Grazer Stagnation

von Redaktion  |  11. Jänner 2008, 14:16

Junge EU-Städte wie Maribor oder Ljubljana haben Graz binnen weniger Jahre überholt - von Colette M. Schmidt

Ein Blick auf die Kandidaten, die bei der Grazer Wahl im kommenden Jänner antreten, könnte das Personal für eine Sitcom über Kommunalpolitik in einer mittelgroßen Stadt, die nicht vom Fleck kommt, sein. Da wäre der ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl, der außerhalb der Stadtgrenzen vor allem als Oberhaupt vom "Bollwerk gegen die Türken" oder als Katholik, der glaubt, Homosexualität könne geheilt werden, von sich reden macht. Gegen ihn rittert die Grüne Lisa Rücker, die sich vor wenigen Monaten als lesbisch outete, um die liberaleren Stimmen im Bürgertum. Andere Sorgen hat die KPÖ-Stadträtin, Elke Kahr, die in übergroße Schuhe schlüpfen soll, die ihr Vorgänger, Ernest Kaltenegger, ihr hinterlassen hat. Dass dieser mittlerweile seit zwei Jahren im Landtag sitzt, hat aber ohnehin fast niemand in der Grazer Bevölkerung bemerkt.

Die FPÖ tritt mit Susanne Winter an, die in Graz bisher unbekannt war und mittlerweile selbst von Wien aus nicht mehr steuerbar zu sein scheint: Ihr Wahlkampf befindet sich auf Augenhöhe - oder besser gesagt Tiefe - mit jenem des BZÖ-Generals Gerald Grosz. Die Orangen wollen in den Gemeinderat kommen, die FPÖ will in die Stadtregierung. Das Ergebnis ist ein auf Kosten von Migranten und Bettlern geführter Wahlkampf, der selbst in Straches Wiener Wahlkampf seinesgleichen sucht. Dass der Wahlkampf erstmals von einem Menschenrechtsbeirat beobachtet wird, ist FPÖ und BZÖ herzlich egal.

Dabei hätte die Stadt mit ihren rund 280.000 Einwohnern, wo von etwa 36.000 Studierende sind, urbanes Potenzial und wirklich andere Sorgen. Etwa jene, mit einem knappen Budget endlich ein zeitgemäßes Verkehrskonzept oder die 2003 versprochene kulturpolitische Nachhaltigkeit zu realisieren: Da haben junge EU-Städte wie Maribor oder Ljubljana Graz binnen weniger Jahre überholt. (DER STANDARD, Printausgabe, 17.11.2007)

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rrrn  
28.11.2007 18:45

Die Technische Hochschule Graz hat Weltniveau - wieso kann man das nicht nutzen? An der Uni Graz gibt es zB tolle Entscheidungsforschung. Waere ganz leicht, dass Studenten/-innen aus der ganzen Welt um Studienplaetze Schlange stehen. Vor ca 30 Jahren war die Grazer TU-Architektur ruehrig, top (mind.) in Oesterreich: warum jetzt solch schiache Blasen, Wuermer, Blunzen ... an/in der Mur?

Palinka
28.11.2007 19:14
Nachhaltige Schäden durchs Kuturhauptstadtjahr!

Da lobe ich mir das "Brunnenwerk" ("Rostiger Nagel" genannt) zwischen Kaiserzeit-Stadtparkbrunnen und Forum Stadtpark. Auch das "Lichtschwert" zwischen Opernhaus und Next Liberty (obschon zuerst ein paar Meter weit weg den Springbrunnen dauerschädigend aufgestellt!) beeindruckt. Gottseidank sind Uhrturmschatten und Marienlift entfernt!

rrrn  
27.11.2007 16:49
FPOe Susanne Winter

S. http://steiermark.orf.at/stories/237219/:
"Die Spitzenkandidatin der FPÖ für die Grazer Gemeinderatswahl, Susanne Winter, hat für einen Eklat gesorgt. In einem Interview sagte sie zu ihrem in Afrika geborenen Gesprächspartner, es liege an seinen Genen, dass er zu wenig Selbstbewusstsein habe. ..."
Wieder ein Beleg, dass FPOe und BZOe endlich verboten gehoeren.

Palinka
28.11.2007 14:11
Primitiver Stimmenfangversuch,

kommt in allen Nachbarländern leider auch vor.

rrrn  
28.11.2007 14:26

Ja, klar. Notwendig, wenn auch nicht ausreichend, ist aber, dass die demokratische Justiz reagiert. Toleranz gegenueber solch brandgefaehrlichen Hinterkanal-philosophien hat immer ins Grauen gefuehrt: zB Hitler.

Palinka
28.11.2007 16:34
stimmt, hat aber mit Graz : Marburg/Laibach -

Vergleichen weniger zu tun.

rrrn  
29.11.2007 12:29

1. Ja. Siehe oben.
2. Der Artikel ueber Susanne Winter erschien zwar in der Print-ausgabe der "Salzburger Nachrichten", nicht aber Online: (www.salzburg.com: "Suche","Archiv"). Auch im Online-Standard ist er nicht zu finden. Wird Druck, Einschuechterung ... auf die Zeitungen ausgeuebt?

comicorum_amicus
22.11.2007 19:50
Für alte Städte wie Laibach/Ljubljana und Marburg/Maribor

begrifflich "junge EU-Städte" zu gebrauchen, zeigt schon die Schwächen des Zeitungsartikels auf.

Atterl 
24.11.2007 08:42

Jung in der EU... stell Dich net so, heast.

grazer1941
24.11.2007 17:42
In der uralten EU-Stadt Roma

ist es noch schwerer, wo ein ordentliches Frühstück zu bekommen, als in zwei der allerjüngsten EU-Städte Sofija und Bucuresti. Das ist in der unstreitig sehr alten, ein Dutzend Jahre jungen EU-Stadt Graz viel besser, obschon vielleicht nicht ganz so leicht wie in manchen auch sehr alten Städten des relativ sehr jungen Staates Slovenija.

Reini Urban  
19.11.2007 19:51
Laibach? Marburg sicher nicht.

Kann sein, dass Laibach inzwischen Graz in Sachen "zeitgemäßes Verkehrskonzept oder die 2003 versprochene kulturpolitische Nachhaltigkeit" überholt hat, aber Marburg sicher nicht.
Der Marburger Wahlkampf letztes Jahr erinnerte stark an Nagl-ÖVP, und obwohl dort nicht der Rechtspopulist gewonnen hat, ist die Lenkung der Kultursituation in Marburg immer noch bedauerlich bis ärgerlich. Da ist Graz im vieles lebendiger, reicher und liberaler.
Und in der Hauptstadt ist es um vieles leichter, da ist Graz mit Laibach vergleichbar.

Palinka
29.11.2007 15:30
Provinzhauptstadt mit Staatskapitale nicht gleichrangig vergleichbar.

Papageninho
19.11.2007 16:30
links oder rechts?

Dass Marburg und Laibach Gradec spielend überholen konnten, ist ja nix Besonderes. Sie werden auch nicht durch das Schnellfahren hemmende zweisprachige Ortstafeln behindert.

Fragt sich nur, ob sie nun links oder rechts überholt haben.

Übrigens: Celovec ob Vrbskem jezeru ist weit voraus.

Karl Kuketz
19.11.2007 19:54
Graz steht zu den das Schnellfahren hemmenden zweisprachigen Ortstafeln!

comicorum_amicus
19.11.2007 16:27
Laibach ist Hauptstadt eines Staates geworden,

Graz war dies von 1564 bis des Regenten Karl Sohn Erzherzog Ferdinand III. Kaiser Ferdinand II. wurde und etwa 1620 seinen Hof von Graz nach Wien verlegte.

Karl Kuketz
19.11.2007 16:17
"....haben junge EU-Städte wie Maribor oder Ljubljana Graz binnen weniger Jahre überholt"

Fakten zur Untermauerung- oder einfach eine Behauptung, um den Grazern eins auszuwischen?

comicorum_amicus
19.11.2007 17:47
Marburg, Steiermarks zweitgrößte Stadt des Herzogtums,

ist halt nun zweitgrößte Stadt des EU-Staates Slowenien. Die Burg ist die unter Kaiser Friedrich III. errichtete, dem Graz auch einiges verdankt als dessen (wenigstens einige Zeit lange) Residenzstadt (neben dem lang steirischen Wiener Neustadt, neben dem Alterssitz Linz und dem ihm unlieben Wien, das ja zu Friedrichs Zeit 5 Jahre königliche Residenzstadt des damals feindlichen Ungarkiraly war.

Karl Kuketz
19.11.2007 19:51
Danke für die History

ich erkenn aber nicht den Zusammenhang mit meiner Frage...

dieBestatter   
18.11.2007 17:47
Nicht nur Nagl will Homosexuelle heilen !

Auch Bischof Laun.
An die weiter unten:
Danke für den Hinweis.

comicorum_amicus
18.11.2007 19:25
Und Hugo

will eine königliche Entschuldigung
des Santiagoschen Eklats wegen!

gert poelzl1 
18.11.2007 16:39

Graz hat schon was gespenstisches an sich am Abend. Und die Geschäfter in der Innenstadt ringen alle nach Luft.

Das stimmt schon ein bischen traurig.

Aber dass Laibach oder Marburg Graz überholt hätten, das will ja wohl nichts heissen.
Inwiefern ?

. Carnap  
22.11.2007 13:06

In Graz am Sonntag Morgen frühstücken gehen, ist eine Kunst. oder am Sonntag ein Lokal zu finden, sodass man essen kann.

Nein, nicht McDonald's. Laufke - gut, da war ich aber schon so oft. Ist nicht leicht.
Zur Verkehrsproblematik: 20 Jahre geschlafen. Fragen Sie einen Grazer Taxler, und dann einen Wiener und einen Linzer Taxler. Das spricht Bände.

comicorum_amicus
22.11.2007 15:10
Im Gemeindegebiet von Graz gibt es jede Menge guter Gaststätten die sonntags offen haben,

natürlich gibt es wie andere Tage auch den Sonntag als Ruhetag in der Gastronomie.

gert poelzl1 
22.11.2007 21:25
@ comicorum_amicus

in Graz selbst ?

Aber, mit de Restaurants kann's ja stimmen, aber was mich in Graz das letzte Mal gewundert hat, war diese gespenstische Atmosphäre am Abend.

Wie ausgestorben...

Aber ich muss eingestehen, ich bin an sich schon lange weg.

comicorum_amicus
22.11.2007 22:28
Auch wenn Sie unter "Graz selbst" nur den Stadtumfang

vor 7 Jahrzehnten (also noch vor Eingemeindung des großen Gebietes aller heutigen 11 Aussenbezirke: Liebenau, Sankt Peter, Waltendorf, Ries, Mariatrost, Andritz, Gösting, Eggenberg, Wetzelsdorf, Straßgang und Puntigam) meinen: JA!
Klarerweise gibt es in diesen 11 genannten Bezirken auch gute an Sonntagen geöffnete Lokale.

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