Vorratsdatenspeicherung "technisch übermächtiges Instrument"

Redaktion, 06. Dezember 2007 17:10

Datenschützer Zeger gegen schnelle Umsetzung - LIF beklagt mangelnden Widerstand und hofft auf "standhafte" SPÖ

Der LIF-Abgeordnete Alexander Zach vermisst Proteste in Österreich gegen die geplante Vorratsdatenspeicherung. "Es ist bedenklich, dass sich keinerlei öffentlicher Widerstand formiert", beklagte er bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Der Liberale hofft nun, dass die SPÖ standhaft gegenüber den Plänen von Innenminister Günther Platter (V) bleibe, der eine Speicherung für ein Jahr plant.

"Übererfüllung"

Zach sprach von einer Übererfüllung der EU-Richtlinie durch Platter. Diese sieht eigentlich nur eine Speicherdauer von sechs Monaten vor. Mehr stört den Liberalen aber noch, dass gar keine Diskussion aufkomme. Außer seinem eigenen Aufschrei und denen einiger NGOs, Telekomanbieter und "üblicher Verdächtiger" sei nichts passiert. Zachs Kritik an der Vorratsdatenspeicherung geht nach wie vor in die selbe Richtung: "Das Problem mit den Grundrechten ist: Man vermisst sie erst dann, wen es zu spät ist."

Das "technisch übermächtige Instrument"

Zur Unterstützung hatte sich der Liberale den Datenschützer Hans Zeger von der ARGE Daten zur Seite gestellt. Dieser sieht durch die geplante Vorratsdatenspeicherung sogar die Polizeiarbeit selbst gefährdet. Das "technisch übermächtige Instrument" würde die Feinarbeit bei den Ermittlungen "totschlagen". So wäre es besser, die bestehenden Mittel effizient einzusetzen. Zeger glaubt außerdem nicht, dass das Innenministerium gegen Gegenangriffe der organisierten Kriminalität gewappnet wäre.

Kein Verständnis

Weiters verstehen Zach und Zeger nicht, warum die EU-Richtlinie derart schnell umgesetzt werden soll, verhalte es sich doch bei anderen Weisungen aus Brüssel nicht so. "Ich bin nicht nur der Meinung, dass Österreich es sich leisten kann, zu warten. Österreich sollte eigentlich auch offensiver sein", so Zeger. In Deutschland hätten 7.000 Personen eine Klage vor dem Verfassungsgerichtshof vorbereitet, darunter auch CDU-Abgeordnete, merkte Zach an.

Direkte Angriffe auf die Grundrechte

Nicht nur die Vorratsdatenspeicherung, auch andere jüngst beschlossene Methoden seien direkte Angriffe auf die Grundrechte, so Zeger. Er erwähnte die DNA-Massentests, die bereits 2004 beschlossen wurden und ab Anfang kommenden Jahres möglich seien. Hier sei nicht festgelegt, welche Kriterien zu erfüllen seien, um Personen zu körperlichen Untersuchungen vorzuladen. Zur ebenfalls schon beschlossenen Online-Fahndung meinte Zeger: "Ein klassisches Beispiel, wo der Herr Innenminister nicht weiß, was er tut."(APA/red)

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10 Postings
Mathias
 
21.11.2007 15:05
Statistik

Bin schon auf die erste Statistik gespannt, wie viel "Terroristen" mehr erwischt wurden, dank dieser "Vorratsdatenspeicherung" :-) Vielleicht kaum 1% , ist jetzt mal meine vorsichtige realistische Schätzung. Vermutlich wird es dazu sowieso nie eine Statistik geben!

Schon eigenartig, daß sich die ÖVP weiterhin weigert, ihre Einkünfte offen zu legen. Ich dachte immer, die haben nichts zu verbergen ;-)

Frodo Der Hobbit
21.11.2007 05:53
ich trau mich da gar nix mehr sagen..

sonst verlier ich nächste woche ein paar kunden.
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Erich Nietz
20.11.2007 22:43
Danke

Herr Zach fuer ihren Einsatz. Persoenlich halte ich die Passivitaet der Österreicher furer sehr sehr bedenklich. Hier werden Grundrechte ohne Reflektion und Diskussion preisgegeben. Leider haelt sich bei den Ungebildeten immer noch die Meinung: Ich habe nichts zu verbergen also habe ich nichts zu befuerchten. Sie sollten sich aufklaeren lassen.
Das koennnte langfristig gesehen sogar der Anfang vom Ende der aktuellen westlichen Demokratien sein.

imir
14.11.2007 03:52

Die EU ist per se ein direkter Angriff auf die Grundrechte.

Eine Kreatur
13.11.2007 18:50
"standhafte spö"

das ist ein widerspruch in sich ..

Mr. Robot
13.11.2007 18:25

Warum spricht man von Vorratsdatenspeicherung und nicht davon, dass die Regierung alle Telefonate aufzeichnen will? und nicht nur das, dass auch der Standort wo man handytelefoniert hat gespeichert wird. Bewegungsprofile erstellt werden und Inhalte von Gesprächen und Emails automatisch gescannt werden. Warum sagt das keiner? Wann schreibt der Standard das endlich in der Printausgabe? Wo ist die "macht" der Medien?

Lichtfreak
21.11.2007 12:25
Das IST die Macht der Medien

nur sind die sicher nicht auf "ihrer" bzw. "unserer" Seite....

Dante Alighieri
13.11.2007 14:07

Öffentlicher Widerstand? In Österreich? Sicher nicht. Den gibts höchstens wenns gegen Ausländer geht.

Mr. Robot
13.11.2007 18:20

Vorratsdatenspeicherung ist ein Begriff, den das Volk nicht versteht. Man kann es weder essen noch trinken! Man sieht es nicht und kann es auch nicht hören. Was ist das also?
Egal denken sich die meisten......

Kirian Lu
13.11.2007 14:05
ähm ...

... was erwarten die anderes von einem övp-minister?

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