Verein Schmetterling: Fußball für die Seele

9. Jänner 2008, 14:54
posten

Das lange Warten auf den Asylbescheid nagt oft an der Psyche - Ein Wiener Verein sorgt für Beschäftigung

"Wenn ich noch lange hier herumsitzen muss, werde ich verrückt": Diesen Satz habe sie während ihrer Besuche in Flüchtlingsheimen öfter gehört, sagt Ursula Omoregie. Die Wienerin verkörpert, was man gemeinhin unter einem "sozial engagierten Menschen" versteht. Mit dem Unterschied, dass der Kontext ihres Engagements keine etablierte NGO ist, sondern der von ihr gegründete Verein "Schmetterling", mit Sitz in Omoregies bescheidener Wohnung im 15. Wiener Gemeindebezirk.

Beschäftigung statt Tablette

Omoregie versucht, AsylwerberInnen, "wenn sie schon nicht arbeiten dürfen", zumindest "eine Beschäftigung" zu geben. Konkret heißt das: Musik machen, Fußball spielen oder einfach nur zusammensitzen. "Ich will, dass sie sich gegenseitig stützen können, eine Art Familie sind." Denn was die Grüne Bezirksrätin bei ihren Spontanbesuchen in diversen Flüchtlingsheimen der Stadt am meisten erschüttert hatte, war die psychische Situation der Asylsuchenden. Zum gezwungenermaßen untätigen Warten komme "das Gefühl, dass niemand sie hier haben will", meint Omoregie. Statt mit Jobs versorge man sie mit Psychopharmaka – manche "ihrer Leute" seien bereits davon abhängig.

Um dem entgegenzuwirken organisiert Omoregie gemeinsam mit einem Team von vier Flüchtlingen Fußballturniere wie die Afrika Fußball Liga im vergangenen Frühjahr oder ein Flüchtlingsfest im Sommer. Veranstaltet wurden auch Musik-Events wie "Africa Unites" im gut besuchten WUK Anfang Oktober, bei dem AsylwerberInnen und bekannte Bands und DJs einander auf der Bühne ergänzten. Das alles sei aber "noch viel zu wenig": Anfragen gebe es massenhaft, etwa nach Basketball- oder Tischtennis-Trainings, Bandproben, Handwerksarbeiten und Nähtreffen, aber es fehle an Räumlichkeiten und Geld fürs Material. Omoregies Ersparnisse wurden bei den vergangenen Events aufgebraucht.

Anti-Drogen

Für eines seiner Angebote erhält der Verein immerhin Unterstützung von der Wiener Diakonie: In deren Räumlichkeiten in Rudolfsheim findet eine wöchentliche Selbsthilfegruppe statt – zu einem brisanten Thema: "Schmetterling"-Aktivist Frank Dumnoi hatte darunter gelitten, als Schwarzer in Wien "ständig für einen Drogendealer gehalten zu werden" und eine Gesprächsgruppe für alle AsylwerberInnen gegründet, denen es ähnlich ergeht. Das Ziel: Gängigen Klischees etwas Eigenes entgegen zu setzen, aber auch offensiv gegen tatsächliche Drogenprobleme vorzugehen. Die Gruppe führt Gespräche mit drogenabhängigen Flüchtlingen, um sie zum Aufhören zu bewegen. Dumnoi ist überzeugt, dass dies gelingt: "Niemand verlässt das Haus seiner Mutter mit Drogen." Wer einmal clean war, könne das auch wieder werden.

Warum sie nicht mit anderen Flüchtlingsvereinen zusammenarbeitet? Omoregie: "Mir geht es ums Soziale. Für Essen, Wohnen, Rechtsberatung sind die anderen da." (mas, derStandard.at, 18.11.2007)

Veranstaltungs-Tipp
Africa Unites-Afterparty

Link
Verein Schmetterling

In eigener Sache
Bitte melden Sie der Redaktion beleidigende, rassistische oder diskriminierende Postings (beim betreffenden Beitrag auf "melden" klicken). Postings, die den Forenregeln widersprechen, werden dann so rasch wie möglich gelöscht. Weitere Infos siehe derStandard.at/Community.
Wir danken für Ihre Mithilfe!

  • Acht Teams traten bei der Africa League vergangenen Mai und Juni gegeneinander an - nicht nur Afrikaner spielten mit
    foto: verein schmetterling

    Acht Teams traten bei der Africa League vergangenen Mai und Juni gegeneinander an - nicht nur Afrikaner spielten mit

  • Ursula Omoregie will Asylsuchenden Beschäftigung bieten
    foto: grüne

    Ursula Omoregie will Asylsuchenden Beschäftigung bieten

Share if you care.