Reben am Berg

4. Juli 2008, 15:10
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Vorarlberg ist Skifahren, Käse, Bodensee und ein uraltes Weinbaugebiet, das wieder revitalisiert wurde

"Neu Amerika" liegt direkt am Bodensee und gehört Sepp Möth aus Bregenz. Er ist Obmann des "Vereins der Weinbautreibenden Vorarlbergs" und einziger Haupterwerbswinzer im Ländle. Der Name erinnert an die aus den USA importierte Technologie, mit der der etwa drei Hektar große Weingarten trockengelegt wurde. Mit insgesamt viereinhalb Hektar ist Möth ein Gigant in einer Weinbauregion, wo man eher in Rebstöcken denn in Ar oder Hektar zählt. Seinen Wein verkauft er "ganz gut übers Internet", in erster Linie jedoch in seinem Heurigen, der "westlichsten Buschenschank" Österreichs. Das Kellergebäude liegt mitten in Bregenz, ist in den Hang gebaut und diente bis vor drei Jahren auch als Produktionskeller.

Das milde Klima am Bodensee ist prädestiniert für aromatische, fruchtbetonte Weißweine, die "ohne besonderen technischen Aufwand herzustellen sind", so Möth. Müller-Thurgau ist seine wichtigste Rebsorte und auch die in Vorarlberg am weitesten verbreitete. Bei Möth kommen Chardonnay, Welschriesling und Veltliner dazu, der "an Pfefferminze erinnert und kräutriger schmeckt als im Osten".

"Bergland"

66 Mitglieder gibt es im Verein, die auf insgesamt 18 Hektar Weinbau betreiben. Er wurde 1997 auf Initiative Möths und einiger Gleichgesinnter gegründet, mit der Idee, mithilfe von Fachveranstaltungen besser zu werden. Dem Gesetz nach gehört Vorarlberg zur Weinbauregion "Bergland", zu der alles außerhalb Niederösterreich, Burgenland, Steiermark und Wien zählt. Mit der benachbarten Ostschweiz und den zu Deutschland gehörenden badischen Weinbaugebieten am Nordufer bildet das Ländle eine klimatische Einheit, dessen Zentrum der Bodensee als Wärmeregulator ist.

Weinbau war für Bregenz im Mittelalter eine wichtige Einnahmequelle, auch für Feldkirch. Röthis im Rheintal ist die einzige österreichische Gemeinde, in der seit mehr als 1000 Jahren durchgehend Weinbau betrieben wird, festgehalten in der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes 842. Vor etwas mehr als 100 Jahren gab es noch 32 Hektar Weingärten.

Der Niedergang der Vorarlberger Weinbaukultur kam im 19. und 20. Jahrhundert, als man erkannte, dass in den Textilfabriken Geld leichter zu verdienen war als mit Landwirtschaft im Steilhang. Dazu kamen neue Rebkrankheiten und der Eisenbahnbau, durch den Wein aus Region herangebracht wurde, in denen er billiger hergestellt werden konnte.

Mit Hingabe im Nebenerwerb

Weinbau braucht in Vorarlberg aber nicht unbedingt den Bodensee. Produziert wird im Nebenerwerb, aber auch mit Hingabe. Franz Nachbaur in Röthis führt eine biologisch-organische Landwirtschaft, zu der neben glücklichen Rindern und Schweinen auch zwei Hektar Weingärten mit Weißburgunder, Grauburgunder, Chardonnay, Rheinriesling und Blauburgunder gehören, die er vor allem über die gehobene Gastronomie im Bundesland verkauft. Burgundersorten gebe es im Ländle und in der Ostschweiz seit vielen hundert Jahren. "Die Burgund ist nicht so weit weg. Und Pinot Noir will ein kühles Klima", begründet Nachbaur seine Sorten. Seine Weingärten liegen auf etwa 500 Meter Seehöhe in schwierig zu bewirtschaftenden Steillagen. "Dafür profitieren wir im Herbst von mehr Sonne und vom Föhn", erklärt der gelernte Werkzeugmacher. Auch die Situation der Familie Fulterer ist typisch für die Strukturen: Auf einem Hektar produziert man Weißwein und Sekt für das Familienrestaurant Schäfle.

Weinbau-Chef Möth ist stolz, dass die Maßnahmen gegriffen haben. Die Frage, ob es schmerze, dass Vorarlberg als Traditions-Weinbauregion in Österreich ein bisschen untergehe, beantwortet Möth mit einem entschiedenen "Jein". "Wir müssen uns für unsere guten bodenständigen Weine nicht verstecken. Und wenn man als ,No-Name' trotzdem Erfolg hat, freut das umso mehr." (L. Schrampf/Der Standard/rondo/23/11/2007)

Josef Möth jr., Bregenz; Franz Nachbaur, Zehentstraße 4, 6832 Röthis, Tel. 055 22 43 2 51; Fulterer, www.schaefle.cc, 6800 Feldkirch
  • Weinbau war für Bregenz im Mittelalter eine wichtige Einnahmequelle, auch für Feldkirch.
    foto: photodisc

    Weinbau war für Bregenz im Mittelalter eine wichtige Einnahmequelle, auch für Feldkirch.

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