Ein Großteil der Biotechnologie-Aktivitäten in
Tschechien spielt sich rund um Prag und Brno
ab
Letzteres versucht mittels Innovationsplänen,
Investments und Inkubatoren wie
dem Südmährischen Innovationszentrum, die
Standortattraktivität weiter zu erhöhen.
Geht es um Biotechnologie,
beruftman sich in Tschechien
gerne auf die Tradition. Etwa
jener, Lebensmittel unter Zuhilfenahme
von Hefe zu veredeln
– Budweiser lässt grüßen.
Aber auch auf den „Vater
der Genetik“ Johann Gregor
Mendel.
Ob sich Mendel, Brnos berühmtester
Erbsenzüchter, an
Michal Kostka gewandt hätte,
umseine Forschungsergebnisse
zu vermarkten? Diese Frage
wird wohl unbeantwortet bleiben
müssen. Feststeht, dass
ihm nicht die Möglichkeit offenstand,
sich an eine Einrichtung
wie das Südmährische
Innvovationszentrum JIC (Jihomoravské
Inovacní Centrum)
in Brno zu wenden. Gut
möglich auch, dass seine Entdeckung
– die Regeln der Vererbung
bei Erbsenpflanzen –
schon an der ersten Hürde gescheitert
wäre. „Wir checken
zuerst, ob die Idee überhaupt
zur Umsetzung taugt“, erklärt
Kostka, stellvertretender Direktor
des JIC. „Ohne guten
Businessplan geht nichts.“
Hüter der Innovation
Das JIC wurde 2002 mit dem
Ziel gegründet, ein positives
Klima für regionale, innovative
Unternehmen zu schaffen,
schildert Kostka. Damals wurde
eine Innovationsstrategie
ausgearbeitet, das Zentrum als
Hüter derselben etabliert. Es
dient auch als so genannter Inkubator:
„Um Wissenschaftern
dabei zu helfen, Unternehmen
zu gründen.“ Dahinter
steckt der politische Wille,
die Region Südmähren und
die Stadt Brno zu einem attraktiven
Standort für zukunftsweisende
Sektoren – nicht
nur, aber auch der Biotechnologie
– zu machen. „Wir sind
sozusagen ein Jointventure“,
meint Kostka, „es gibt zwei öffentliche
Körperschaften plus
vier Universitäten, die ihre
Kräfte vereinten, um wiederum
eine Agentur zu schaffen,
die der Region Impulse in
Richtung innovativer Unternehmerschaft
gibt.“
Neben Finanzierung stellt
das JIC auch Dienstleistungen
(juristische Beratung etc.) und
Infrastruktur etwa in Form
von Büroräumlichkeiten zur
Verfügung. Welche sich im
Gebäude des Zentrums selbst
befinden, das auf einem Hügel
über Brno liegt, etwas versteckt
hinter Werkshallen und
dem alles überragenden 19-
stöckigen Hochhaus der Fakultät
für Maschinenbau der
TU Brno.
Schon jetzt, so zeigt der „Tschechische Biotech Report“,
den das JIC 2006 publizierte
und der einen Überblick
über die Biotech-Forschungsund
Unternehmenslandschaft
bietet, gibt es zwei Zentren im
Land: 33,9 Prozent der Biotechnologie-
Unternehmen sitzen
rund um Prag, 18,5 Prozent
in der Region Südmähren.
Ähnlich stellt sich die Situation
in der einschlägigen
Forschung dar: Die spielt sich ebenfalls hauptsächlich in
Prag und Brno ab. Zudem entsteht
rund um die Masaryk-
Universität in Brno gerade ein
Life Science Campus, mit Laboren,
aber auch Cafés, Shops
und Unterkünften für die Studenten.
Er soll „alles für exzellente
Forschung bieten“, sagt
Kostka. „10000 Studenten sollen
hier zusammen leben und
forschen und hoffentlich auch
ihre eigenen Unternehmen
aufbauen.“ Damit das tatsächlich
hinhaut, ist dem Campus
auch gleich ein Life-Science-
Inkubator angeschlossen. Vieles
stehe noch am Anfang,
meint Kostka, der angesichts
der Energie, die in die Sache
gesteckt werde, aber äußerst
optimistisch in die Biotech-
Zukunft Südmährens blickt.
Österreich sei allerdings
schon wesentlich weiter.
Harald Isemann, Geschäftsführer
des Biotech-Instituts
IMP (Institute ofMolecular Pathologie)
mit Sitz am Campus
Vienna Biocenter in der Bohrgasse
im 3. Bezirk, erinnert
sich an die Anfänge hierzulande:
„Noch vor zwanzig Jahren
war Österreich eine Biotech-
Wüste.“ Es habe damals keinen
Grund gegeben nach Wien
zu kommen. Erst durch öffentliche
Initiativen sei der Standort
attraktiv geworden. (Markus Böhm aus Brno)
WISSEN Tschechien
Wirtschaftlich wird die
Centrope-Region Südmähren,
die zu den am
schnellsten wachsenden
Gebieten des Landes gehört,
von Brno dominiert.
Die zweitgrößte Stadt
Tschechiens ist mit ihren
zahlreichen Universitäten
und Forschungseinrichtungen
auch ein Zentrum
für Forschung und
Entwicklung. Ein Viertel
der Bevölkerung ist in
der verarbeitenden Industrie
beschäftigt. Von
2005 bis 2006 sank die
Arbeitslosenrate in Südmähren
von 10,2 auf 8,8
Prozent. (red)