Warten auf den Panda-Auftritt

21. Jänner 2008, 18:02
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Wenn Pandababy Fu Long zum ersten Mal aus der Wurfbox tapst, wird der Besucheransturm losgehen - Im Tiergarten Schönbrunn arbeitet man derzeit an einem Besucherleitsystem

Das Panda-Gehege wurde für das Junge bereits "kindersicher" gemacht.

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"Na, das wird einen Ansturm geben!" Die weißhaarige Frau mit der roten Baskenmütze steht vor dem Panda-Haus in Schönbrunn und betrachtet auf dem Videoschirm die Bilder aus der Wurfbox: Yang Yang hält gerade ihr Junges auf dem Arm, und es scheint, als drücke sie es fest an sich. Die Zoobesucherin muss schmunzeln: "Die sind aber auch wirklich herzig." Im Tiergarten Schönbrunn weiß man, dass in wenigen Wochen der große Run auf den kleinen Panda beginnen wird. Das Startzeichen dafür wird Fu Long selbst geben – wenn er nämlich zum ersten Mal aus der Wurfbox kraxelt und ins Innengehege spaziert, wird das Panda-Haus wieder für die Besucher geöffnet.

Die Vorbereitungen für das Besucherleitsystem haben schon begonnen. Entlang des Geheges soll im Freien ein Holzboden verlegt werden. "Wir werden dort Videoschirme anbringen, auf denen die Leute, die sich anstellen, Bilder aus einer Live-Kamera _sehen können", beschreibt Tiergarten-Direktorin Dagmar Schratter die technischen Bemühungen, damit alle möglichst viel von Fu Long zu sehen bekommen. "Es kann ja sein, dass man sich einige Zeit anstellen muss, und dann, wenn man endlich im Panda-Haus ist, hat sich der Kleine vielleicht gerade hinter der Mama verkrochen und schläft."

An diesem Vormittag mützelt zumindest einer im Panda-Haus, das seit Fu Longs Geburt für die Besucher geschlossen ist. Long Hui, das Männchen, knotzt, zu einer schwarz-weißen Fellkugel zusammengerollt, in der Innenanlage und schläft. Die Wurfkiste, das Kinderzimmer von Fu Long, steht vor Blicken geschützt in einem Nebenraum. In der ersten Zeit, erzählt Schratter, habe das Quieken des Kleinen seinem Vater Long Hui einen ziemlichen Schrecken eingejagt, "da hat er immer Fersengeld gegeben". Immerhin darf er jetzt wieder mit seiner Partnerin Yang Yang zusammen sein, weil diese das Baby immer öfter alleine lässt.

Run auf die Großen

"Als unsere beiden Pandas 2003 aus China gekommen sind, waren wir von dem Besucheransturm doch überrascht", erinnert sich Schratter. Man musste damals ziemlich improvisieren, um die Besucher durchzulotsen. Die Leute hatten sich bis zu eineinhalb Stunden angestellt, um einen Blick auf Yang Yang und Long Hui zu erhaschen. Im "Wild Republic"-Shop beim Haupteingang stapeln sich die Plüschpandas schon fast bis an die Decke. Seit das Pandababy auf der Welt ist, sei die Nachfrage nach der Kuschelversion stark gestiegen, erzählt die junge Verkäuferin.

Mit dem großen Auftritt des Bärenbabys wird es aber noch dauern. Schratter schätzt, dass es Mitte Dezember werden könnte. "Der Kleine steht zwar schon sicher auf den Vorderpfoten, aber mit den Hinterbeinen klappt es noch nicht ganz. Derzeit robbt er eher noch." Erst, wenn der Nachwuchs sicher krabble, könne er auch allein die Wurfbox verlassen. Am Freitag war Fu Long auf der Waage, mit seinen 3,26 Kilo ist er jetzt schon zu schwer, um noch von Yang Yang im Maul herumgetragen zu werden.

Kindersicheres Gehege

Und weil kleine Pandas ihre Schnauzen gerne dorthin stecken, wo sie nicht sollen, wurde das Außengehege "kindersicher" gemacht. Wo beim Zaun aus Metall-"Bambusstangen" die Abstände breiter als 20 Zentimeter sind, wurden diese mit Plexiglas gesichert, und der tiefste der drei Teiche wurde abgesperrt. Dass der Hype Knut-Dimensionen erreichen könnte, glaubt Schratter nicht. "Bei Knut war ja die Debatte, ob er eingeschläfert werden soll, nachdem ihn die Mutter verstoßen hatte." Als dann die Bild titelte: "Wird süßer Knut totgespritzt?" gab es endgültig kein Halten mehr im Rummel um das Berliner Eisbärenbaby.

Aber auch in Wien haben Medien schon die Frage aufgeworfen, ob der Panda nicht hierbleiben könne. "Nein", sagt Schratter, "die Pandas gehören der Volksrepublik China." Als Zweijähriger wird Fu Long Schönbrunn verlassen. Schratter: "Kann sein, dass er ins Panda-Reservat nach Wolong kommt, vielleicht bleibt er aber auch in Europa." Die Entscheidung liege bei China. (Bettina Fernsebner-Kokert/DER STANDARD – Printausgabe, 13.11.2007)

  • Die Plüsch-Pandas liegen im Shop schon bereit, Fu Long lässt noch auf sich warten.
    foto: christian fischer

    Die Plüsch-Pandas liegen im Shop schon bereit, Fu Long lässt noch auf sich warten.

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