Massiver Energieverbrauch trifft schärfste Abgaslimits
Der Energieverbrauch in den USA ist pro Kopf annähernd doppelt so hoch wie in der EU oder Japan. Trotzdem kommen gerade von dort immer wieder wichtige Impulse für den Umweltschutz, weil uns die Amerikaner auch im Leidensdruck voraus sind.
Als man in Europa bloß über Abgaskatalysatoren debattierte, waren sie längst technischer Stand der Dinge westlich des Atlantik. Infolge der schlechten Unfallstatistik führte man schon vor Jahrzehnten rigorose Geschwindigkeitsbeschränkungen ein.
Erfolgreicher Prius
Die nach wie vor schlechte Luft im Großraum Los Angeles bescherte Toyota den Erfolg mit dem Prius wegen des Hybridantriebs. Kalifornien hält unverändert die jeweils schärfsten Abgaslimits für Personenwagen bereit. Nirgends sonst laufen so viele Programme zur Entwicklung von äußerst sparsamen Brennstoffzellenautos, die so gut wie kein schädliches Abgas mehr ausstoßen.
Doch das wahre Leben schert sich um keine technischen Fortschrittsstrategien. Das Problem sitzt tiefer. Der ganze Kontinent hat sich gnadenlos vom Auto abhängig gemacht. Vor allem in den letzten zwei Jahrzehnten arbeiten auch wir Europäer mit aller Kraft daran, unsere Lebensqualität mit Autoverkehr zu torpedieren.
Das Ganze zählt
Weder heldenhafte Spritsparprogramme noch perfekte Abgasreinigung und keine utopischen Konzepte können uns vor einem automobilen Super-GAU à la Los Angeles retten. Und die Industrie kann man noch so sehr in Umweltalarm versetzen, sie kann uns vor dem Dilemma nicht schützen: Es entspricht ihrer marktwirtschaftlichen Bestimmung, immer mehr vom Gleichen zu produzieren.
Umwelt ist mehr als saubere Auspuffluft. Eine lebenswerte Umwelt ist nur mit gesamthaftem Gestaltungswillen zu erreichen nach dem Motto: Wie viel Auto braucht der Mensch? (rs, AUTOMOBIL, 16.11.2007)