"Situationen, in denen das Herzerl schneller schlägt"

29. Jänner 2008, 13:08
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Rudolf Weissenbacher ist der Leiter des Jagdkommandos, das im Jänner in den Tschad gesendet wird

"Wir sind auf den Einsatz vorbereitet und zwar sowohl mental, als auch von der Ausrüstung her." Davon ist Rudolf Weissenbacher überzeugt. Der 46-Jährige wird mit dem zweiten Schub österreichischer Soldaten im Jänner als Chef des Jagdkommandos in den Tschad versetzt. Im derStandard.at-Interview spricht er über die Vorbereitungen auf den Einsatz und die Erwartungshaltung des Bundesheers.

derStandard.at: Was werden Ihre Aufgaben im Tschad sein?

Rudolf Weissenbacher: Die Einsatzplanung – wenn vor Ort von den Soldaten oder der UNO ein Auftrag hereinkommt, dann den Einsatz zu planen, den Befehl zu erstellen und diesen an unsere Soldaten weiter zu geben. Ich werde vorwiegend mit den Truppen aus anderen Ländern zusammen arbeiten und mit diesen gemeinsam die Einsätze planen und durchführen.

derStandard.at: Der Andrang von Berufssoldaten für den Tschad-Einsatz war groß: für die 160 Plätze bewarben sich 290 Freiwillige. Wie wird ausgesucht, wer mit darf?

Weissenbacher: Das Jagdkommando besteht aus etwa 50 Mann, ist also ein Drittel der Einsatzgruppe. Es gibt bestimmte Aufgaben zu tätigen und je nach Eignung werden die Soldaten ausgesucht. Wir haben zum Beispiel Aufklärer für wüstenähnliches Gebiet und Aufklärer für die Arktis. Wer für die Arktis spezialisiert ist, bleibt zu Hause und wer die Ausbildung für die Wüste hat, der fährt mit. Außerdem rechnet man immer mit mehr, damit man Ersatz hat, falls jemand krank wird. Und für den Rotationswechsel braucht man je zweimal noch fünfzig Soldaten.

derStandard.at: Das schwierigste am Einsatz werden die Temperaturen und die Begebenheiten der Wüste sein. Der Teil im Osten, in dem die Österreicher zum Einsatz kommen, gehört zur Sahelzone also zum Übergang von der Wüste zur Savanne. Wie bereiten Sie sich darauf vor?

Weissenbacher: Das Vorbereiten auf das Verhalten in Wüsten steht auch im Vordergrund – also wie kann ich mich mit entsprechendem Fahrzeug in der Wüste oder Savanne bewegen. Wichtig ist außerdem das Verhalten den Flüchtlingen gegenüber. Das neutrale Verhalten – nicht Partei ergreifen für einen einzelnen, sondern für alle schützend und helfend da zu sein. Ein höfliches und bestimmtes Auftreten der Bevölkerung gegenüber zu haben.

derStandard.at: Wie trainieren Sie das Verhalten in Wüsten?

Weissenbacher: Wir üben das richtige Trinkverhalten – das bewusst genug getrunken wird. Man merkt anfangs nicht, wenn man zu wenig trinkt und das kann zu Kreislaufproblemen führen. Hier wird Vorsorge getroffen. Außerdem trainieren wir das Hantieren mit z. B. Ein-Mann Wasseraufbereitungsanlagen. Und das richtige Einnehmen von Mahlzeiten – Wann und in welcher Menge soll gegessen werden.

derStandard.at: In die Sauna gehen Sie auch?

Weissenbacher: Nein, direkt auf den Körper bezogen machen wir keine Vorbereitung. Außerdem haben die meisten bereits Erfahrungen mit einem wüstenähnlichen Einsätzen.

derStandard.at: Wissen Sie schon, welche konkrete Aufgaben Sie im Tschad haben werden?

Weissenbacher: Nein, die ergeben sich vor Ort. Das wird sich aus diversen Absprachen und Erkundungsergebnissen ergeben.

derStandard.at: Es besteht die Möglichkeit auf Kindersoldaten zu treffen – wie werden die Soldaten darauf vorbereitet?

Weissenbacher: Das übernimmt unser Psychologe. Dass man Ruhe bewahrt und nicht über Gebühr reagiert – also sofort davon fährt usw. Aber dazu kann ich kaum was sagen, weil sich eine solche Situation noch nie dargestellt hat.

derStandard.at: Neben der militärischen Vorbereitung: Wie werden die Soldaten sonst noch für den Einsatz in diesem kulturell unterschiedlichen Land trainiert?

Weissenbacher: Zwanzig Prozent der Soldaten beherrschen Französisch und wir kriegen alle einen Sprach-Crashkurs. Zusätzlich haben die Soldaten einen in Folie eingeschweißten Zettel mit, darauf stehen Sätze wie: "Wir sind Österreicher" oder "Welche Leute befinden sich hier?". Das kann man den Leuten dort zeigen, die lesen das und geben eine dementsprechende Antwort.

Das fällt in der Vorbereitung unter den Bereich Umweltbedingungen: Wie sind die Bräuche in dem Land, wie gebe ich denen die Hand, wie reagiere ich, wenn mir jemand etwas anbietet? Andere Länder, andere Sitten. Das ist wichtig, damit wir uns dort keinen Fauxpas leisten und etwas tun, was für andere abstoßend wirken könnte.

derStandard.at: Die österreichische Bevölkerung ist mehrheitlich gegen den Einsatz. Sie sind dafür - aus welchen Gründen?

Weissenbacher: Ich schließe mich inhaltlich voll den Gründen an, die von Darabos genannt wurden – ich hätte auch keine anderen Gründe. Also im Wesentlichen dient der Einsatz dazu diese menschliche Tragödie zu lindern.

derStandard.at: Die Stimmung beim Bundesheer war in den letzten Monaten nicht ungetrübt: die Diskussion um die Eurofighter, ein neuer Minister, die Option eines Berufsheers… Wie hat sich der kommende Einsatz auf die Laune niedergeschlagen?

Weissenbacher: Wir beim Jagdkommando fassen diesen Einsatz sehr sehr positiv auf. Wir hatten Kontakt zu dem Herrn Bundesminister und stehen voll hinter ihm. Wir sagen, dass ist ok. Außerdem haben wir als Soldaten politische Entscheidungen befehlsgetreu durchzuführen.

derStandard.at: Haben Sie Angst oder sind Sie aufgeregt?

Weissenbacher: Nein, sicher nicht. Es ist de facto unser Job, wir wissen in etwa was uns bevorsteht und ich denke, wir sind sehr gut vorbereitet.

Ich bin kein explosiver Mensch, eher ruhig. Natürlich wird es Situationen geben, in denen das Herzerl schneller schlägt, aber es ist wichtig immer den Überblick zu wahren und Ruhe auszustrahlen. Die Ruhe, gibt man ja weiter an die Soldaten, für die man verantwortlich ist.

derStandard.at: Glauben, dass Sie in Kampfhandlungen verwickelt werden?

Weissenbacher: Das kann man nie ausschließen und "Nein" zu sagen wäre absurd. Wir hoffen, dass es zu keinen kommt, aber wenn es sein muss, werden wir im Bereich Notwehr oder Nothilfe einschreiten. Dafür sind wir vorbereitet und zwar sowohl mental, als auch von der Ausrüstung her. (Saskia Jungnikl, derStandard.at, 13.11.2007)

  • Weissenbacher zur Völkerverständigung: Zusätzlich haben wir schriftlich, in Folie eingeschweißt Zettel mit, darauf stehen Sätze wie: "Wir sind Österreicher" oder "Welche Leute befinden sich hier?".
    foto: bh

    Weissenbacher zur Völkerverständigung: Zusätzlich haben wir schriftlich, in Folie eingeschweißt Zettel mit, darauf stehen Sätze wie: "Wir sind Österreicher" oder "Welche Leute befinden sich hier?".

  • Soldaten des Jagdkommandos bei einer Übung.
    foto: bh

    Soldaten des Jagdkommandos bei einer Übung.

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