Sburny: "Es ist genug für alle da"

27. Februar 2008, 21:26
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Grünen-Geschäfts­führerin Sburny im derStandard.at-Interview über Probleme der Jugend-Quote und Projekte abseits von Parteihierarchien

Schon vor Monaten war die (Nicht)-Jugendlichkeit der Grünen Thema: Eine Jugend-Quote solle es geben, die Partei müsse "verjüngt" werden - Forderungen, die vorrangig von den Wiener Grünen gestellt wurden. Die anderen Bundesländer waren skeptisch, die Quotenregelung ist daher chancenlos. Beim grünen Bundeskongress am kommenden Wochenende wird dennoch darüber beraten, wie man Jungen ein besseres Standing in der Partei verschaffen kann. Anita Zielina sprach mit Bundesgeschäftsführerin Michaela Sburny über die Pläne.

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derStandard.at: Frau Sburny, was wurde aus der Jugendquote?

Sburny: Es gibt beim Bundeskongress zwei Anträge, die sich damit beschäftigen, wie Junge noch leichter als bisher Zugang kriegen können. Allerdings ist in keinem dieser Anträge die Rede von einer Quote. Das war ursprünglich in Wien angedacht und ist bei den anderen Ländern, wie soll ich sagen, nicht auf so große Begeisterung gestoßen. Es ist auch in Wien nicht ganz unumstritten gewesen. Denn eine Quote an sich – so einfach ist es nicht. Der Zweck braucht andere Mittel. Die Frage ist – wie kann man junge Leute so unterstützen, dass sie nicht in der Parteistruktur untergehen?

Wie schafft man es, dass Leute, die gerne bei uns etwas machen wollen, nicht in die Parteistruktur eintreten müssen? Das betrifft ja nicht nur Junge, sondern auch andere Quereinsteiger. Das ist ein Thema, mit dem wir uns beschäftigen werden müssen.

derStandard.at: Schließen Sie aus, dass es doch noch einen Quotenantrag geben könnte?

Sburny: Ich schließe es nicht aus, wir sind in einem Umstrukturierungsprozess, und da wird auch das sicher noch einmal Thema sein. Aber jetzt geht es erst einmal um einen breiten Kompromiss, den möglichst viele unterschreiben können.

derStandard.at: Was sind, abgesehen von einer Quote, Mittel mit denen Sie die Jugend stärker einbinden wollen?

Sburny: Was uns wichtig ist, ist dass sie politische Projekte machen können, die nicht so in der Partei verankert sind wie sonst üblich. Wie das im Detail aussieht, wird man sehen. Wenn jemand findet, er hat ein gutes Projekt, soll er die Möglichkeit bekommen, finanzielle und organisatorische Unterstützung zu erhalten. Wenn es nicht völlig gegen alle grünen Grundsätze ist, dann soll er das auch tun können.

derStandard.at: Also einen Ausweg aus den konventionellen Parteiwegen?

Sburny: Es soll keine Parallelstruktur sein, aber es soll eine leichtere Möglichkeit für junge Leute bieten, abseits von Hierarchien Projekte zu verwirklichen, die ihnen ein Anliegen sind. Etwa so wie in Niederösterreich, wo es den Bandwettbewerb gibt. Dafür hat die Landespartei Struktur und finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt. Die Jugend kann sich mit der Partei beraten, muss aber nicht. Auf das zielt der Antrag auch ab, und ich glaube dass er damit auch Unterstützung finden wird.

derStandard.at: Die Grünen müssen sich also nicht den Vorwurf gefallen lassen, dass sie das parteiinterne Versprechen der Verjüngung nicht einhalten?

Sburny: Nein, sicher nicht. Das ist uns allen ein Anliegen. Die Frage ist nur: Wie schafft man es so, dass nicht einer auf irgendeiner Liste sitzt, sondern dass die jungen Leute insgesamt mehr Einfluss haben und mitreden können.

derStandard.at: Sehen Sie die Rolle der Grünen als Jugend-Lobbyisten? Etwa in der Pensionsdiskussion?

Sburny: Ich finde es gut, wenn Junge ihre Anliegen vertreten. Diese Diskussion läuft aber in die falsche Richtung. Wenn man sich ansieht, wie insgesamt Reichtum und Wohlstand in Österrreich verteilt sind, dann muss man sagen: Die Verteilungswirkung ist schlecht. Die Lücke zwischen Arm und Reich geht auseinander, ebenso zwischen Frauen und Männern – aber Jung gegen Alt auszuspielen, wie es die Regierung jetzt tut, ist unfair. Es ist genug für alle da, es muss nur fair verteilt werden. (Anita Zielina, derStandard.at, 21.11.2007)

  • Sburny: "Wie schafft man es, dass Leute, die gerne bei uns etwas machen wollen, nicht in die Parfteistruktur eintreten müssen?"

    Sburny: "Wie schafft man es, dass Leute, die gerne bei uns etwas machen wollen, nicht in die Parfteistruktur eintreten müssen?"

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