Die Kleinen unter einen Hut bringen

Redaktion, 21. November 2007, 17:45
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    foto: rudolf semotan

    Drei Herren, ein Cluster: Jan Strelecký, Ján Chudík und Peter Linhardt gründeten vor vier Jahren den ersten slowakischen IKT-Cluster „biterap“

Der Cluster „biterap“ in Bratislava vereint IKT-KMU

Als Peter Linhardt, Chef des Bratislavaer Software-Unternehmens Finesoft, vor einem Monat in der slowakischen Kleinstadt Štúrovo vor 35 Bürgermeistern einen Vortrag hielt, zitierte er Martin Luther King. „Ich habe einen Traum“, versuchte er seine Zuhörer zu begeistern – für eine effiziente und sparsame Verwaltung ihrer Kommunen. Linhardts Firma ist Teil des slowakischen IKT (Informations- und Kommunikations- Technologie)- Clusters biterap. Die darin zusammengeschlossenen zehn Unternehmen und zwei Universitäten haben einen Weg gefunden,umdie chronisch finanzschwachen Gemeinden in dem ehemals kommunistischen Land an die Segnungen moderner Verwaltungs-Software heranzuführen, ohne dass diese dabei ihre Haushaltsmittel heillos erschöpfen müssen.

„Wir bieten Shareware an, legal und lizensiert“, erklärt Linhardt. „Die Programme liegen auf einem Server, zu denen wir ihnen den Zugang geben. Sie brauchen keine Software zu kaufen, sondern bezahlen für die Zeit der Nutzung, wie bei einer Telefonleitung.“ 25 Kommunen haben sich dieser Initiative bislang angeschlossen, es sollen noch mehr dazukommen. „Sie müssen sich mal so ein Bürgermeisteramt auf dem Land ansehen“, meint biterap-Präsident Ján Chudík. „Zum Teil hacken die Beamten auf alten Commodore-PCs herum. Das Gregor Mayer aus Bratislava sind museale Gegenstände.“

Linhardt, Informatik-Professor Chudík und Immobilien- Developper Ján Strelecký bilden die Troika an der Spitze des ersten slowakischen IKT-Clusters. Sie treffen sich regelmäßig im Haus Zochova Nr. 5 am Fuß der Preßburger Burg. Streleckýs Consultingund Immobilien-Firma BICGroup hat das Gebäude, das von der jüdischen Gemeinde gemietet wird, renoviert und zum modernen Büro- und Business-Zentrum umgebaut. Die Räume sind hell und licht, die Gänge in dem historischen Altbau etwas verwinkelt.

Die drei Herren sind alle Mitte 50 und erlebten es auch als einen persönlichen Umbruch, als die demokratische Wende vor 17 Jahren die Verhältnisse in der damaligen Tschechoslowakei auf den Kopf stellte. Nicht nur technologische Rückstände waren aufzuholen, denn im Westen, der das Modell war, ereignete sich selbst eine Revolution der Informations- und Kommunikationstechnologie. Wer mithalten wollte, musste umsatteln. Linhardt und Strelecký, beide studierte Maschinenbau- Ingenieure, wechselten mit ihren Firmengründungen komplett das Profil. Chudík begab sich von den Höhen eines der Erforschung der künstlichen Intelligenz geweihten Daseins an der Slowakischen Akademie der Wissenschaften in die Niederungen des Geschäftslebens.

Synergien nutzen

Biterap gründeten sie vor vier Jahren. „Die IT-Firmen in der Slowakei sind in der Regel sehr klein“, erläutert Chudík die Motive. „Man scheut einander aus Angst vor Konkurrenz, aber wir wollten dieses Denken überwindenundsehen, ob sich nicht die Synergien nutzen ließen.“ Tatsächlich sind die Partner in diesem Cluster so zusammengesetzt, dass sie sich mit ihren Produkten nicht gegenseitig Konkurrenz machen. Neben den kleinen und mittleren Betrieben sind auch Große dabei wie die slowakischen Niederlassungen von Microsoft und Hewlett-Packard.

In Österreich sind die Mentalitäten in der IKT-Branche nicht wesentlich anders. Auf dem gewachsenen Institutionen- Boden des Landes geht die Netzwerk-Bildung aber auch von öffentlichen Einrichtungen aus. Das Projekt Vienna IT Enterprises (VITE), eine Schöpfung des Wiener Wirtschaftsförderungs- Fonds (WWFF), hat inzwischen 130 Teilnehmer. „Gerade kleine Unternehmen haben nicht so den Überblick über den Markt“, führt Projektmanager Bernhard Schmid aus. „Wir können dabei helfen, die richtigen Kontakte, die verläßlichen Partner zu finden.“

Der rasch zusammenwachsende Markt der Centrope- Region verlangt nach grenzüberschreitendem Technologie- Transfer. So lag es auf der Hand, dass biterap und VITE, die inzwischen auch mit Clustern in Tschechien und Ungarn kooperieren, zueinanderfanden. Mit dem Projekt CITT (Centrope ICTTechnology Transfer) hat man sich Großes vorgenommen: die Organisation eines effizienten Zugangs der Business-Partner zu den Forschungsergebnissen von Universitäten und Hochschulen. Ein erster Erfolg ist bereits zu verbuchen: die EU sprach dem von VITE angeregten Projekt vor wenigen Wochen im Rahmen ihres 7. Forschungsrahmenprogramms eine Förderung zu.

WISSEN Slowakei

Die Centrope-Regionen Bratislava und Trnava sind die wirtschaflich stärksten Teile der Slowakei. Beide haben ein überdurschnittliches Wirtschaftswachstum: Stieg die Arbeitsproduktivität im Durchschnitt von 2001 bis 2005 um 42 Prozent, konnte im gleichen Zeitraum in den beiden Regionen ein Anstieg von 55 (Bratislava) bzw. 54 Prozent (Trnava) beobachtet werden. Bratislava hat zudem die niedrigste Arbeitslosenrate des Landes. (red)
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