Der Nordpol schmilzt

19. August 2000, 18:22

Die Klimaerwärmung hat zum ersten Mal seit 50 Millionen Jahren eine schiffbare Passage bis direkt zum Nordpol geöffnet.

New York - Nach einem Bericht der New York Times ist ein Wissenschaftler der Harvard Universität am Nordpol auf ein offenes Fahrwasser gestoßen. Die Fahrrinne war eine Seemeile (1,85 Kilometer) breit. Nach Einschätzungen von Wissenschaftlern ist damit zum ersten Mal seit mehr als 50 Millionen Jahren der Weg zum Nordpol frei befahrbar.

"Es war total unerwartet", berichtete der Ozeanograph James J. McCarthy, Direktor des Museums für Vergleichende Zoologie an der Harvard Universität und Leiter des Intergovernmental Panel for Climate Change der Vereinten Nationen. McCarthy begleitete vor kurzem eine Kreuzfahrt des russischen Eisbrechers Yamal zum Nordpol. Bei einer ähnlichen Fahrt sechs Jahre zuvor, musste sich der Eisbrecher seinen Weg durch zwei bis drei Meter dickes Eis bahnen, so McCarthy. Auch der Kapitän des Eisbrechers, der in den vergangenen Jahren die Fahrt zehn mal durchgeführt hatte, ist noch nie auf offenes Wasser am Nordpol gestoßen.

Dort wo der Eisbrecher bei dieser Fahrt auf Eis traf, war es unüblich dünn und nicht geschlossen, berichtete der Ozeanograph. Für den obligaten Spaziergang der Passagiere am Nordpol musste die Yamal diesmal erst sechs Meilen weit kreuzen, bis das Schiff auf eine tragfähige Eisdecke stieß.

Bei Vergleichen von Satellitenbildern von der nördlichen Eiskappe hatten Wissenschaftler in den letzten Jahren eine Abnahme der Eisdecke über dem Arktischen Becken um 45 Prozent festgestellt. Der Trend hat sich dabei in den letzten Jahren dramatisch beschleunigt. Klimaforscher gehen davon aus, dass das die Eisdecke über dem Polarmeer von der Klimaänderung viel stärker von der weltweiten Erwärmung betroffen ist als die Antarktis. Demnach führt der größere Anteil an Landmassen in der nördlichen Hemisphäre zu einer schnelleren Erwärmung der Arktis. (pte)

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