Fragen im Fall Luca

von Redaktion  |  11. Jänner 2008, 14:16

Wer ist schuld? Nach dem Misshandlungstod, die am häufigsten gestellte Frage - Von Irene Brickner

Wer ist schuld? Nach dem Misshandlungstod des kleinen Luca ist das derzeit die am häufigsten gestellte Frage. Die Antwort scheint den meisten klar zu sein: Die Behörden waren's, weil sie ärztliche Warnungen in den Wind geschlagen, Auflagen nicht richtig kontrolliert haben. Schon untersucht die Staatsanwaltschaft - richtig und wichtig - , schon rüstet in Niederösterreich ein Landesverantwortlicher zur Gegenwehr, gibt neue Anordnungen heraus: Eine Auflage an Problemeltern allein reicht nicht aus, es muss gegebenenfalls nachtelefoniert werden. Mit Verlaub: Das müsste doch selbstverständlich sein. Die Sache riecht sehr nach Scheinaktivität, nach einem hektischen, aber ratlosen Versuch, zumindest irgendeine Handlung zu setzen.

Vielleicht wäre es stattdessen besser, sich die Ratlosigkeit vorerst einmal einzugestehen, um sich des Problems in vollem Umfang bewusst zu werden: Da setzen Erwachsene mit schweren Gewaltproblemen offenbar alles daran, "normal" und "harmlos" zu wirken - und es gelingt ihnen, diesen Schein Sozialarbeitern gegenüber aufrechtzuerhalten. Da stellen Ärzte an einem Kleinkind Verletzungen fest, die durchaus auf Misshandlungen zurückgeführt werden können. Doch zu dem scharfen Einschnitt des Kindesentzugs ringen sich die Zuständigen dann doch nicht durch. Wohl aus Angst, einen Fehler zu machen und sich später Vorwürfe gefallen lassen zu müssen, voreilig gehandelt zu haben.

Die Entscheidungsgrundlagen also sind unsicher, die Risiken für das betroffene Kind immens - wie man am Fall Luca sieht. Was außer gründlicherer Betreuung von Problemeltern könnte hier helfen? Dass das mehr Posten, mehr Geld kosten würde, ist klar. Aber nur so kann die Frage beantwortet werden, die in die Zukunft weist: Was hätte Luca das Leben retten können? (Irene Brickner/ DER STANDARD Printausgabe 12.11.2007)

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12 Postings
denny_crane
19.11.2007 23:31
Armbruch bei einem einjährigen Kind?

Warum haben die ÄrztInnen nicht schon beim Armbruch des Kindes alle Antennen auf Misshandlung ausgefahren? Ein einjähriges Kind bricht sich keinen Arm bei einem gewöhnlichen Sturz. Weder ist es schwer genug, noch ist die Fallhöhe ausreichend um einen Arm zu brechen, wobei ich nicht weiß, ob Unterarm (2 Knochen) oder Oberarm (1 Knochen).
Wenn ein Kind einen Knochenbruch aufweist, muss doch der Arzt/die Ärztin genauer nachfragen. Warum passierten alle Verletzungen, wenn das Kind in der "Obhut" der Mutter war?

jusopus
16.11.2007 10:08
Geheimfrage

Was wäre gewesen wenn jemand bei der Jugendfürsorge jemand eine Meldung gemacht hätte dass der Stiefvater dem Luca auf das Zummpferl gegriffen habe?

adisch
16.11.2007 14:25

csi-jugendamt haette die besten beamtinnen geschickt und fingerabdruecke ueber superkleberdaempfe auf heissem buegeleisen abgenommen.

50plus  
13.11.2007 23:23
Gespart muss werden, koste es, was es wolle!

Wann immer die Forderung nach dem schlanken Staat laut wird, ist die Republik begeistert - zumindest bis wieder einmal klar wird, welchen Preis dieses sparen fordert. Im nachhinein kann man leicht gescheit daherreden. Im vorhinein war der Fall Luca einer unter viel zu vielen für die paar SozialarbeiterInnen, die darüber hinaus auch noch dem Druck von oben unterliegen, immer die absolut kostengünstigste Variante zu wählen. Soviel zur Verteidigung der Jugendämter. Als Vorwurf an die Jugendämter bleibt allerdings zu sagen, dass Anzeigen und Warnungen von nichtobsorgeberechtigten leiblichen Vätern so gut wie nie ernst genommen werden. Und bevor es zur Obsorgeübertragung an ihn kommt, wird ohnehin die Erde eher zur Scheibe.

hflock
12.11.2007 16:58

Achso, wenn die Eltern das Kind bis zum Tod misshandeln, dann ist natürlich die Behörde schuld. Komische Welt ...

Gerhard1967
12.11.2007 19:06
Wenn die Behörde ...

... Möglichkeiten gehabt hätte dies zu verhindern und es nicht getan hat, schon. Natürlich sind im "Endeffekt" die Eltern (oder wer auch immer es von den beiden war) Schuld, doch "geholfen" hat das Nichteingreifen der Behörde auch.

Liebe Grüße

AlBundyFan
12.11.2007 13:17
es gehören strafen her

es wäre ja schon mal schön, wenn es bekannt wird, daß eltern ihr kind quälen und dies sogar schon vor gericht landet, die eltern nicht zu formalstrafen verurteilt werden.
davon liest man nämlich fast täglich in der zeitung. sexualakte mit kindern kommen ja grad mal auf 3 jahre haft wenns der vater war.

und wenn das kind mal 5,6,7 jahre oder älter ist und vor gericht festgestellt wird, daß das kind jahrelang mit gürtel usw. geschlagen wurde, dann bekommen die eltern trotzdem nichtmal unbedingte haftstrafen.meistens auf bewährung und der vater darf sogar wieder heim zum kind in die wohnung.

mit solchen urteilen sagt man:"Kind,dein leben ist nichts wert".

Jambala Magdalena
12.11.2007 12:17
Es gab ja offenbar eine Akte Luca

also hätte diese Akte bei einem Wohnortwechsel der Familie folgen sollen. Ausserdem hätte das Jugendamt die Mutter vor die Wahl stellen können,entweder Hilfe einer Mütterberatungsstelle o.ä. anzunehmen,oder das Kind einer Pflegefamilie zu übergeben.Nach mehreren Hinweisen von Ärzten hatte das Jugendamt nicht das Recht, den Fall einfach so schleifen zu lassen.

Dingsbums1
12.11.2007 11:44
Es gab hier ganz klare Aussagen aus zwei Krankenhäusern ...

Es war also völlig klar, dass hier Gewalt gegen ein Kleinkind vorliegt. Die Ärzte haben sich ja deutlich genug geäußert und das machen sie sicher nicht leichtfertig. Das Kind weiter dieser Tortur auszusetzen, war grob fahrlässig. Ich empfinde das sogar als unterlassene Hilfeleistung.
Es gibt noch einen leiblichen Vater, der sich vielleicht gerne um das Kind gekümmeret hätte, und eine Unzahl von adoptionswilligen Eltern.

Dialog für Kinder - www.DialogFuerKinder.at
12.11.2007 10:46

Danke, Fr. Brickner, für Ihre Worte.
Werden diese ungehört verhallen?
Was kann getan werden, dass Fehlentscheidungen der Jugendämter, von denen es so viele gibt, abgestellt oder zumindest verringert werden? Welche politische Partei, denn diese Ebene wird es für nachhaltige Änderungen brauchen, nimmt sich des Themas an?
Wie können Jugendämter dazu gebracht werden, im Sinne der Kinder zu entscheiden, nicht im Sinne der Obsorgeberechtigten (in den meisten Fällen die Mutter) oder im Sinne des Prinzips des geringsten Aufwandes?
Wird jemand Verantwortung für Lucas Tod und die seelischen Verletzungen vieler Kinder übernehmen, wird ein Minister, ein Landeshauptmann Schritte einleiten? Oder wird nichts passieren? Bis wieder ein Kind stirbt?

Johannes Becher
12.11.2007 10:32
"Gründliche Betreuung von Problemeltern"???

Nach dem "Problembären" jetzt die "Problemeltern".

Das lässt nachdenken über die noch größere Gruppe von "Problemmenschen", die so generell andere berauben, vergewaltigen und ermorden. Die gehören ja auch gründlicher betreut, oder?

Chris_SM 
12.11.2007 10:01
Wer ist schuld?

Nun zuallerst der väterliche Gewalttäter, an zweiter Stelle die Mutter, und erst dann die Behörden, die scheinbar zuwenig engagiert eingeschritten sind.

Vielleicht wird man abgebrüht, wenn man regelmäßig mit Problemfamilien zu tun hat, wahrscheinlich ist es viel bequemer ein paar Formalaktivitäten zu setzen(um zu demonstrieren, dass man eh was tut) als energisch einzuschreiten.

P.S.
"My name is Luca" heisst ein netter Popsong über Gewalt an Kindern von Suzanne Vega. Tödlich endet die Geschichte für das Kind in dem Lied nicht, aber die Namensgleichheit hat mich an dieses harmlose und Ö3 taugliche Lied erinnert.




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