Das Los-Angeles-Syndrom

Redaktion, 15. November 2007, 20:25

Massiver Energieverbrauch trifft schärfste Abgaslimits

Der Energieverbrauch in den USA ist pro Kopf annähernd doppelt so hoch wie in der EU oder Japan. Trotzdem kommen gerade von dort immer wieder wichtige Impulse für den Umweltschutz, weil uns die Amerikaner auch im Leidensdruck voraus sind.

Als man in Europa bloß über Abgaskatalysatoren debattierte, waren sie längst technischer Stand der Dinge westlich des Atlantik. Infolge der schlechten Unfallstatistik führte man schon vor Jahrzehnten rigorose Geschwindigkeitsbeschränkungen ein.

Erfolgreicher Prius

Die nach wie vor schlechte Luft im Großraum Los Angeles bescherte Toyota den Erfolg mit dem Prius wegen des Hybridantriebs. Kalifornien hält unverändert die jeweils schärfsten Abgaslimits für Personenwagen bereit. Nirgends sonst laufen so viele Programme zur Entwicklung von äußerst sparsamen Brennstoffzellenautos, die so gut wie kein schädliches Abgas mehr ausstoßen.

Doch das wahre Leben schert sich um keine technischen Fortschrittsstrategien. Das Problem sitzt tiefer. Der ganze Kontinent hat sich gnadenlos vom Auto abhängig gemacht. Vor allem in den letzten zwei Jahrzehnten arbeiten auch wir Europäer mit aller Kraft daran, unsere Lebensqualität mit Autoverkehr zu torpedieren.

Das Ganze zählt

Weder heldenhafte Spritsparprogramme noch perfekte Abgasreinigung und keine utopischen Konzepte können uns vor einem automobilen Super-GAU à la Los Angeles retten. Und die Industrie kann man noch so sehr in Umweltalarm versetzen, sie kann uns vor dem Dilemma nicht schützen: Es entspricht ihrer marktwirtschaftlichen Bestimmung, immer mehr vom Gleichen zu produzieren.

Umwelt ist mehr als saubere Auspuffluft. Eine lebenswerte Umwelt ist nur mit gesamthaftem Gestaltungswillen zu erreichen nach dem Motto: Wie viel Auto braucht der Mensch? (rs, AUTOMOBIL, 16.11.2007)

Leserfragen an:

Rudolf Skarics

  • Gefährliche Elektroautos [136]

    Elektrische Spannungen und Ströme, aber auch die Elektromotoren selber bergen hohe Risiken

  • Konflikt Fahrrad versus Auto [268]

    Die Trennung von Rad- und Autoverkehr funktioniert nicht wirklich. Radwege mögen das richtige Symbol sein, aber nicht immer die richtige Lösung

  • Vom autonomen Autofahren [42]

    Autofahren ist vor allem in Ballungsräumen nicht mehr lustig und um das erste verdiente Geld auszugeben gibt es genügend Alternativen zum Auto

  • Start-Stopp: Es gibt längst Besseres [86]

    Die Zukunft gehört Systemen mit Starter-Generator, der unauffällig zwischen Stillstand, Elektro- und Verbrennungsmotorbetrieb wechselt

  • Verkehr in Megacitys [3]

    Die Autoindustrie liefert Konzepte für den Autoverkehr in künftigen Megacitys und denkt über besonders kleine und smarte Fahrzeuge nach

  • Zugfahren als Schnäppchenjagd [185]

    Die Bahn hält Neukunden konsequent fern. Alternativen sind die neue Westbahn - oder der private PKW

  • Radfahren: Fit, aber tot? [256]

    Je mehr Radfahrer sich auf den Straßen tummeln, umso mehr Unfälle gibt es auch

  • Autosalon als Spiegelbild [3]

    Die heurige Automobilausstellung in Frankfurt kehrt auf den ersten Blick wieder ziemlich auf den Boden der Tatsachen zurück

  • Das Auto braucht Straßen [86]

    Das Auto braucht eine Infrastruktur, nämlich Straßen, und die schenken uns die Autohersteller nicht dazu

  • Autofahren mit Biogas [39]

    Biogas wird im Wesentlichen aus landwirtschaftlichen "Abfällen" hergestellt, tritt also nicht in unmittelbare Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion

  • Pendlerpauschale ade? [379]

    Eine hohe Mobilität von Arbeitskräften ist eine Grundlage unseres Wirtschaftslebens. Die CO2-Diskussion betrifft vor allem auch die Pendler

  • Mit den Waffen der Gegner [99]

    Gijs Mom macht sich schon lange Gedanken, warum der Elektromotor vor 100 Jahren den Wettlauf mit dem Verbrennungsmotor verlor

  • Abgas-Erregungsakrobatik [19]

    Bis heute spielen die kompromisslosen Autoverteidiger eine lautstark polternde, aber ziemlich nutzlose Rolle

  • Feinstaubalarm beim Ottomotor [81]

    Die Regelung Euro 5 sieht eine Begrenzung der Partikelmasse vor. Aber nur mit der Partikelmenge lässt sich der Feinstaubanteil erfassen

  • Feindbild Automobil (III) [20]

    Die Existenz zu vieler Autos wird zwar beklagt, als Jobmoter sind Autofabriken aber nach wie vor gerne gesehen

  • Feindbild Automobil (II) [103]

    Fahrrad- und Automobilfahrer waren einst Freunde. Die Freundschaft hatte ein Ende, als das Auto dem Rad davonfuhr

  • Feindbild Automobil (I) [71]

    Das Auto hatte es Anfangs ganz und gar nicht leicht, sich durchzusetzen

  • Porsche-Preis fürs Lichtsparen [21]

    Der Prof.-Ferdinand-Porsche-Preis der TU Wien geht dieses Jahr an Wolfgang Huhn (Audi) und Kamislav Fadel (Automotive Lightning)

  • Gasgeben wörtlich genommen [12]

    Mit steigenden Kraftstoffpreisen werden Alternativen zu Benzin und Diesel zusehends interessanter, insbesondere Erdgas

  • Gummi braucht Straße

    Die Hoffnung der Autobranche lautet, in den derzeit noch weniger entwickelten Ländern im Laufe der Zeit auf über 500 wie bei uns aufschließen wird

  • Elektromotor rettet Verbrennungsmotor [41]

    Das diesjährige Wiener Motorensymposium prophezeite revolutionäre Zeiten im Automobilbau

  • Flexibler Motorenpapst [43]

    Es werden nur jene technischen Lösungen kommen, für deren Erforschung und Umsetzung in die Praxis sehr viel Geld ausgegeben wird

  • Auf ins Energiesparadies [8]

    Wahrscheinlich befinden wir uns jetzt im letzten Drittel des Erdölzeitalters - und auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger

  • Mit dem Rotstift durch die Verbrauchstabelle [60]

    Mercedes senkt mit Akribie den CO2-Ausstoß seiner E-Klasse, jedenfalls auf dem Papier

  • Automatik ohne Mehrverbrauch [197]

    Mit manuellem Schaltgetriebe, automatischem Doppelkupplungsgetriebe und Wandlerautomatik werden heute in etwa die gleichen Verbrauchswerte erzielt

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