"Superzyklus der Branche wird anhalten"

29. Jänner 2008, 13:00
2 Postings

Ein Rekordergebnis 2007 wird sich nicht verhindern lassen, erklärt RHI-Vorstands­chef Andreas Meier im STANDARD-Interview

Ein Rekordergebnis 2007 wird sich nicht verhindern lassen, erklärt RHI-Vorstandschef Andreas Meier im Gespräch mit Gabriele Kolar und Luise Ungerboeck. Großaktionär Martin Schlaff unterstütze die Wachstumsstrategie des Herstellers von Feuerfest-Materialien.

***

STANDARD: Was sagen Sie ihren Aktionären zum Jahr 2007? Der Aktienkurs ist um ein Viertel zurückgekommen, für 2006 gab es keine Dividende, aber angestrebte Großakquisitionen blieben aus.

Meier: Wir sind auf einem soliden Wachstumskurs unterwegs und haben heuer 90 Millionen Euro investiert. Zudem haben wir in den USA um 28 Millionen Euro Monofrax gekauft, die 50 bis 60 Millionen Euro Umsatz beisteuern wird. In Indien ist die Verdoppelung der Kapazität auf rund 25 bis 30 Millionen Euro Umsatz in Umsetzung und wird im April 2008 fertig. In Südafrika bauen wir eine Schmelzanlage für Rohstoffe mit 30.000 Tonnen Kapazität. In China investieren wir heuer 35 und 2008 zehn Millionen Euro in unser Rohstoff-Jointventure. Und auch 2008 werden wir wieder 60 Millionen Euro investieren.

STANDARD: Und wie sieht es mit Akquisitionen aus?

Meier: Wir führen Gespräche sowohl im Rohstoff- als auch im Produktionsbereich. Da geht es um Produktionen mit 50 bis 100 Millionen Euro Umsatz. Abschlüsse erwarten wir aber erst 2008.

STANDARD: Die brasilianische Magnesita hat Ihnen ein Finanzinvestor weggeschnappt. Was plant RHI jetzt dort?

Meier: Es könnte dort auch eine eigene Produktion kommen. Es gibt einige Neubauprojekte unserer Kunden z.B. geht Thyssen 2009 dorthin und wir bemühen uns sehr, solchen Key accounts zu folgen. So ein Werk rechnet sich ab ca. 75.000 Tonnen Jahreskapazität und kostet 50 bis 60 Millionen Euro.

STANDARD: RHI ist 2007 auf dem Weg zu einem Rekordergebnis. Werden die Aktionäre dann auch endlich eine Dividende bekommen?

Meier: Das Rekordergebnis wird sich nicht verhindern lassen. Wir rechnen mit 1,45 bis 1,5 Milliarden Euro Umsatz und einer Ergebnismarge vor Zinsen und Steuern (Ebit-Marge) von elf Prozent. Es ist noch zu früh, über die Dividende zu reden. Im Dezember haben wir eine Strategiesitzung zur Mittelfristplanung und wie wir mit dem Thema Aktionäre umgehen werden.

STANDARD: Der aktuelle Stahlboom kommt RHI ja sehr zugute. Wie wird sich die Stahlkonjunktur weiter entwickeln?

Meier: Ich glaube, dass wir uns in einem Superzyklus befinden. Der weltweite Pro-Kopf-Verbrauch liegt derzeit bei 300 Kilo. China ist schon in dieser Dimension. Indien mit seinen 1,1 Milliarden Einwohnern ist aber erst bei 35 kg Pro-Kopf-Stahlverbrauch. Insgesamt gibt es ca. 3,6 Milliarden Menschen, die auf ein anderes Lebensniveau kommen können – wenn davon nur 20 Prozent auf dieses höhere Niveau kommen, sind das 700 Millionen Menschen. Die Mengenkonjunktur bei Stahl wird also nicht abreißen. Auch Arcelor Mittal hat schon prognostiziert, dass 2008 ein gutes Stahljahr wird.

STANDARD: Unterstützt Ihr neuer Hauptaktionär Martin Schlaff den Kurs der RHI? Wie oft müssen Sie reporten gehen?

Meier: Also so ist es nicht. Ich habe den starken Eindruck, dass Herr Schlaff die RHI auf ihrem Wachstumskurs begleiten will und er das Thema längerfristig anlegt. Auch sein Sohn ist sehr stark am Unternehmen interessiert. Ich habe nicht den Eindruck, dass es ein Thema ist, das Unternehmen auf die Schnelle zu übernehmen und zu verkaufen.

STANDARD: Was lässt Sie das annehmen?

Meier: Ich glaube, dass er den Superzyklus der Branche frühzeitig erkannt hat und die Realität scheint ihm nun Recht zu geben.

STANDARD: Und das Gemetzel im Aufsichtsrat, der Wechsel im Vorstand? Auch das hat Investoren verunsichert.

Meier: Nach den Umbesetzungen im Aufsichtsrat muss man den Leuten die Chance geben, sich zurecht zu finden. Durch die Personalveränderungen ist aber eine gewisse Kontinuität nicht mehr gegeben und man muss das Vertrauen Schritt für Schritt wieder aufbauen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.11.2007)

Zur Person
Andreas Meier (45) hat in Graz und Leoben Technische Chemie studiert und ist seit 1985 in der Feuerfest-Branche. Seit 1999 ist er im Vorstand der RHI, seit 2007 deren Vorstandsvorsitzender. Er ist verheiratet, hat drei Kinder.
  • RHI-Vorstandschef Andreas Meier will 2008 zukaufen. Auch ein Werksbau in Brasilien wird überlegt.
    foto: standard/robert newald

    RHI-Vorstandschef Andreas Meier will 2008 zukaufen. Auch ein Werksbau in Brasilien wird überlegt.

Share if you care.