Unter aller Sau

25. Jänner 2008, 11:17
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Diskriminierung und Gewalt gegen Homosexuelle ist Alltag - die SoHo Oberösterreich will mit der Kampagne "Schwule Sau - STOPP" zum Nachdenken anregen

Seit einigen Tagen zieren die Großflächenplakate mit den knallrosa Schweinen das Stadtbild in Linz, Wels und Steyr. Darunter ist der Kampagnentitel "Schwule Sau - Stopp! Leben ohne Vorurteile!" zu lesen. Dahinter steckt eine Aufklärungskampagne gegen Homophobie der SoHo (Sozialdemokratie und Homosexualität) Oberösterreich. Denn Umfragen aus Köln und London ergeben ähnliche Zahlen: Rund 60 Prozent aller Schwulen und Lesben werden verbal diskriminiert, ein Fünftel sogar körperlich attackiert.

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"Wir haben das Sujet bewusst provokant formuliert, weil nur dadurch die Leute anfangen nachzudenken", so Michael Leiblfinger von der SoHo Oberösterreich. "Ich höre regelmäßig aus meinem Bekanntenkreis von solchen Erlebnissen, das reicht von Beschimpfungen bis zu körperlichen Attacken. Wir wollen die Leute zum Nachdenken bringen und das geht nicht nur über reine Information", so Leiblfinger.

Nicht als Ungleiche abstempeln

"Homosexuelle werden in einer Vielzahl von Bereichen diskriminiert: Schimpfwörter, Vorurteile, Abneigung, Hass, Aggression bis hin zu Gewalt. Gerade Jugendliche verwenden 'schwul' als Schimpfwort und zeigen somit die gesellschaftliche Minderstellung auf. Es gibt aber auch gesetzliche Diskriminierungen," erklärt der SoHo-OÖ Landesvorsitzender Gerhard Friedinger.

Häufig seien es aber gerade vermeintliche Kleinigkeiten, die viele Lesben oder Schwule ärgern: "Benachteiligungen bei der Urlaubsplanung, da man ja keine Kinder habe, scherzhaft vorgetragene Wortwitze über 'Wärme' und weitere ähnliche Beispiele," so Leiblfinger. "Wir wollen daher mit dieser Aufklärungskampagne ein Umdenken bewirken und aufzeigen, dass Homosexuelle nicht als Ungleiche abgestempelt werden wollen."

Keine einheitlichen Ansprechpartner

Noch gibt es keine einheitliche Regelung für Diskriminierungsschutz am Arbeitsplatz. Wenn man im öffentlichen Dienst beschäftigt ist, gebe es die Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen in Wien oder Oberösterreich, informiert Leiblfinger. "Ich vergleiche das immer mit Religionen. Wenn man aufgrund seiner Religion diskriminiert wird, gibt es auch keine einheitlichen Ansprechpartner", meint Leiblfinger.

"Zusätzliche Hürden lieber vermeiden"

Genaue Zahlen und Daten über die Situation in Österreich gibt es nicht, was für Leiblfinger vor allem einen Grund hat: "Nach einer Attacke zur Polizei zu gehen und anzugeben, dass man aufgrund seiner Homosexualität diskriminiert wurde, ist für viele eine zusätzliche Hürde, die lieber vermieden wird." Die Umfrage der "schwulen Überfalltelefons" in Köln bestätigt das: Gerade mal 17 Prozent der Befragten schalteten die Polizei ein, die restlichen 83 Prozent taten das nicht.

Couchgespräch im Dezember

Am siebten Dezember findet ein Couchgespräch zum Thema mit Helmut Graupner und Nationalratsabgeordneter Gabriele Heinisch-Hosek in Linz statt. Tags darauf am Einkaufssamstag werden SoHo Aktivistinnen und Aktivisten bei einem Infotisch auf der Linzer Landstraße stehen, um per Bodenzeitung und in persönlichen Gesprächen auf die Problematik aufmerksam zu machen. (jus/derStandard.at, 23.11.2007)

Links

Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen

Antidiskriminierungsstelle Oberösterreich

Couchgespräch mit Helmut Graupner und Gabriele Heinisch-Hosek:
7. Dezember, ab 19:30 Uhr, Landstraße 36, 4020 Linz

  • Artikelbild
    foto: soho oberösterreich
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