Anti-Terror-Ermittler können Skype-Telefonate nicht entschlüsseln

Redaktion, 06. Dezember 2007 17:10
  • Artikelbild
    Foto: apa/roland schlager

Deutsches Bundeskriminalamt sieht "gravierende Probleme" - Diskussion über Online-Durchsuchung

Deutsche Ermittler können nach eigenen Angaben Internet-Telefongespräche (VOIP) über die beliebte Software Skype nicht entschlüsseln. "Das stellt uns vor gravierende Probleme", sagte der Präsident des deutschen Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, am Donnerstag in Wiesbaden. Demnach gibt es auch keine Gespräche mit dem Anbieter. Es mache keinen Sinn, die Hinterlegung des Schlüssels zu verlangen, betonte Ziercke zum Ende der BKA-Herbsttagung zum Thema Internetkriminalität. Die Software Skype ermöglicht es, gratis Telefongespräche über das Internet zu führen. Der Dienst gehört zum Online-Handelshaus eBay.

Heimliche Online-Durchsuchung

Wegen der Verschlüsselung der Kommunikation im Internet sprechen sich Ermittlungsbehörden wie das BKA seit längerem für die heimliche Online-Durchsuchung aus. Das Thema sorgt auch seit Monaten für Streit in der Großen Koalition. Derzeit befasst sich das deutsche Bundesverfassungsgericht mit einer entsprechenden Regelung in Nordrhein-Westfalen. Die Richter entscheiden wahrscheinlich im Frühjahr.

Aufwendig und nur im Einzelfall

Ziercke betonte erneut, dass Online-Durchsuchungen aufwendig seien und bei einem entsprechenden Gesetz nur in Einzelfällen angewendet würden. Von den 230 Ermittlungsverfahren mit islamistisch-terroristischem Hintergrund könne er sich zwei bis drei Fälle vorstellen, bei denen die Maßnahme Sinn machen könnte. Beim Fall der im Sauerland festgenommenen Terrorverdächtigen hätte die Online-Durchsuchung demnach helfen können, früher an Informationen heranzukommen. Zum Ziel habe letztlich aber die Wohnraumüberwachung geführt.(APA/AP)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 69
1 2
Fritz Meyer
24.11.2007 18:34
Herzliches Beileid an das BKA!

Vermutlich könntet's ihr jede Woche einen Bin Laden fangen, wenn's nur endlich keine Bürgerrechte und Gesetze mehr gäbe, die euch dabei im Weg stehen.

Gottseidank.

Fritz Meyer.

mukl
24.11.2007 12:24
**eine bezahlte anzeige des deutschen BKA**

sehr geehrte verbrecher und böse leute,

wenn ihr schon was böses im schilde führt, verwendet doch bitte skype für eure konspirativen tätigkeiten. wir können das nämlich nicht entschlüsseln und abhören. ganz ehrlich! wirklich!

euer um zusammenarbeit bemühtes bka.

Pingu407
23.11.2007 22:38
Ich finde diese sinnlosen Wortmeldungen super!

Denn so wird auch Otto Normalverbraucher darauf aufmerksam gemacht, dass man auch E-Mails verschicken kann, ohne dass sie digitalen Postkarten gleichkommen und jeder sie im Klartext lesen kann. Wenn einmal die breite Masse anfängt, alles und jedes zu verschlüsseln, DANN kann Herr Ziercke jammern.

Jan Smaal
23.11.2007 19:43
Das BKA kann es vielleicht nicht...

der BND aber vielleicht schon :) Sollte euch alle wundern, wenn ein BKA-Präsident sich öffentlich zu so etwas äußert. Da ist gewöhnlich ein Haken dran, denn über Methoden und die Grenzen ihrer Möglichkeiten reden die NIE.

(Ausserdem muß Skype ohnehin mit ihnen zusammenarbeiten und tut das auch -- sie brauchen also gar nichts entschlüsseln, sie können ganz legal abhören. Die Frage ist nur, ob das nur für SkypeOut funktioniert, oder auch Skype-Telefonate zwischen Usern über einen Server gehen, der gezapft werden kann).

Edward NORTON
23.11.2007 18:10

So eine Verschlüsselung kann schon lästig sein, deswegen könnte ein durchtriebender Bundesschädling, sofern es tatsächlich kein behördliches Agreement mit der skypemutter ebay gibt, am Audiomixer mitschneiden und aus Platzgründen in Echtzeit komprimiert werden (ogg 30kbits reicht perfekt für Sprache) was natürlich problemlos geht und die Verschlüsselung nicht zum Problem wird....

Die größte Hürde bleibt aber sowas überhaupt auf den PC zu bekommen. Ich vermute stark, dass es nicht viele gibt die sich am PC weniger auskennen als der Innenminister und seine Schergen:-)

starship
 
23.11.2007 19:43
und selbst ganze festplatten sind sehr simpel zu verschlüsseln...

außerdem ist bei skype die gesamte kommunikation verschlüsselt. inklusive filetransfer...

herr platter reduziert die bürgerrechte, um maximal ein paar amateuren mit seiner "online durchsuchung" lästig zu fallen. und solche kann man auch mit "normalen" ermittlungsmethoden dingfest machen.

Mr. Bubbles
 
23.11.2007 17:22

aber echt...
was erlaubt sich skype eigentlich?
sooo geht das ja wohl nicht...

;)

Georg Geyer
23.11.2007 14:31

Was ich an Skype, vorallem im professionellen Umfeld immer so nett finde :
Es gibt jemanden der alle Gespräche entschlüsseln und mithören kann - nämlich die Fa. Skype.
Und die sitzt ja bekanntlich in einem Land, das sich in letzter Zeit bei Datenschutz nicht gerade Lorbeeren verdient hat.

Bingo X
23.11.2007 19:17
nur weil die CIA mithört

heisst das noch lange nicht dass auch Platter die Daten bekommt.

take responsibility
23.11.2007 21:55
die NSA hört weltweit ab und übergibt nachgeordneten Diensten wie CIA oder FBI etc. dann das Datenmaterial zur Auswertung

Sebastian Auinger
23.11.2007 17:25
Das weiß man nicht.

Es ist denkbar, dass Skype mit einem public/private Key-System funktioniert, sodass Skype selbst auch keine Möglichkeit hat, die Gespräche zu entschlüsseln.

Da Skype aber nicht open source ist, werden wir es wohl nie wissen.

Georg Geyer
23.11.2007 18:52

Technisch natürlich plausiebel.
Ich erinnere mich nur letztens als aus vermutlich ähnlichen Gründen, mehr oder weniger die ganze Regierung von Frankreich von heute auf morgen alle Blackberry-accounts zugedreht hat.

Super-Zyniker
23.11.2007 17:22

@Georg Geyer

Da hast du aber nur die erste Hälfte der Problematik erkannt.
Das mindestens genausp schwere andere Problem ist, daß Skype sich an keinerlei Network Policy hält, sondern über alle möglichen Ports versucht, eine Verbindung nach Außen aufzubauen und dabei Firewalls etc. zu umgehen.
Weiters ist das Programm durch aufwendige Verschlüsselungs- und Verschleierungstaktiken samt Überprüfungen des Systems auf Debugger etc. sowie zur Laufzeit selbstmodifizierenden Codes sehr intensiv gegen Überprüfungen geschützt.
Solche Taktiken, die sonst nur Trojaner etc. nötig haben und die Geheimhaltung des Sourcecodes spricht nicht gerade für die Seriosität von Skype und läßt berechtigt schließen, daß es wohl etwas zu verbergen hat.

Georg Geyer
23.11.2007 18:46

Stimmt, habe jetzt mal nur den ersten Teil auf der Schaufel gehabt.
Vollkommene Zustimmung, es gibt noch 1000 andere Gründe das ding (abseits des einfachen privaten Nutzens) nicht anzurühren

Edward NORTON
23.11.2007 17:59

signed!:-)

deswegen ist skype im professionellen Umfeld auch mit der Lupe zu suchen!

Edward NORTON
23.11.2007 16:47

Seit wann ist Skype im professionellen Umfeld zu finden?:-)

Vor der security by obscurity dürfte wohl jeder Admin zwischenzeitlich ausreichend sensibilisiert sein.

Warum Skype für die Onlinedurchsucher uninteressant ist, ist leicht erklärt, deren "Bundesdingens" könnte sich im Zweifelsfall an den Audiomixer hängen und unverschlüsselt mitschneiden und gleich komprimieren (30kbit/s ogg vorbis reicht für perfekte Sprachaufnahmen.)

Eine andere Frage ist ob der böse Terrorist überhaupt skypen würde. Der will ja auch nicht dass das Auktionshaus mithört wann er den nächsten Turm atomisiert^^

Bumbu
 
30.11.2007 16:45
deren "Bundesdingens" könnte sich im Zweifelsfall an den Audiomixer hängen und unverschlüsselt mitschneiden und gleich komprimieren

Dazu müßte er aber erstmal auf der lokalen Maschine etabliert sein (braucht man für sowas nicht Administratorprivilegien?). Dem stehen Firewall, Betriebssystem und Brain 1.0 entgehen.

Da wäre es natürlich einfacher, wenn man den Datenstrom beim ISP abgreifen und daraus die Kommunikation herausdestillieren könnte. Das scheint aber nicht zu gehen, jednfalls haben sich schon viele an dieser Nuß die Zähne ausgebissen. Skype schützt seine User recht erfolgreich.

Daß die ihre Daten mit der NSA wahrscheinlich teilen, ist unangenehm, aber nicht fatal, weil die wohl kaum ihr Wissen an eine EU-Polizeistelle weitergeben. Und Amerika ist vergleichsweise weit weg, meine Feinde sitzen eher vor Ort.

Edward NORTON
30.11.2007 17:49

"Dem stehen Firewall, Betriebssystem und Brain 1.0 entgehen."

sehr richtig dem kolportierten remoteexploit aber auch. brain 1.0 hilft hier noch am effektivsten. Das mit dem Mixer war auch eher eine Gedankenblase für den Fall dass ein BT physisch eingebracht wird.

Der BT in der über die Medien kolportierten Form (remoteexploit) ist lediglich ein behördlicher feuchter Traum.

Vorallem sollte man die Onlinedurchsuchung nicht mit dem BT gleichstellen. Ersteres funktioniert problemlos hat aber nichts mit HDD indizierung zu tun, letzteres funktioniert gar nicht, weil vermeidbar bzw. in der Netzwerkkommunikation quantitativ detektierbar, qualitativ wenn unverschlüsselt.

Fleisch
23.11.2007 15:48

an sich kann ich dem zustimmern. nur die bedenken gegenüber estland wundern mich etwas. da hab ich in der richtung nix spezielles gehört.

Hannes31
23.11.2007 14:30

Denke, dass die Installation von simplen Abhörwanzen sicher billiger kommt und wesentlich effektiver ist!

Meiner Meinung nach reden bei diesem Onlinedurchsuchungs-Thema grossteils nur Leute mit, die keine Ahnung habe, wie man soetwas realsieren kann.

Klar werden sog. "Experten" den Ministerien einreden, sowas ist machbar... diese Experten werden auch die Aufträge und eine grosse Menge an GELD kassieren!

Edward NORTON
23.11.2007 16:50

Nicht so pessimistisch, der Bundestrojaner wird ein Wunderwuzi der den bösen Terroristen eintrichtert ihren PC auch mal unbaufsichtigt herumstreunen zu lassen, weil remote wird das sowieso nichts:-)

Jiri Bodkan
23.11.2007 14:05
übersetzung:

das BKA kann jetzt skype telefonate entschlüsseln.

- und ihr liebe bösen tut daher jetzt brav skypen.
- und ihr liebe guten seid daher für die trojaner.

genial

lysistrata x.
23.11.2007 12:59
Anti-Terror-Ermittler können Skype-Telefonate nicht entschlüsseln

mich wundert das nicht. ich versteh ja oft selber vor lauter rauschen nicht, was mein gegenüber mir sagen will …

Nikodemos
23.11.2007 17:03

Mit deinem 14000er Modem glaub ich dir das

Edward NORTON
23.11.2007 16:59
wer Probleme mit skype hat:

pci/USB/PCMCIA Soundkarte => definitiv kein onboardsound, am besten
creative audigy oder x-fi

vernünftiges headset => sennheiser PC151 oder PC161

Anbindung mind. ISDN besser DSL mit 128kb upload

sein gegenüber auch zu vernünftiger hardware ermutigen und in der Wiedergabesteuerung des recordingmixers unbedingt das micro deaktivieren

Fazit: perfekter Klang => wer probleme hat, hat miserable hardware an skype liegt das nicht!

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 69
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.