"Feuer frei" - Millionenklagen drohen

2. Jänner 2008, 10:42
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Nach Bekanntwerden der saftigen Strafe für Meinl European Land durch die Finanzmarkt­aufsicht blasen die An­leger­vertreter zum Sturm

Die Finanzmarktaufsicht hat den fünf Managern der Meinl European Land Limited Strafen von jeweils 20.000 Euro aufgebrummt. Diese nicht rechtskräftigen Strafbescheide werden nun ein Karussell von Klagen in Bewegung setzen.

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Der Bescheid der Finanzmarktaufsicht gegen fünf Vorstände der Meinl European Land hat Konsequenzen: Auf die Geldbußen, die nicht rechtskräftig sind, hat ein ganzes Heer geschädigter Aktionäre und Rechtsanwälte gebannt gewartet. Noch am Mittwoch gingen sie aus der Deckung. "Feuer frei", meinte Ex-Justizminister Dieter Böhmdorfer, der zahlreiche Kleinanleger vertritt und mit dem Interessenverband der Anleger kooperiert. Er hat gestern den ersten Schritt für Klagen gegen die Meinl Bank gesetzt und Julius Meinl über die "Inanspruchnahme von Behörden" in Kenntnis gesetzt.

Böhmdorfer, der dem Vernehmen nach mit dem deutschen Prozessfinanzierer Juragent arbeitet, listet in seinem 32-seitigen Schreiben an "Herrn Lic. oec. HSG Julius Meinl" eine Wertminderung von 3,95 Milliarden Euro auf, die die Anleger durch den Kurseinbruch seit Juli erlitten hätten. Der sei durch den Rückkauf eigener Aktien "zum Teil bewirkt, zum Teil verstärkt" worden.

Ebenfalls Wasser auf die Klagsmühlen sind die Bescheide der FMA aus Sicht des Prozessfinanzierers AdvoFin, der 2300 Mandanten per Sammelklage vertreten will. "Das nun dokumentierte Verschulden war eine notwendige Voraussetzung für die rechtlichen Schritte", erläutert Vorstand Franz Kallinger. "Das untermauert unsere Argumentation", die noch heuer in erste konkrete Schritte münden soll. Auch AdvoFin wendet sich an die Meinl Bank und hat zudem MEL und Meinl Success ins Visier genommen.

Dazu kommen zahlreiche Finanzberater, die Meinl für ihre eigenen Verluste oder die ihrer Kunden verantwortlich machen. Umgekehrt sind die Vermittler mit potenziellen Klagen ihrer vergrämten Klientel konfrontiert. Rechtsexperten teilen die Auffassung, dass mit der nun von der FMA festgestellten Kursmanipulation durch die MEL-Vorstände der Weg für rechtliche Schritte geebnet sei. MEL sieht das naturgemäß anders. Unternehmenssprecher Herbert Langsner verweist darauf, dass "man keinen kausalen Schaden nachweisen kann. Allfällige Klagen sind deshalb mehr oder weniger aussichtslos."

Ungemütlich wird es für die Gruppe allemal. Mitbewerber freuen sich bereits über regen Zulauf von Kunden und Mitarbeitern der Meinl Bank. Der fehlen künftig nicht nur die satten MEL-Provisionen, weil die gegenseitigen Geschäfte zurückgeführt werden. Auf sie könnte neben der drohenden Entschädigung der Anleger auch noch Ungemach durch die Prüfung durch Notenbank und FMA zukommen. Denn die bankrechtlichen Ermittlungen sind noch am Laufen.

Der Aufsichtsratspräsident der Meinl Bank, der 83-jährige Walter Jakobljevich, glaubt nicht, dass sich die Entwicklungen rund um die MEL negativ auf die Bank auswirken werden. Er selbst denke jedenfalls nicht daran, "davon zu laufen, ich bin der, der auch das schwankende Schiff nicht verlässt". Was den "sehr angekratzten Namen Meinl" betreffe, blute ihm das Herz, sagte Jakobljevich zum Standard. "Der verstorbene Präsident Meinl würde sich im Grabe umdrehen."

Die Frage, ob er fürchte, als Aufsichtsratschef selbst zum Handkuss zu kommen, verneint er: "Ich habe keine Angst. Das, was uns vorgelegt wurde, haben wir sorgfältigst geprüft. Wenn ein Vorstand einem Aufsichtsrat nichts vorlegt, stirbt jeder Aufsichtsrat dumm." Er selbst habe in der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung "darum gebeten, dass der Vorstand alle Karten auf den Tisch legen und reinemachen soll". (Renate Graber, Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.11.2007)

  • Über dem Unternehmensreich von Julius Meinl brauen sich dunkle Gewitterwolken zusammen.
    foto: standard/matthias cremer

    Über dem Unternehmensreich von Julius Meinl brauen sich dunkle Gewitterwolken zusammen.

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