Ex-Staatschef des Rote-Khmer-Regimes festgenommen - mit Video

22. Februar 2008, 16:12
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Im Auftrag des internationalen Völkermordtribunals - 76-Jähriger Khieu Samphan letzter der fünf noch lebenden Khmer-rouges-Führer

Phnom Penh - Der letzte der noch lebenden fünf führenden Vertreter des Rote-Khmer-Regimes in Kambodscha, Ex-Staatschef Khieu Samphan, ist am Montag im Auftrag des internationalen Völkermordtribunals für Kambodscha festgenommen worden.

"Er wurde festgenommen und zum Tribunal gebracht", sagte der Sprecher Reach Sambath der Nachrichtenagentur AFP. Nach Augenzeugenberichten waren an dem Einsatz in der Hauptstadt Phnom Penh rund 30 bewaffnete Sicherheitskräfte beteiligt.

Khieu Samphan war am vergangenen Mittwoch auf Anordnung von Regierungschef Hun Sen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Der 76-Jährige wurde im Calmette-Krankenhaus wegen Bluthochdrucks behandelt. Er war während der Schreckensherrschaft der Roten Khmer, während der rund zwei Millionen Menschen getötet wurden, von 1975 bis 1979 Staatspräsident. Nach dem Einmarsch vietnamesischer Truppen floh er in die Volksrepublik China.

Khieu Samphan leugnet Massenmorde

Khieu Samphan hat den 1998 in einem Dschungelversteck verstorbenen Diktator Pol Pot in einem Buch als patriotischen Menschenfreund dargestellt. Khieu Samphan wies in der Publikation alle Anschuldigungen zurück, die Roten Khmer seien für den Tod von 1,7 Millionen Kambodschanern verantwortlich. Das Regime des "Demokratischen Kampuchea" habe nie Massenmorde angeordnet und auch niemanden bewusst verhungern lassen. Khieu Samphan wird von dem Völkermordtribunal in Phnom Penh unter Anklage gestellt.

Sein Buch "Reflexion über die kambodschanische Geschichte bis zur Ära des Demokratischen Kampuchea" lässt erahnen, wie sich Khieu Samphan vor dem Gerichtshof verteidigen könnte. Er führt an, dass die Roten Khmer die nationale Souveränität des Landes verteidigt und sich für soziale Gerechtigkeit eingesetzt hätten. Gleichzeitig betont er, alle Befehle seien von Pol Pot ausgegangen. Dieser habe "sein ganzes Leben geopfert, um die nationale Souveränität zu verteidigen".

Dem Sondertribunal in Phnom Penh, das aus 17 kambodschanischen und 13 von den Vereinten Nationen gestellten ausländischen Juristen besteht, sind enge Grenzen gesteckt. Angeklagt werden nur Spitzenvertreter des ehemaligen Regimes.

"Spionageabwehr"

Khieu Samphan erklärt in seinem Buch, die Massen-Deportation sei notwendig gewesen, um Spione aus dem Ausland abzuwehren. Wegen der Lebensmittelknappheit habe die gesamte Bevölkerung arbeiten müssen. Historiker erklären dagegen, die Volkskommunen hätten ineffektiv gearbeitet, und es habe kein System für die Verteilung der produzierten Nahrungsmittel gegeben. Ausländische Hilfe wurde von den Roten Khmer abgelehnt.

Der Direktor des Kambodschanischen Dokumentationszentrums, Youk Chang, bezeichnete das Buch Khieu Samphans als "eine alte Geschichte der Leugnung". Es füge den bekannten Tatsachen im Land der "Killing Fields" nichts Neues hinzu.

Vom Westen unterstützt

Die vietnamesische Armee marschierte Ende 1978 in das Nachbarland ein. Das Schreckensregime stürzte am 7. Jänner 1979. Die Roten Khmer zogen sich daraufhin in den Dschungel zurück, behielten den kambodschanischen UNO-Sitz und erhielten auch vom Westen Hilfe. Sie führten einen verlustreichen Untergrundkrieg gegen die Vietnamesen und das mit deren Hilfe installierte Regime in Phnom Penh.

Erst 1991 kam es zur Unterzeichnung des Pariser Friedensabkommens, das die Voraussetzungen für eine umfangreiche UNO-Friedensoperation, demokratische Wahlen und die Wiedererrichtung des 1970 von Lon Nol abgeschafften Königtums unter Sihanouk (dem 2004 sein Sohn Norodom Sihamoni auf den Thron folgte) schuf. (APA/red)

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    Khieu Samphan (rechts) wird zu einem Polizeihubschrauber begleitet, der ihn in ein Krankenhaus nach Phnom Penh bringt.

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    Khieu Samphan (rechts) auf einem Archivbild aus dem Jahr 1974.

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