Das kurze Leben des Kabeljau

von Redaktion  |  30. November 2007, 19:32
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    Der Kabeljau hat es nicht leicht.

Die Überfischung gefährdet nicht nur die Fischbestände sondern greift auch nachhaltig in die Evolution von Fischen ein

Wien - Der Kabeljau hat es nicht leicht. Jahr für Jahr wird nämlich jeweils rund die Hälfte der Bestände aus dem Meer geholt. Die Chance, den Fischern ins Netz zu gehen, beträgt somit 50 Prozent. "Statistisch bedeutet das, dass etwa einer von tausend Fischen im fangfähigen Alter zehn Jahre überlebt", rechnet Ulf Dieckmann vor, Ökosystemforscher am Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg.

Er hat gemeinsam mit einem internationalen Expertenteam in der jüngsten Ausgabe des US-Wissenschaftsmagazins Science (Bd. 318, S. 1247) Alarm geschlagen. Denn die exzessive Fischerei gefährdet nicht nur die Fischbestände. Sie hat auch längst in die Evolution von bestimmten Fischarten eingegriffen.

Damit ist konkret gemeint, dass der enorme Selektionsdruck dazu geführt hat, dass die Fische schneller geschlechtsreif werden und kleiner bleiben. Solche Tiere haben gegenüber ihren größeren Kollegen nämlich eine höhere Chance, sich fortzupflanzen.

Selbstschädigung

Das Problem dabei: "Ein halb so großes Weibchen produziert nur ein Achtel der Zahl an Eiern", so Dieckmann. Die Fischerei schädigt sich durch die Überfischung damit mittel- und langfristig selbst. Denn durch diese Veränderungen ist mit einem noch viel stärkeren Rückgang der Bestände zu rechnen - und zwar auf lange Sicht: Die innerhalb von wenigen Jahrzehnten herbeigeführten Veränderungen lassen sich nämlich nicht ebenso rasch rückgängig machen.

Konkret hat es bloß 40 Jahre gedauert, um diese evolutionäre Veränderung beim Kabeljau zu bewirken. Sie wieder rückgängig machen, könnte bis zu 250 Jahre dauern, so die Forscher dieser Study Group on Fisheries Induced Adaptive Change (SGFIAC). "Die Selektion in diese Richtung wirkt ja schwächer als die durch die Fischerei", sagt Dieckmann.

Die Experten für evolutionäre Umweltfolgenabschätzung fordern daher ein rasches Umlernen im Fischereimanagement und haben dafür mehrere konkrete Vorschläge. Es sollte nicht nur weniger intensiv gefischt werden, sondern vor allem auch mit weniger engmaschigen Netzen, um nur die ausgewachsenen Tiere zu fangen.

Schließlich sollten vor allem in jenen Gegenden die Netze ausgeworfen werden, wo sich die Tiere zur Fortpflanzung treffen - "also beim Kabeljau an der norwegischen Küste, wo sich die Tiere vermehren, und nicht in der Barentssee, wo die Tiere fressen", so Dieckmann. Fragt sich nur, ob sich die russischen Fischer daran halten werden. (Klaus Taschwer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23. November 2007)

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Antonietta Tumminello 
26.11.2007 13:27
Weil die Kabeljau-Bestände der Nordsee dezimiert sind, fordern Wissenschaftler für dort einen Fangstopp. Die Fischer halten dagegen und fangen zunehmend illegal. Statt Schutzgebiete zu schaffen, strichen die EU-Minister den Fischern für 2005 nur

einen Fangtag pro Monat.

Viele Gewässer, insbesondere die Meere sind überfischt. Viele Arten sind wegen zu hoher Fangquoten und umweltzerstörender Fangtechniken nahezu ausgerottet.

Aquafarmen sind keine Alternative, da sie im höchsten Maße umweltgefährdend und tierquälerisch sind. Weltweit werden so ca. 16 Mio. Tonnen Fisch gezüchet. Meist wird nur eine einzige Art in Monokultur mit umfangreicher Technik und Chemikalien auf engstem Raum herangezogen. Kraftfuttercocktails sollen die Fische schnellstmöglich verkaufsreif wachsen lassen. Die Stoffwechselprodukte der Fische verursachen eine explosionsartige Ausbreitung der Algen und eine ökologische Zerstörung des Gewässers.

Liam N.
23.11.2007 15:50
das Problem ist in Ö definitiv an der falschen Stelle

hierzulande isst man kaum Fisch...

Andres Wood
23.11.2007 22:21
Ach ja?

Und warum sind die Rewe/Spar und sonstigen Regale dann voll mit Dorschfilet, Dorsch in Panier, Dorsch nach Müllerinnenart, Dorsch serbisch etc., etc.???

Derzeit übrigens g'rad Dorschwochen...

Und für Nichtwissende: Dorsch = Kabeljau!

cybermen 
23.11.2007 16:37
es wird auch in Ö selten ein Kabeljau gefangen

und damit hat es niemand zu interessieren.

Nikodemos
25.11.2007 11:13

Österreichischer Kabeljau ist überfischt ! Besonders in Tirol !

amused8
23.11.2007 15:27
Wieder eine Spezies weniger?

Ein grosses Problem ist auch die Schwarzfischerei, durch die weit mehr Kabeljau gefischt wird als die schon generoesen Fangquoten erlauben. Gefischt wird in der Nacht. Weil die Fischerbote mit ihrem Shwarzfang die meisten Haefen nicht anlaufen koennen, wird auf offener See in unverfaengliche Frachtschiffe umgeladen, die ihre Ladung dann ganz legal in Haefen der EU loeschen. Auch dieser Fisch kommt in den Handel. Einzige Moeglichkeit den Kasblejau zu retten waere, dessen Verkauf zu verbieten. Aber freie Marktwirtschaft will solches nicht. Klar, der Markt regelt alles. Wir muessen jetzt nur einige hundert Jahre warten, bis sich der Kabeljaubestand erholt. Falls er nicht gaenzlich verschwindet.

Andres Wood
23.11.2007 22:25
Canada...

An der kanadische Atlantikküste ist der Kabeljau bereits verschwunden und zwar vor etwa 15 Jahren. De facto von einem Jahr aufs andere. Das war ein Riesenwirtschaftsdesaster in der Region Newfoundland und seither gibt's dort jede Menge "Geisterhäfen". "Ghosttown mal anders" sozusagen. Keine aufgegebenen Goldgräberstädte im Wilden Westen, sondern Häfen, die 1980 noch florierten.

nomore
23.11.2007 14:03
NEIN, NEIN, NEIN, Schönborn sagt, das hat Gott so geplant

es gibt keine Evolution, wir tun nur, was Gott uns vorherbestimmt hat.

cybermen 
23.11.2007 16:38
Recht hat er, Gott ist ein Fischer

AlBundyFan
23.11.2007 13:49
nach diesem beitrag

wie kann das jemand noch sagen, daß es evolution nicht gibt?
das müßte doch den evolutionsverweigerern den wind aus den segeln nehmen wenn man so eine beobachtung in freier wildbahn innerhalb von 40 jahren beobachten kann.

taul
23.11.2007 14:45
evolution

nur wo ist hier evolution? hier findet nur selektion statt. die fische sind nach wie vor im meer und nicht vielleicht an land "geflüchtet", oder in tiefere meeresbereiche.
das hier ist nicht darwin sondern max. lamarck. in der schule wird einem evolution zum leichteren verständnis wie in dem artikel eingetrichtert, doch evolution ist anders.

AlBundyFan
23.11.2007 15:14
unglaublich soviel unwissen

lt. ihren begriffen hätte es dann in den letzen 4 milliarden jahren ca. 5-6 szenarien gegeben,die als evolutionsereignis zählen.

aber es ist bereits evolution, daß die fische als gesamtbestand kleiner werden und eine schnellere geschlechtsreife und damit auf äußere umweltbedingungen reagieren.
das verlassens des meeres aufs land wäre eine endprodukt von zb. 5 millionen evolutionstechnischen anpassungen in dieser größenordnung hintereinander.

monoton
23.11.2007 12:02
bei der fischindustrie

kann man wenigstens davon ausgehen,daß sie so abartig dumm und gierig sind, daß wie erst aufhören wenn es keine fische mehr gibt, und damit alle meere bis in die tiefsee leergefischt und allemeeresböden mit schleppnetzen zerstört sind.

kollege gulasch
23.11.2007 14:00

hm, das "wenigstens" finde ich durchaus interessant.

PlanB
23.11.2007 11:20

Und es eröffnen noch immer Geschäfte wie der Fischsupermarkt in der Sagerdergasse und an jeder Ecke steht eine Nordseefiliale!
Also, das nächste mal den Mut zeigen, wenn es wo Fisch zu essen gibt, und mit Begründung nein sagen, oder den/die Bekannte drauf anreden was sie gerade ißt!

AlBundyFan
23.11.2007 13:51
und was soll man essen?

fische wegen überfischung nicht
tiere wegen des leides in der zucht nicht
obst und gemüse nicht wegen giftmittel und überdüngung des ökosystems nicht

eigentlich darf man garnichts mehr essen denn für alles gibt es gründe es nicht mehr zu tun.

PlanB
23.11.2007 14:03

Wenn sie nur regionale (Österreichische) Produkte essen, haben sie schon mal einen großen Schritt getan.
Man kann schon gewisse Produkte meiden, wo man die Produktionsbedinungen kennt. Tomaten aus Spanien, Schrimps aus Taiwan,...
Es bleiben somit, ohne auf den Biolandbau zu kommen, noch immer genung regionale Lebensmittel über. Bis vor wenigen Jahrzehnten sind die Menschen damit ziehmlich gut zurecht gekommen.
Und außerdem sollen die Menschen sich schon bewust sein, was hinter der sterilen Supermarktverpackung für eine Umweltzerstörung, Tierleid,... steckt.

ChesneyB
23.11.2007 10:33

Na wenigstens schreiben die nicht den gleichen Schwachsinn wie der Spiegel. Dort steht doch glatt:
"Das von Charles Darwin, dem Begründer der Evolutionstheorie, entdeckte Prinzip vom Überleben der Stärksten gelte für viele Fischarten inzwischen umgekehrt: Nicht die Starken, sondern die Kleinen und Schwachen überlebten eher."

Liebe Spiegel-Journalisten! "Survival of the fittest" heißt NICHT, daß die Stärksten überleben! Sondern diejenigen, die am besten angepaßt sind. Und in diesem Fall sind das daher die kleineren Fische. Daher wird hier überhaupt nichts auf den Kopf gestellt!

Mulla Nasrudin
23.11.2007 10:29

Aber geh. Der große Designer macht für uns sicher wieder neue Fischerl.

onkel wuh  
23.11.2007 09:45
ach, solange noch irgendwo ein kabeljau rumschwimmt, werden wir ihn jagen...

Der Große von Gegenüber
23.11.2007 10:14
genau

den George "Kabeljau" Bush ...

thomas 2
23.11.2007 08:55
typisch briten! egoisten

Black Adder
23.11.2007 10:45

Ahhhh, weiter unten... ich HATTE was verpasst ;-)

cybermen 
23.11.2007 16:41
klar, das ist die amerikanische Erziehung

mit der verpasst man alles.

Black Adder
23.11.2007 10:44

Hab ich da was verpasst ?!?

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