundlinger
Link:
fas.at