vergrößern 800x402Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund nach politischen Bezirken.
vergrößern 800x566
Eingefleischte Hardliner müssen die Zahlen wie eine Ohrfeige empfinden. Da verschärft ein Innenminister nach dem anderen die Fremdengesetze, faselt die FPÖ von Minus-Zuwanderung, dennoch strömen Jahr für Jahr scheinbar unbeeindruckt neue Ausländer ins Land. Und machen Österreich zu dem, was so viele fürchten: Eine multikulturelle Gesellschaft.
"Längst" Einwanderungsland
"Der Streit, ob Österreich ein Einwanderungsland sein soll, ist obsolet", sagt der Demograf Gustav Lebhart zum STANDARD. "Tatsache ist: Wir sind es längst." Das beweisen die Daten, die Lebhart und seine Kollegen von der Statistik Austria nun präsentierten. Bereits 1,35 Millionen Menschen in Österreich, das sind 16,3 Prozent, weisen einen so genannten "Migrationshintergrund" auf, will heißen: Sie wurden im Ausland geboren oder besitzen, selbst wenn sie im Inland zu Welt kamen, keine österreichische Staatsbürgerschaft. 2001 waren es laut Volkszählung noch 14 Prozent gewesen.
Am meisten Neu-Bürger leben in Wien. Beinahe jeder Dritte in der Bundeshauptstadt stammt aus einem Zuwanderermilieu. Zehn Wiener Bezirke führen auch die einschlägige "Hitliste" an. Multikulti-Hochburg ist Rudolfsheim-Fünfhaus (46 Prozent mit Migrationshintergrund), auf den Plätzen folgen die Leopoldstadt, Margareten und die Brigittenau (alle über 40 Prozent). Auf den untersten Rängen die Waldviertelgemeinden Zwettl (2,5 Prozent) und Waidhofen an der Thaya (3,4 Prozent) sowie – auf Länderebene – das Burgenland mit 8,3 Prozent. Immigranten lassen sich vor allem dort nieder, wo Landsleute davor bereits Netzwerke aufgebaut haben. Und wo Unternehmen neue Arbeitskräfte suchen – was am Land seltener der Fall ist.
Die Rumänen kommen
Die größten Gruppen stellen, abgesehen von Zuwanderern aus Deutschland, Bürger aus den klassischen Gastarbeiterländern. Mehr als 440.000 Menschen haben ihre Wurzeln in den Staaten des ehemaligen Jugoslawiens, 155.000 in der Türkei. Doch die Statistik belegt auch: Die Zuwanderung aus diesen Regionen – da zeigen die strengen Fremdengesetze wohl Wirkung – stagniert. Eine Nebenrolle spielen Afrikaner, die zwar oft durch die Schlagzeilen geistern, aber kaum mehr als 20.000 Köpfe zählen.
Stattdessen werden, hält der Trend an, Einwanderer aus EU-Staaten dafür sorgen, dass Österreich im Jahr 2050 voraussichtlich 9,5 statt bisher 8,3 Millionen Einwohner beherbergen wird. Die Zahl der Zuzügler aus der Europäischen Union stieg allein in den ersten neun Monaten 2007 um 7,5 Prozent, größte Gruppe sind deutsche Staatsbürger, von denen derzeit 121.000 im Land leben. Verhältnismäßig am größten ist der Zustrom – plus 21 Prozent – aber aus den neuen Mitgliedsstaaten Rumänien und Bulgarien. Der Demograf Lebhart rechnet damit, dass der Boom noch zwei bis drei Jahre anhalten könnte. Wogegen, weil EU, auch die strengsten Fremdengesetze nichts ausrichten könnten.
Abschotten als Illusion
Für eine "Illusion" hält Lebhart deshalb, wenn Politiker suggerierten, Ausländer aussperren zu können. Dauernde Zuwanderung müsse als Faktum anerkannt werden, fordert der Migrationsforscher: "Das Festhalten an der Vorstellung, dass Zuwanderer sich nur vorübergehend in Österreich aufhalten, führt zur Konsequenz, dass diese nur unzureichend integriert werden."
Die Herausforderungen seien auch so groß genug, meint Lebhart: "Die Lebensräume ändern sich schneller als die Institutionen." Der Wissenschaftler hat versucht, aus seinen Daten gewisse Hot-Spots herauszufiltern, wo der Integrationsbedarf besonders hoch sei, weil sich Migrantengruppen und alteingesessene Bevölkerung dort tendenziell voneinander abschotten. Zu den Gebieten mit starken „Segregationstendenzen“ zählen demnach die Wiener Bezirke Rudolfsheim-Fünfhaus, Favoriten und Ottakring, aber auch Bundesländerstädte wie Salzburg, Graz oder Dornbirn.
Den Vorwurf, zu überspitzen, setzt sich die Statistik Austria nicht aus: Die neuen Zahlen sind eher konservativ gerechnet. Zuwanderer der zweiten Generation etwa, die in Österreich geboren sind und die Staatsbürgerschaft besitzen, fallen bereits nicht mehr unter die Kategorie "Migrationshintergrund". Forscher Lebhart warnt aber auch vor voreiligen Schlüssen. 16 Prozent der Bevölkerung mögen zwar über einen derartigen Background verfügen, sagt er: "Aber das heißt nicht, dass all diese Leute zusätzlicher Integration bedürfen." (Gerald John/DER STANDARD, Printausgabe, 9. November 2007)
Zehn PolitikerInnen ließen Migrantinnen Politik-Luft schnuppern - eine Paarbeziehung mit "Wow"-Effekt
Die Polizisten, die 2006 den Gambier Bakary J. schwer misshandelten, haben keinen Rückhalt mehr in den eigenen Reihen - Deswegen gab es hohe Disziplinarstrafen
Eine Theatergruppe bringt Migrationserfahrungen von Pflegekräften spontan auf die Bühne
Tschuschenkapelle-Gründer Slavko Ninić über 20 Jahre Folklore, Sehnsucht nach Asphalt und "Tschuschen" in der Politik
Integrationsexperte Kenan Güngör über Migrantenkids, die sich doppelt betrogen fühlen, maue Erklärungen für Wahlerfolge der FPÖ und untypisches Wiener Understatement
Worum das Land und die heimische Politik noch ringen, scheint beim Militär Realität: reibungslose Integration - Ein Lokalaugenschein in der Maria-Theresien-Kaserne
Mit kritischen Aussagen zum grünen Migrations-Programm schockte Senol Akkilic - und wurde prompt zum Kandidaten gewählt
Wie sicher fühlen sich MigrantInnen in Österreich? Eine Studie zeigt, dass subjektive Bedrohungen nicht gleich verteilt sind
In Österreichs Spitälern arbeiten mehr als 1000 Ärzte persischer Herkunft. Ihr Selbstverständnis: multikulturell
Schriftstellerin Julya Rabinowich über ihre Abneigung gegen den Begriff "MigrantInnen-Literatur"
Stadt Wien spendet kleinen Projekten 300 Euro, Vereine bekommen 5100 Euro - ÖVP: "Nix Neues"
Österreichs Politik stärke konservative Kräfte, anstatt säkuläre TürkInnen zu unterstützen, kritisiert Birol Kilic von der Türkischen Gemeinde
SerbInnen-Vertreter Darko Miloradovic über Thompsons Wien- Konzert, unzufriedene SerbInnen und die Lokalszene Ottakrings
Yüksel Grohs war die erste Migrantin bei der Polizei und versucht inzwischen selbst, Einwanderer für diesen Beruf zu begeistern
Der Integrationsforscher im Migrantenviertel: Kenan Güngör stürzte sich für einen Vormittag ins multikulturelle Hauptschul-Gewühl
Afrikaner in Österreich zwischen Migrationspolitik und Stigmata
Von Marokko kam er über Westberlin und Tirol nach Wien - jetzt serviert Rhani Dhabi im Hoofbräu "Wiener Küche mit bayerischem Einschlag“
Der anonym in Wien lebenden Türkin ist es gelungen, sich zu befreien
Flüchtlinge seien meist besser ausgebildet und geübter in globalem Denken als der Durchschnitt - dieses Potenzial sollte man nutzen, meint Studienautor Herbert Langthaler im Interview
Als Unternehmensberater jongliert er in Wien Millionenbeträge - doch im Senegal warnt Samba Diallo seine Bekannten vor großen Hoffnungen - ein Porträt
Von Tarzan, Jane und namensgleichen Geschwistern
Hoffnung auf Pflege und Glück in der Ehe: Integrationsexperte Metin Okyay im derStandard.at- Interview über arrangierte Beziehungen
Männer werden im Schnitt um fünf, Frauen um zwei Jahre älter als in Österreich Geborene - Zwei Drittel der neuen Zugewanderten aus EU
"Negerle", "Marokkanerle", "Negerpuppe": die Kinder aus Beziehungen zwischen Vorarlbergerinnen oder Tirolerinnen und marokkanischen Besatzungssoldaten - ein Tabuthema
Hüseyin Kalayci berät Männer mit türkischem Migrationshintergrund wegen Depressionen, Angstzuständen oder anderer psychischer Probleme
Sie waren hunderte Kilometer alleine unterwegs, bevor sie hier ankamen: minderjährige Flüchtlinge - "Caravan" gibt ihnen ein Zuhause
Vor 40 Jahren kamen die ersten türkischen Gastarbeiter nach Österreich - Kenan Kilic hat ihnen ein berührendes filmisches Denkmal gesetzt
Filmemacher Kenan Kilic über das "Ignorieren" der Gastarbeiter, Rassismus und die österreichische Identität
Der Soziologe Heinz Bude sieht bei jungen Migranten eine "ähnliche Aggressionsbereitschaft" wie bei 68ern - ein derStandard.at- Interview
"Tres Monos"-Frontman Topoke im Interview über HC
Strache, dessen pro-serbische Ambitionen und Arigona Zogaj
17 Prozent der Österreicher haben "Migrationshintergrund" - Asylwerber stellen nur einen geringen Teil der Zuwanderer
Etwa 1000 Grundwehrdiener sind Muslime - Die kleinste Glaubensgruppe bilden Österreicher serbisch-orthodoxen Glaubens
Schriftsteller Tarek Eltayeb berichtet, was es bedeutet, "sprachlos" zu sein
Liebe Kroneforum-abtrünnige und bestellte Mitdiskutanten!
Wir haben uns alle hier versammelt, um ein Zerrbild der österreichischen Gesellschaft darzustellen.Wir werden rot voten, bis die Tasten rauchen, wir werden vor allerpeinlichsten Anwürfen nicht zurückschrecken und auch dreiste Lügen werden uns wie Butter von den Fingern in die Tastatur rinnen.Aber all das ist immer noch nicht genug! Eine Steigerung wird erwartet, meine Herrschaften, eine totale, eine paranoide Durchwachsung, darunter kanns bitte nicht gehen.Da kann man sich schon ein wenig ins Zeug legen dafür.
Da sitzt schon wer anderer an der tastatur und der server von so mancher bude rennt heiss. ich finds gut, dass das standard-forum so tolerant und vielfältig ist und jede meinung zulässt. wie hat uns die steirische övp-bude so schön gezeigt: modul 1 - leserbriefe und postings.
"...sie bieten auch die Möglichkeit, sachlich unqualifizierte, aber für die Stimmung wichtige Einträge zu veröffentlichen."
und jetzt bitte viele rote stricherln, ich brauch das.
meine frau ist eine ... von fast 300.000 in österreich lebenden aus dem eu-ausland. deutsche eben, das sollte ich dazu sagen?
es ist erstaunlich wie statistiken scheinbar polarisieren können. in den letzten jahren sieht man deutlich, dass die zahl der eu-bürger, die ihren wohnsitz in österreich haben, vor allem für einen anstieg verantwortlich ist.
interessant wäre dazu, wieviele geborene österreicher ihren wohnsitz im (eu)ausland haben.
man staune was hier alles aus der grünen ecke kommt:
die globalisierung ist menschengemacht und kann daher jederzeit von der nationalen politik angehalten und rückgängig gemacht werden, je nach belieben.
UND
zuwanderung ist ein faktum, das unabänderlich ist
Ein interessanter Tipp für alle Migranten:
Laut aktueller Statistik gibt es etliche Länder in Europa die viel Integrationsfreundlicher sind. An erster Stelle ist Schweden! Schwedens Gesetze und Verordnungen seien mit Abstand die integrationsfreundlichsten in ganz Europa! Schweden verfügt auch über ein super Sozialsystem wo man sehr viel herausholen kann, monetär gesehen! Auch Portugal, Belgien und Finnland sind TOP bei der Unterstützung von Zuwanderern!
Heisst im Klartext: Migrantinnen können bei o.g. Ländern vielmehr für sich herausholen!
Also versucht es doch dort einmal, es lohnt sich!
und eines sei auch noch angemerkt - 16% aller österreicher haben migrationshintergrund - und doch hat nur eine einzelne gruppe aller migranten große integrationsschwierigkeiten - hmm, vielleicht sind daran doch nicht nur die bösen österreicher, die ach so ausländerfeindlich sind, daran schuld
hm, vielleicht doch mal ein wenig die details betrachten, anstatt das vermeintlich offensichtliche? angefangen von laufenden anfeindungen, von personen die sich in einer vermeintlichen bedrohung sehen, bis hin zu lustigen ausländerwitzen reicht die inoffizielle palett, und dem "standard-modell" österreicher fällt das (so wie ihnen gar nicht auf), und natürlich hängt dies mit der bedrohlichkeits-wahrnehmung zusammen, je dunkler, je islamischer desto gefährlicher. von den institutionellen defiziten des offiziellen österreichs sprech ich gar nicht. und es betrifft nicht nur eine gruppe, nur die anderen fallen aufgrund ihres anteils nicht so ins gewicht. naja, (pseudo-)liberalismus schützt wohl vor torheit nicht.
aufgrund ihres anteils?
wissen sie wieviele flüchtlinge in der zeit der jugoslawienkrise zu uns gekommen sind?
selbes land, selbe einwanderung, keine integrationsschwierigkeiten.
vielleicht sollten sich leute wie sie einmal an der nase nehmen und nicht alle menschen, die nicht aus österreich sind in generalschutz nehmen. das würde der debatte gut tun. sie machen nämlich genau das gleiche wie die pauschalen ausländerfeinde nur mit umgekehrten vorzeichen. beides ist undifferenzierende ideologie.
Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.