Susan McCaw im Interview: "Auch wir müssen an uns arbeiten"

24. Jänner 2008, 01:29
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Die scheidende US-Botschafterin Susan McCaw im derStandard.at- Interview über die Fehler der Bush-Regierung, Hillary Clinton und Kaiserschmarrn

Susan McCaw, US-Botschafterin in Wien, kehrt Ende November aus "persönlichen Gründen" in die USA zurück. Sie setzt dort ihre Karriere als Investmentmanagerin fort. Sie war eine der "Bush Rangers", die als Dank für finanzielle Unterstützungen im Wahlkampf als Botschafterin installiert wurde. Ihren Ausflug in die aktive Politik hat sie nicht bereut, eine "mission impossible" sei der Posten in Österreich jedenfalls nicht gewesen. Den republikanischen Präsidentschaftskandidaten wird sie auch in diesem Wahlkampf wieder unterstützen. Prinzipiell werde aber in den US-Wahlkämpfen "viel zu viel Geld ausgegeben".

Über eine US-Präsidentin würde sich McCaw freuen, bezweifelt aber, dass das unbedingt Hillary Clinton sein muss. Die Demokraten übrigens, meint McCaw, hätten nach 9/11 die gleichen Entscheidungen getroffen wie die Bush-Regierung das getan hat. Fehler seien unvermeidbar gewesen. An Österreich werde sie "Apfelstrudel und Kaiserschmarrn" vermissen, und ohne Almdudler wird sie das Land nicht verlassen. Die Fragen stellte Manuela Honsig-Erlenburg.

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derStandard.at: Haben Sie einen republikanischen Favoriten bei den Präsidentschaftswahlen?

McCaw: Noch nicht. Ich werde sicher jeden republikanischen Kandidaten unterstützen, der sich dieser Wahl stellt.

derStandard.at: Sind die republikanischen Kandidaten nicht alle etwas farblos?

McCaw: Die Umfragen und die Schlagzeilen werden von einer Demokratin dominiert, das stimmt. Aber auch Rudy Giuliani bekommt einiges an medialer Aufmerksamkeit. Und der eigentliche Wahlkampf ist ja noch nicht gestartet.

derStandard.at: Wenn man sich Rudy Giulianis Programm allerdings anschaut, wirkt er eher wie ein Demokrat als wie ein Republikaner? Er setzt sich zum Beispiel offen für Homosexuellen-Gleichberechtigung und für Abtreibung ein.

McCaw: Ich würde das nicht so eng sehen. Die Republikaner sind offen für die unterschiedlichsten Standpunkte. Wir teilen aber Grundwerte.

derStandard.at: Ist es Zeit für einen Wechsel von einem republikanischen zu einem demokratischen Präsidenten, oder vielleicht sogar zu einer Präsidentin?

McCaw: Ich wäre äußerst erfreut über eine US-Präsidentin. Ob Hillary Clinton die richtige ist, weiß ich allerdings nicht.

derStandard.at: Die Chancen stehen nicht schlecht für sie. Bush ist aber in jedem Fall Geschichte. Er wird am ehesten mit dem "Krieg gegen den Terror" in dieselbe eingehen. Ist Welt denn heute sicherer?

McCaw: Die Welt ist seit 9/11 anders. Für die globale Bedrohung durch den Terror gibt es keine Patentlösungen. Ich denke, dass es auch immer schwieriger wird, gegen eine solch diffuse Bedrohung anzugehen. Und es wird zunehmend schwerer, diesen Krieg zu gewinnen, weil auch der Terrorismus sich weiterentwickelt. Ich sage nicht, dass es unmöglich ist, aber es wird dauern.

derStandard.at: Gegen das militärische Engagement der USA regen sich aber Widerstände. Wird Bushs NachfolgerIn das externe Engagement nicht eher reduzieren?

McCaw: Nein, das glaube ich nicht, diese Interventionen sind notwendig. Wir sind keine Nation, die leichtfertig die militärische Option wählt. Ob der Einmarsch in den Irak richtig war, dazu hat es auch in Europa unterschiedliche Meinungen gegeben. Aber jetzt sind wir dabei, den Irak und seine fragile Demokratie zu stabilisieren, brauchen dabei auch Hilfe. Zuerst muss das Land befriedet werden, dann kann es sich erst weiter entwickeln.

derStandard: Was waren Bushs größte Fehler? Der Einmarsch in den Irak? Die Art und Weise, wie der "Krieg gegen den Terror" geführt wird? Guantanamo?

McCaw: Sicher sind Fehler passiert. Aber ich denke nicht, dass das mit der Bush-Regierung zu tun hatte. 9/11 hat einfach die Welt verändert und die Art und Weise, wie Politik gemacht werden muss. Das wäre auch unter einem demokratischen Präsidenten der Fall gewesen. Wir lernen aber dazu und wir brauchen internationale Unterstützung, um den "Krieg gegen den Terror" zu gewinnen.

derStandard.at: Wie erklären Sie sich das schlechte Image der USA in Europa beziehungsweise in Österreich?

McCaw: Dafür gibt es viele unterschiedliche Gründe. Zuallererst sind die USA natürlich eine Supermacht. Und Menschen beobachten diejenigen an der Macht immer skeptisch. Aber ich denke auch, dass man die USA oft falsch einschätzt. Deswegen ist es mir auch ein besonderes Anliegen, vor allem mit jungen Menschen zu sprechen, sie einzuladen, eine Zeit lang bei uns zu leben. Hier zu studieren und ein besseres Gefühl für die US-amerikanische Kultur und Bevölkerung zu bekommen. Auch ich war ja Austauschstudentin in Italien und habe meinen Horizont dadurch sehr erweitern können.

derStandard.at: Ist es angesichts des Irakkrieges und sonstiger Fehler in der US-Außenpolitik nicht eher eine "mission impossible", einen Präsidenten Bush zu vertreten?

McCaw: Absolut nicht. So gern ich in Österreich war: Ich bin stolz, Amerikanerin zu sein und Amerika zu repräsentieren. Natürlich sind wir nicht perfekt, auch wir müssen in vielen Bereichen an uns arbeiten. Wir wissen das. Aber unser Vorteil ist, dass wir eine prinzipiell positive Einstellung haben.

derStandard.at: Was war das heikelste Thema Ihrer Botschafterinnenkarriere? Der OMV-Iran-Deal (Anm. OMV plante ein Gasgeschäft mit dem Iran)?

McCaw: Bestimmt. Und das ist immer noch eine unerledigte Angelegenheit. Als Wirtschaftstreibende verstehe ich natürlich die wirtschaftlichen Überlegungen, die zu so einem Deal führen. Und es wurde ja auch kein Gesetz gebrochen. Aber politisch unterminiert so ein Deal die Bemühungen, eine diplomatische Lösung im Atomstreit mit dem Iran zu erreichen.

derStandard.at: Spekulationen, dass die USA eine militärische Intervention noch unter Bush planen, machen aber trotzdem die Runde.

McCaw: Wir wollen im Iran definitiv nicht militärisch intervenieren, sondern eine diplomatische Lösung erreichen. Ich habe das immer wieder betont und President Bush und Außenministerin Rice haben klare Aussagen dazu gemacht. Deswegen sind wir auch auf die globale Community angewiesen und darauf, dass Sanktionen auch eingehalten werden und große Firmen wie auch die OMV zusammenarbeiten, um eine diplomatische Lösung zu erreichen.

derStandard.at: Ihren Posten als Botschafterin haben Sie als so genannter "Bush Ranger", wie großzügige Wahlfinanzierer genannt werden, bekommen. Denken Sie nicht, dass diese Praxis der Ernennung von reichen Amateuren den USA auch schaden kann?

McCaw: Die Praxis der "political appointees" hat eine lange Tradition in den USA und unterscheidet sich vom europäischen System. Ein Drittel der US-Botschafter werden auf diese Art und Weise eingesetzt. Mein wirtschaftlicher Background hat mir in meinem Amt sehr geholfen. Und ich wurde natürlich vorher geschult, um für das diplomatische Parkett gerüstet zu sein.

Aber prinzipiell glaube ich, dass in den US-Wahlkämpfen viel zu viel Geld ausgegeben wird. 2004 waren das über eine Milliarde Dollar. Dieses Mal wird der Betrag wieder in diesem Bereich liegen. Dieses Geld könnte gut für andere Dinge ausgeben werden. Aber das ist unser System und ich weiß, dass das durchaus problematisch und verbesserungswürdig ist.

derStandard.at: "Austria sells itself short," sagten Sie unlängst. Wie genau meinen Sie das? Was würden Sie Österreich als Businessprofi empfehlen?

McCaw: Das ist ein wirtschaftlicher Begriff und meint in diesem Fall, dass Österreich manchmal seine Fähigkeiten unterschätzt. Das Land sollte stärker als globaler Player auftreten, es hat vieles anzubieten. Wir begrüßen zum Beispiel sehr, dass Österreich sich entschlossen hat, Soldaten in den Tschad zu einer humanitären Mission zu schicken. Mich hat beeindruckt, was ein Berater von Minister Darabos gesagt hat: "Neutralität heißt nicht, dass man stillstehen kann." Aber Österreich sollte auch seine Kontakte, sein intellektuelles Kapital und seine gute Stellung besser nutzen. Globale Herausforderungen benötigen auch globale Lösungen.

derStandard.at: Kennen Sie Ihren Nachfolger Charles Gargano persönlich?

McCaw: Nicht persönlich. Ich habe ihn am Telefon gesprochen und er freut sich schon auf seinen Einsatz hier. Wie Sie wissen war er ja schon einmal Botschafter und kann sofort mit seinen Aufgaben beginnen. In einem Kinofilm habe ich ihn noch nie gesehen.

derStandard.at: Ende November werden Sie Wien verlassen. Was werden Sie vermissen?

McCaw: Apfelstrudel und Kaiserschmarrn, aber den könnte ich zur Not selbst machen. Almdudler müssen wir allerdings exportieren. Das habe ich meinen Kindern versprochen. (derStandard.at, 15.11.2007)

  • Susan McCaw in ihrem zukünftigen Ex-Büro in der US-Botschaft in der Wiener Boltzmanngasse: "Prinzipiell glaube ich, dass in den US-Wahlkämpfen viel zu viel Geld ausgegeben wird. 2004 waren das über eine Miliarde Dollar."
    foto: honsig/derstandard.at

    Susan McCaw in ihrem zukünftigen Ex-Büro in der US-Botschaft in der Wiener Boltzmanngasse: "Prinzipiell glaube ich, dass in den US-Wahlkämpfen viel zu viel Geld ausgegeben wird. 2004 waren das über eine Miliarde Dollar."

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