Polizei erschoss Unschuldigen: Untersuchungsbericht kritisiert Polizeichef Blair

17. Jänner 2008, 19:39
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16 Empfehlungen, wie ähnliche Vorfälle in Zukunft ausgeschlossen werden sollen - der Stockwell-Report zum Download

London - Im Fall des vor gut zwei Jahren durch Polizeischüsse getöteten unschuldigen Brasilianers hat eine britische Untersuchungskommission schwere Vorwürfe gegen Polizeichef Ian Blair erhoben. Blair sei für einen großen Teil der "vermeidbaren Schwierigkeiten" bei der Aufklärung des Falles verantwortlich, sagte der Ausschussvorsitzende Nick Hardwick am Donnerstag bei der Vorlage des 160-seitigen Berichts der IPCC-Kommission in London.

Blair sah sich wegen der Todesschüsse auf den 27-jährigen Brasilianer Jean Charles de Menezes, die am 22. Juli 2005 in London abgefeuert wurden, und wegen des Umgangs seiner Behörde mit dem Fall schon wiederholt mit Rücktrittsforderungen konfrontiert.

In dem IPCC-Bericht sind insgesamt 16 Empfehlungen aufgelistet, mit denen ähnliche Vorfälle in Zukunft ausgeschlossen werden soll. Hauptschwachpunkt war demnach die interne Kommunikation der Scotland-Yard-Beamten. Anfang November hatte ein Londoner Gericht der Polizei vorgeworfen, bei dem Einsatz gegen Menezes die geltenden Gesetze nicht beachtet zu haben.

175.000 Pfund Geldstrafe

Die Richter verhängten zudem gegen die Polizei eine Geldstrafe in Höhe von 175.000 Pfund (260.000 Euro). Menezes war mit sieben Schüssen in den Kopf getötet worden, als die Polizei nach den Selbstmordanschlägen in London vom 7. Juli 2005 nach weiteren mutmaßlichen Selbstmordattentätern fahndete. (APA)

  • Stockwell One - Investigation into the shooting of Jean Charles de Menezes at Stockwell underground station on 22 July 2005 (PDF, 1,1 MB)

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