Meinl-Fonds nicht mehr heiß auf MEL

2. Jänner 2008, 10:42
81 Postings

Während Julius Meinl V. das Kurspotenzial von Meinl European Land preist, reduzierten die Fonds aus seinem Haus ihre Positionen

Weitere Ergebnisse der Meinl-Prüfung dauern wegen des Umbaus von FMA und Notenbank an. Zudem droht Meinl V. nun eine Klage.

*****

Wien – Julius Meinl V hält das Immo-Unternehmen Meinl European Land (MEL) für eine „Perle“, wie er in Interviews im September erklärte. Und: Der Kurs werde sich wieder auf ein Niveau zwischen 20 und 25 Euro hinbewegen. Allein die Fondsmanager der Meinl-Gruppe wollen den Aussagen ihres Chefs nicht so recht Glauben schenken.

Anstatt in die MEL-Papiere zu investieren oder diese zumindest zu halten haben die Fonds die Zertifikate teilweise verkauft. Groß investiert waren zum Zeitpunkt der Meinl-Aussagen die Fonds Meinl Global Property (sieben Prozent der Veranlagungen) und der Meinl Quattro (4,7 Prozent). Herbert Langsner, Sprecher der Meinl Bank, bestätigt den Abbau der Positionen, bestreitet aber den Verkauf aller Zertifikate. Global Property sei noch zu 2,4 Prozent in MEL investiert, Quattro zu zwei Prozent. „Wir haben diese Bestände aufgrund der gestiegenen Volatilität dieser Werte reduziert“, erklärte er.

Die Meinl Fonds befinden sich in guter Gesellschaft. Anbieter wie Carat oder Global Absolute Return haben weit größere Anteile abgestoßen.

Nach der Erteilung der Strafbescheide durch die Finanzmarktaufsicht werden mit Spannung weitere Prüfergebnisse erwartet. MEL hat am Donnerstag klargestellt, dass sämtliche Transaktionen zwischen der Gesellschaft und der Meinl Bank im Rahmen des Market-Maker-Vertrags abgewickelt worden seien und keine Transaktionen zuungunsten der MEL erfolgten.

Die Notenbank hat die Vor-Ort-Prüfung der Meinl-Bank noch nicht abgeschlossen, die Prüfung gestaltet sich ob der „sehr komplex ausgetüftelten Strukturen“ im Meinl-Unternehmensreich schwierig, wie es heißt. Dass der Prüfbericht noch heuer fertig wird, gilt als unwahrscheinlich.

Umbau behindert

Der laufende Umbau der Finanzmarktaufsicht und die entsprechenden Änderungen in der OeNB (sie ist ab Jänner für die gesamte Bankenprüfung alleine zuständig; ihr werden die entsprechenden Agenden der FMA übertragen) beschleunigt die Prüfungsarbeit auch nicht gerade. Derzeit ist man in der OeNB dabei, die einzelnen Arbeitsprozesse zu analysieren und die Abteilung für Bankprüfungen neu zu organisieren – noch steht aber nicht einmal fest, wie viele Mitarbeiter von der FMA in die OeNB übersiedeln werden. Die Notenbank hat das Pouvoir, 30 bis 40 neue Mitarbeiter aufzunehmen, ein erklecklicher Teil davon könnte von außen kommen.

Offen sind auch die Chef-Fragen: In der FMA läuft der Vertrag von Vorstandsmitglied Heinrich Traumüller aus, bisher galt OeNB-Bankenprüfer Helmut Ettl als aussichtsreicher Nachfolger. Nach Aufwertung der OeNB in Sachen Aufsicht dürfte dessen Lust auf einen Chefposten in der teil-entmachteten FMA aber gering sein: „Ich habe einen sehr interessanten Posten in der OeNB, der mich sehr ausfüllt.“

Strafanzeige

Die Causa Meinl könnte auch strafrechtliche Folgen haben. Rechtsanwalt Dieter Böhmdorfer hat im Gespräch mit dem Standard angekündigt, Julius Meinl V und mögliche andere Verantwortliche von MEL und der Meinl Bank wegen Betrugs und Untreue zu klagen. Meinl weist die Vorwürfe entschieden zurück, es gilt die Unschuldsvermutung. (Renate Graber, Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.11.2007)

  • Die Kunst des Lenkens haben die Manager von Meinl-Fonds entdeckt. Sogar sie haben sich zum Teil aus MEL-Zertifikaten zurückgezogen.
    foto: standard/cremer

    Die Kunst des Lenkens haben die Manager von Meinl-Fonds entdeckt. Sogar sie haben sich zum Teil aus MEL-Zertifikaten zurückgezogen.

Share if you care.