Steine fallen, Vögel sterben

4. Jänner 2008, 17:19
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Der "Domino Day": Nie sollte vergessen werden, dass das Umwerfen von Dominosteinen einst einen Spatz tötete ...

Nie sollte vergessen werden, dass das Umwerfen von Dominosteinen einst einen Spatz tötete.

Werter Leser, Sie haben im Freitags-TV den "Domino Day 2007" gesehen? Wahrscheinlich, weil Sie sowieso ferngeschaut hätten. Oder weil die Kinder das Ergebnis abwarten wollten. Vielleicht hatten Sie ja auch ein schlechtes Gewissen, weil Sie Omas Einladung zum Kaffeekränzchen nicht folgten und sich mit Armin Assingers abgrundreichem Alpinschmäh zu flacher niederländischer Unterhaltung bestrafen wollten.

Vielleicht haben Sie auch das Gefühl, dass diese Sendung sich allein deshalb hält, weil keiner so recht weiß, was das Ganze eigentlich soll. Ausgestrahlter Nihilismus, sozusagen. Den Kindern würde man das vielleicht verheimlichen, ihnen auf die Nase binden, dass solches Bildungsfernsehen das Prinzip der Kausalität veranschauliche. Oder dass das heurige Motto "Falling into life", gepaart mit dem millionenfach wiederholten Symbol des umgefallenen Steins eine Ambivalenz des Lebens symbolisiere.

Genug gefoltert. Jetzt die Geschichte mit dem Spatz für alle, die sie noch nicht kennen: Bei den Vorbereitungen zum "Domino Day" 2005 hatte sich der unglückselige Flatterer in die Halle verirrt, er warf 23.000 Steine um. Die Dominoaufsteller wurden böse und riefen die Tierfänger. Lange versuchten sie, den Spielverderber zu fangen. Dann kam ein Jäger, der erschoss den Piepmatz. Als die Tierschützer das hörten, meinten sie, dass ein Helfer auch nicht erschossen würde, wenn er Steine umwirft, und sie schalteten die Polizei ein. Von der Moderatorin forderten sie eine Enschuldigung ...

Lehre aus der G'schicht': Fade Beschäftigungen können trotzdem super G'schicht'n erzeugen. (pum/DER STANDARD; Printausgabe, 17/18.11.2007)

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    foto: foto: orf/hans leitner/manuela prirsch.
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