Doppelte Balance gegen Tunesien

Redaktion, 7. Februar 2008, 18:35

Überdurchschnittliche Zentralität, vertikal singulärer Reichtum und ein Lob

Die Analyse der drei wichtigsten Pässe der Österreicher im Spiel gegen Tunesien verdeutlicht die doppelte Balance, die das Team im Verlauf des Spiels etablieren konnte. Zum einen finden wir eine dominante horizontale Achse in der Viererkette. Die erklärt sich zunächst aus der relativen Besonnenheit im Spielaufbau und ist zu einem Gutteil für das Übergewicht im Ballbesitz verantwortlich, welches sich die Österreicher wie in keiner anderen Partie des Jahres erarbeiten konnten. Die Zentralitätswerte liegen bei vielen Spielern um ein Drittel über dem bisherigen Durchschnitt. Dies allein wäre jedoch ohne adäquate Übersetzung in das Spiel nach vorne noch nichts wert. Hier zeigt sich ein in dieser Form ebenfalls singulärer Reichtum in den vertikalen Beziehungen: Während Gercaliu, Stranzl und Garics die Flügel bzw. die Spitzen mit Bällen versorgten, belieferte Schiemer den direkt vor ihm positionierten Aufhauser und legte damit den Grundstein für eine Formation, die nachvollziehbar macht, dass das Team nicht wie sonst oft nur reagierte, sondern tatsächlich das Spiel gestaltete. Nie zuvor bildete sich so deutlich die Mittelfeld-Raute mit einer klaren Rollenverteilung zwischen Defensive und Offensive im zentralen Mittelfeld bzw. mit einem ausgewogenen Flügelverhältnis. Auf diesem Fundament konnten sich ganz vorne sowohl offene (Ivanschitz-Kienast-Kavlak) als auch geschlossene (Ivanschitz-Kienast-Leitgeb) Dreiecke bilden, denen lediglich eines fehlte: der Vollzug (=Tor). Zum Jahresabschluss eine Würdigung des Masterminds: Gegen Tunesien wurde abermals deutlich, dass Josef Hickersbergers Kunst darin besteht, langfristige und kurzfristige Perspektiven zu verbinden. Denn zum einen bewies er mit seinen Umstellungen im Vergleich zum England-Match, wie sehr er in der Lage ist, von Spiel zu Spiel zu denken. Zum anderen zeigten gleich mehrere der jungen Spieler, wie sehr sie unter dem Teamchef an Sicherheit und Selbstvertrauen gewonnen haben. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 23. November 2007)

DIE MEISTEN PÄSSE/PASSVERSUCHE

1. Schiemer-Stranzl 22
2. Gercaliu-Schiemer 21
3. Schiemer-Gercaliu 15
3. Gercaliu-Leitgeb 15
5. Stranzl-Garics 14
6. Stranzl-Schiemer 13
6. Schiemer-Aufhauser 13
6. Gercaliu-Kienast 13
9. Ivanschitz-Kienast 12
9. Gercaliu-Aufhauser 12
11. Aufhauser-Schiemer 10
11. Stranzl-Kavlak 10
11. Aufhauser-Kavlak 10
11. Aufhauser-Gercaliu 10

AM ÖFTESTEN ANGESPIELT

1. Schiemer 69
2. Stranzl 66
3. Gercaliu 63
4. Kienast 62
5. Leitgeb 49
6. Aufhauser 48
7. Ivanschitz 43
7. Kavlak 43
9. Kuljic 32
10. Garics 31
11. Harnik 28
12. Fuchs 14

GABEN DIE MEISTEN PÄSSE

1. Gercaliu 87
2. Stranzl 84
3. Schiemer 77
4. Aufhauser 66
5. Ivanschitz 43
6. Garics 40
7. Leitgeb 38
8. Kavlak 35
9. Kienast 27
10. Kuljic 18
11. Hiden 15

SCHLÜSSELSPIELER*

1. Stranzl 150
1. Gercaliu 150
3. Schiemer 146
4. Aufhauser 114
5. Kienast 89
6. Leitgeb 87
7. Ivanschitz 86
8. Kavlak 78
9. Garics 71
10. Kuljic 50

*Gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT

1. Ibertsberger 100,00 ( 7 von 7)
2. Schiemer 93,51 (72 von 77)
3. Aufhauser 92,42 (61 von 66)
4. Gercaliu 86,21 (75 von 87)
5. Stranzl 85,71 (72 von 84)
5. Kavlak 85,71 (30 von 35)
7. Fuchs 84,62 (11 von 13)
8. Sariyar 83,33 ( 5 von 6)
9. Garics 82,50 (33 von 40)
10. Hiden 80,00 (12 von 15)
11. Kienast 77,78 (21 von 27)
12. Leitgeb 76,32 (29 von 38)
13. Harnik 70,00 ( 7 von 10)
14. Ivanschitz 69,77 (30 von 43)
15. Kuljic 55,56 (10 von 18)

BALLBERÜHRUNGEN PRO BALLBESITZ

1. Fuchs 1,47
2. Kuljic 1,64
3. Ivanschitz 1,67
3. Hiden 1,67
3. Sariyar 1,67
6. Harnik 1,71
7. Aufhauser 1,77
8. Ibertsberger 1,78
9. Kienast 1,80
10. Kavlak 1,81

Der Ansatz

Die Spielzüge werden aufgenommen und codiert. Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet. In der Grafik sind die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern jedes Spielers zu sehen. Die Größen der Kreise (rot: Startelf; orange: Eingewechselte) verdeutlichen die Summe der angekommenen und abgegebenen Pässe.

Die Analytiker

FAS.research, in Wien und San Francisco ansässig und schon bei der WM 2006 in Deutschland im Einsatz, beobachtet exklusiv für den Standard die Länderspiele der österreichischen Nationalmannschaft.

Team: Ruth Pfosser, Harald Katzmair und Helmut Neundlinger

Link:

fas.at

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 37
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pablo_ponte
00
4.12.2007, 12:51
eine anspruchsvolle integralrechnung

als lineare abbildung, die einer funktion zahlenwerte zuordnet verstehe ich einigermaßen gut. diese netzwerkanalyse aber nicht.

mich würde interessieren, wie das 2. tor von steinhöfer gegen rapid (payer, sekundenschlaf) in dieser art verständlich dargestellt werden kann.

pablo_ponte
20
24.11.2007, 15:39
jetzt warte ich nur mehr

bis die interviews auch in pfeilen dargestellt werden. dann wird es erst richtig lustig ...

Barbara Schett
10
24.11.2007, 15:08

Einige machen es sich sehr leicht, wenn sie behaupten, die Tunesier waren eben schwächer als die Engländer, nur weil Österreich den einen ein Unentschieden abgerungen hat und den anderen nicht.

Dasselbe gilt für die Ablehnung solcher Statistiken. Das ist eben EIN Anhaltspunkt, nicht mehr nicht weniger. Das Argument, dass doch letztlich der geniale Pass den Sieg bringt, stimmt manchmal, manchmal aber auch nicht. Sonst wäre Griechenland nicht Europameister.

Atterl
 
10
24.11.2007, 09:04

Danke für diesen Artikel.... vielleicht kapieren es irgendwann auch die Dümmsten endlich!

Georg-99
10
23.11.2007, 17:27

An alle die hier immer wieder und wieder lästern über diese Art von Spielanalyse:
Diese sogenannte Netzwerkanalyse (ein IT-Fachmann stellt sich da sicher was anderes drunter vor) erhebt nicht annähernd den Anspruch eine vollständige Spielanalyse abzuliefern sondern beleuchtet lediglich einige Teilaspekte des Spiels und hat somit finde ich seine Berechtigung.
Jene die das nicht kappieren werden halt in Zukunft weiterhin ihre lustigmach-Postings dazu abgeben, immer und immer wieder.... gäähhhhnn.
Wenn allerdings der Hicke seine gesamte Taktik ausschließlich aus dieser Netzwerkanalyse zieht dann reg ich mich auch auf, aber keine Angst, so blöd kann einfach niemand sein!

pfrrzzz
11
23.11.2007, 17:23
no pressing

bin schon gespannt, wie die grafik aussieht, wenn wir gegen eine mannschaft antreten, die ordentlich pressing spielt.

zeigen dann die pfeile ins out? ;)

pablo_ponte
40
23.11.2007, 16:56
diese netzwerkanalyse amüsiert mich immer wieder,

weil sie so sinnlos ist. soviele pfeile, von einem gegner keine spur.
hat österreich gegen niemanden gespielt?
und ein 0:0 erreicht?
stehen auf einem fußballfeld nicht 22 kicker statt 11?

Atterl
 
10
24.11.2007, 09:05

OK, es gibt anscheinend also sogar Leute, die nicht einmal die Grafik an sich verstehen, von einer Schlussfolgerung ganz zu schweigen.

pablo_ponte
10
24.11.2007, 15:32
atterl und die statistikpfeile ...

das ist extrafeiner humor.

Atterl
 
00
27.11.2007, 05:09

jop, wir haben schon verstanden daß Du keine Ahnung hast worum es geht. Keine Sorge.

gerberkurt
11
23.11.2007, 18:18
böse analyse,

dargestellt in kugerln und pfeilen, und ihnen erklärt niemand um was es geht, unfaire fußballwelt.

Peter Falber
11
23.11.2007, 16:49

der text ist satire pur, oder? :-)

Atterl
 
00
24.11.2007, 09:05

Ich glaube eher, daß Typen wie Du ein bissler was im Oberstübchen fehlt, um die gesamte Analyse überhaupt zu verstehen :).

Peter Falber
00
24.11.2007, 17:21

oooch, jetzt bin ich richtig traurig. :-((

Walter KURTZ
 
00
23.11.2007, 12:34

Daß Aufhauser und Leitgeb beim selben Klub spielen merkt man auch nicht unbedingt...

Baer8
51
23.11.2007, 12:26
Diese Statistik ist wenig brauchbar...

Sie sagt nichts über die vorherrschende Ideenlosigkeit, über die technischen Mängel, über die Langsamkeit der Fußballer-Gehirne etc... aus. Wir brauchen einfach von den elf Spielern ca. 8 neue, die mit der Weltklasse mithalten können. Die haben wir nicht und die kriegen wir kurzfristig auch nirgendwo her. Wir können sie nur langfristig selber ausbilden. Stickler hat das bis jetzt nicht in die Wege leiten können und wird das wahrscheinlich auch in Zukunft nicht schaffen.

Juergen Hoffmann
 
02
23.11.2007, 14:24
ich fürchte,

ihr Posting ist noch viel weniger brauchbar. Sie haben anscheinend den Sinn von der vorliegenden, vermutlich sogar überhaupt von, Analyse nicht verstanden.

killerinstinkt von hannes aigner
31
23.11.2007, 10:59

Diese Grafik ist der größte statistische Jux, der mir je untergekommen ist.

Buzz Lightyear
20
23.11.2007, 09:30

Ich erkenne aus der Grafik, dass hinten elend lange der Ball herumgeschoben wurde, bei Kavlak war dann eher Endstation, Ivanschitz und Kuljic waren praktisch nicht anspielbar und Aufhauser spielte mehr zurück als nach vor!

thomazz
011
23.11.2007, 10:26

es ist halt eine farce mit den österreichischen fans. es wird gemault was das zeug hält, weil halt der ball immer zu schnell verloren wird. der ratschlag ist dann zumeist, es soll doch ruhig mal der sichere pass gespielt werden, der ball gehalten werden. wird das dann vom team umgesetzt, ist das alles erst recht scheiße. das herumgeschiebe ohne raumgewinn (wie es von sämtlichen weltklasse-nationen durchwegs praktiziert wird - da ist es natürlich was anderes) kann sich doch kein mensch anschauen. so ein unlustiges, feiges ball-geschiebe. man kann's halt wirklich keinem recht machen.

Peter Silie
30
23.11.2007, 08:12
Also, jetzt mal im Ernst,

diese Zahlen sind von fraglichem Wert, denn zum Wesen eines gelungenen Fußballspiels gehören vor allem

1. Leidenschaft und Begeisterung
2. Ideen
3. Überraschungsmomente
4. Kreativität
5. technische "Kabinettstückerln"
6. Schnelle Auffassungsgabe der "Spielers"

Ein genialer Pass, der das Spiel entscheidet, ist wichtiger als 35 ankommende Alibipasses...

Franz K
04
23.11.2007, 09:34
Das was sie da ansprechen ist ohne

die hier dargelegte, funktionierende Basis nicht möglich. Wenn sie spitzenteams mitder gleichen Methode analysieren, kommt ähnliches heraus, aber halt, wie sie es hier ansprechen, die special movements. Dazu bedarf es aber auch des entsprechenden technischen Könnens der Beteiligten, des Spielverständnisses usw., da hat Österreich nur ein beschränktes Potential,muß aus diesem das Optimum herausholen.
Wer sich da sehr weiterentwickelt hat ist Kienast, der aus seinen beschränkten technischen und läuferischen Möglichkeiten im Gegensatz zu Kulic durch geschicktes Stellungsspiel, viel Laufarbeit und gutes Timing oft anspielbar ist, über sichere und kluge Zuspiele den Spielfluß hoch und schnell hält.

Krampen
00
24.11.2007, 13:39

ist mir auch aufgefallen. obwohl der kienast eher eine lahme ente ist, versteht ers wirklich oft einfach am richtigen ort aufzutauchen.

dem kulic sei es verzeit, weil er momentan wirklich JEDES spiel ob im verein oder in der national-elf mitspielt. da kommt die winterpause grade recht.

und wenn man weiter denkt, ein linz und meinetwegen im äußersten notfall auch ein vastic (auch wenn ich kein fan davon bin) sind noch weitere ergänzungen die der trainer einsetzen kann und wird.

der harnik ist noch nicht so weit, aber vielleicht nächstes jahr. wenn der sich so entwickelt wie der kienast in den 3 spielen, dann denke ich können wir bei er EM schon mitspielen. sagt ja keiner dass wir europameister werden, aber blamieren müssen wir uns nicht.

Peter Silie
20
23.11.2007, 07:54
Annaliese

Sehr wertvoll, diese Art von Annaliese!
Ich selbst habe folgendes annaliesiert:
War ein Österreicher im Ballbesitz beim Englandmatch, hatte er durchschnittlich 0,585 Sekunden Zeit, sich den Ball herzurichten und zu agieren.
Beim Tunesienspiel waren es 12,85 Sekunden...

Also: Raunz nicht, kauf!

Atterl
 
00
24.11.2007, 09:07

Dümmer als Deine Postings ist in diesem Forum wirklich nicht viel.

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