Politische Briefkultur

11. Jänner 2008, 15:15
2 Postings

Rundgang durch zwölf Jahre appellative Befindlichkeitsprosa aus den Parteisekretariaten: Der Vergleich macht Sie sicher - und Ihre Pensionen auch

Pensionsreform ja, aber menschlich

Sehr geehrte Familie ..., heuer gibt es eine „Schöne Bescherung“ für alle, die ihren verdienten Ruhestand genießen oder sich schon darauf freuen: Die ÖVP wollte bestehende Pensionen kürzen und das gesetzliche Pensionsalter überfallsartig erhöhen! Das habe ich persönlich verhindert. Um trotzdem auf die Pensionen zugreifen zu können, wollte die ÖVP Neuwahlen. Ausgerechnet eine Woche vor Weihnachten! Aus vielen Gesprächen mit Senioren weiß ich, daß diese Probleme Anlaß zu großer Sorge geben. Die Menschen verstehen durchaus, daß Reformen und Sparmaßnahmen notwendig sind. Aber sie verstehen nicht, daß man ihnen etwas wegnehmen will, was sie im Vertrauen auf unseren Staat hart erarbeitet haben. Deshalb sage ich: Pensionsreform ja, aber menschlich und gerecht. Die SPÖ will die Pensionen sichern. Und Pensionen sichert man am besten mit neuen Arbeitsplätzen. Deshalb werde ich ein starkes Investitionsprogramm für neue Arbeitsplätze starten. Mein Ziel ist die Vollbeschäftigung. Denn: Sichere Arbeitsplätze sind die beste Garantie, daß die Pensionen auch in Zukunft gesichert sind. Damit ich dieses Ziel verwirklichen kann, ersuche ich um Ihr Vertrauen. Ihr Franz Vranitzky PS: Sie haben mit Ihrer Arbeit aus einem armen Nachkriegs-Österreich ein wohlhabendes Land gemacht. Ein sicheres, stabiles Österreich, auf das wir alle stolz sein können. Dieses Land braucht keine Experimente. Am 17. Dezember entscheiden Sie darüber, ob es so bleibt! (7. 12. 1995, Franz Vranitzky)

Immer gekümmert

Zum Unterschied von SP und VP habe ich mich in meiner Eigenschaft als Landeshauptmann von Kärnten um die älteren Menschen gekümmert. Das wollen wir jetzt auch in ganz Österreich machen. Außerdem möchte ich erreichen, dass die Pensionserhöhung nicht mehr nach Prozenten sondern, durch einen Fixbetrag erfolgt (...) Ich möchte aber auch erreichen, dass jene Frauen, die nach 1945 Österreich aus den Trümmern wieder aufgebaut haben, durch eine pauschale Erhöhung ihrer Rente finanziell besser gestellt werden. Am 3. 10. haben Sie die Möglichkeit, die bestehenden Pensionen zu sichern – durch Ihre Stimme für die FPÖ.

(28. 9. 1999; Auszug, Jörg Haider)

Wissenswertes für den Lehrkörper

Sehr geehrte Lehrerin! Sehr geehrter Lehrer! Es gibt wenige Berufe, die in letzter Zeit so viel im Licht der Öffentlichkeit waren, wie Ihrer. Viele Gespräche mit Lehrerinnen und Lehrern an unterschiedlichsten Schulen sind für mich ausschlaggebend dafür, dass ich Ihnen heute persönlich schreibe.

Lehrerinnen und Lehrer wollen den jungen Menschen, die ihnen anvertraut sind, eine gute Schulzeit und vor allem beste Chancen im weiteren Leben ermöglichen. Sie arbeiten daran mit großem fachlichem und pädagogischem Wissen, oft mit Humor, manchmal mit Strenge. Und immer mit viel Herz. Aus diesen Gesprächen mit Lehrerinnen und Lehrern weiß ich, dass der Schulalltag für Sie nicht immer einfach ist. Und das hat weniger mit der Organisationsform der Schule zu tun, sondern viel mehr mit geänderten Lebensumständen. Immer häufiger gibt es Schülerinnen bzw. Schüler, die durch ihr Verhalten das Zusammenleben an der Schule schwieriger machen. Ich will Sie darin bestätigen, Ihre Schülerinnen und Schüler zu fördern, aber auch zu fordern. Die Jugend soll ihren Weg gehen. Einige Wegweiser und Grenzsteine können sie dabei aber gut brauchen. Wer jungen Leuten mit Mitmenschlichkeit und Konsequenz in ihrer Entwicklung hilft, leistet aus meiner Sicht den wichtigsten Dienst an der Gesellschaft, den man leisten kann. Ich weiß, wir alle erwarten sehr viel von Ihnen als Pädagogin bzw. Pädagoge und vor allem als Mensch. Immer wieder höre ich von Lehrerinnen, Lehrern, Eltern und auch Schülerinnen und Schülern, dass in der Schule oder am Schulweg Kinder und Jugendliche körperlich und seelisch bedroht und einige sogar verletzt werden. Ich bitte Sie alle, hinzuschauen und zu handeln. Gleichzeitig verspreche ich, alles zu unternehmen, um einer derartigen Entwicklung entgegenzuwirken.

Lehrerinnen und Lehrer sind Expertinnen und Experten für die Zukunft der jungen Menschen. Sie meinen es gut, sie stellen den jungen Menschen in den Mittelpunkt ihrer Anstrengungen. Wir Politiker brauchen sie dringend als Begleiterinnen und Begleiter einer verantwortlichen, leistungsbereiten und mitmenschlichen Jugend. Sie brauchen umgekehrt von uns Politikern Antworten auf offene Fragen und die Bereitschaft, unser Bildungssystem weiterzuentwickeln. Daran arbeiten wir hart. Wir haben in diesem Sinne aktuell fixiert, dass in Zukunft unterschiedliche Modellversuche an Österreichs Schulen unter folgenden Voraussetzungen stattfinden können:

1.) Die Eltern der Sekundarstufe 1 und die Lehrerinnen und Lehrer der betroffenen Schule werden in die Entscheidung einbezogen. Nur mit ihrer Zweidrittel-Zustimmung können Modellversuche beschlossen werden. 2.) Hauptschulen und Gymnasien innerhalb eines politischen Bezirks bleiben auch bei Modellversuchen im Bezirk erhalten. 3.) Jeder Modellversuch wird vom jeweiligen Landesschulrat beantragt und vom Unterrichtsministerium anschließend erlassen. Es werden so von den Ländern unterschiedliche Schulversuche durchgeführt werden. 4.) Jeder Modellversuch wird begleitend evaluiert, damit man auch einen seriösen Vergleich mit der „Regelschule“ anstellen kann. 5.) Modellversuche dauern grundsätzlich vier Jahre. Ich will, dass Ihre Leistungen als Lehrerinnen und Lehrer die entsprechende Anerkennung in der Öffentlichkeit und vor allem auch in der Politik erfahren. Sie begleiten junge Menschen auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden – keine einfache aber eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Bei allen Rahmenbedingungen, die von der Politik gesetzt werden können, bin ich zutiefst davon überzeugt: Es sind die Lehrerinnen und Lehrer, die unsere Schulen prägen! Ich bedanke mich bei Ihnen für das, was Sie täglich für unsere Jugend und damit auch für Österreich tun. Herzliche Grüße Mag. Wilhelm Molterer Vizekanzler (12. 11. 2007, Wilhelm Molterer)

Ein Stück vom Kuchen für jeden

Lieber ..., Hand aufs Herz: Hatten Sie in den letzten Jahren manchmal das Gefühl, dass Sie vom Wohlstand des Landes nicht Ihren gerechten Anteil bekommen? Fühlten Sie sich vielleicht von der Politik unfair behandelt? Viele Pensionistinnen und Pensionisten haben so empfunden. Ich verstehe das. Denn in den letzten sieben Jahren sind die Pensionen immer weniger wert geworden. Nur ein einziges Mal hat die Vorgängerregierung die Teuerung abgegolten – und das bei ständig steigenden Preisen fürs Leben. Das ist nicht anständig. Genau deshalb verfolge ich mein Ziel mit Nachdruck: Jeder soll sein Stück vom Kuchen bekommen, ganz besonders die ältere Generation. Ihr haben wir viel zu verdanken, sie muss vom Wirtschaftsaufschwung profitieren. Darum haben wir die Pensionen jetzt kräftig erhöht. Besonders deutlich werden das die Bezieherinnen und Bezieher von kleinen und mittleren Pensionen spüren, und das ist die große Mehrheit. Die Mindestpensionen haben wir jetzt zum zweiten Mal in Folge massiv angehoben. Leisten können wir uns das, weil wir die Beschäftigung angekurbelt haben.Endlich sinkt die Arbeitslosigkeit, auch bei den Jugendlichen, und das ist mir besonders wichtig. Ich möchte Ihnen schon jetzt schöne Weihnachtsfeiertage sowie Gesundheit und Zufriedenheit im neuen Jahr wünschen. Gemeinsam mit meinem SPÖ-Regierungsteam werde ich dafür sorgen, dass es ein gutes Jahr für Sie wird. Herzliche Grüße, Ihr Dr. Alfred Gusenbauer SPÖ-Vorsitzender (19. 11. 2007, Alfred Gusenbauer)

Gute Arbeit geleistet

Liebe Österreicherinnen! Liebe Österreicher! Die Regierung hat gute Arbeit geleistet: das Kinderbetreuungsgeld, die Abfertigung für alle, die Hospizkarenz, die Pensionsreform, die Neuausrichtung der Budgetpolitik, indem wir keine neuen Schulden mehr machen, die Universitätsreform, die Bildungsoffensive an den Schulen, die Liberalisierung der Gewerbeordnung und die Verwaltungsreform. Bewerten Sie selbst, was die rot-grüne Opposition dem entgegenzusetzen hatte. Wir haben auch in schwierigen Zeiten bewiesen, dass wir Krisen bewältigen können. Wir stehen für Verlässlichkeit und Sicherheit. Wolfgang Schüssel (14. 5. 2002, aus einem „Inseratbrief“)

(DER STANDARD, Printausgabe, 21.11.2007)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Alfred Gusenbauer

  • Wolfgang Schüssel
    foto: matthias cremer

    Wolfgang Schüssel

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Franz Vranitzky

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Jörg Haider

  • Wilhelm Molterer
    foto: foto: orf/thomas jantzen

    Wilhelm Molterer

Share if you care.