GNOME 2.22: Erster Ausblick auf kommende Neuerungen

11. Jänner 2008, 15:19
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Performance- Optimierungen, neue Features und Umbau bei Basistechnologien - Zahlreiche neue Komponenten zur Aufnahme vorgeschlagen

Einen ersten Ausblick auf die Neuerungen der kommenden Version ihrer Software geben die EntwicklerInnen des GNOME-Desktops in der aktuellen Roadmap. Demnach soll das für den März geplante GNOME 2.22 wieder eine Reihe kleinerer und größerer Verbesserungen sowie einige frische Komponenten bringen.

vfs

So soll in der kommenden Release eine zentrale Komponente des Desktops ausgetauscht werden: Statt gnome-vfs soll sich künftig gio/gvfs um die I/O-Aufgaben des Desktops kümmern. Die neue Lösung soll nicht nur eine spürbar höhere Performance bringen, sondern auch mit altbekannten Problemen und Design-Problemen von gnome-vfs aufräumen.

Umsetzung

Damit dies vollständig zum Tragen kommt, müssen natürlich noch die Anwendungen des GNOME-Desktops nach und nach auf gio/gvfs portiert werden. Allen voran, der Nautilus Datei-Manager, dessen Portierung aber bereits weit fortgeschritten ist.

Reduktion

Auch ansonsten soll es wieder einige Optimierungen beim Ressourcenverbrauch geben, so soll etwa der gnome-settings-daemon flotter als bisher zu Werke gehen. Zusätzlich soll der Evolution Data Server (EDS) - das Backend der Mail/Groupware-Lösung Evolution - künftig weniger Speicher verbrauchen. Eine Optimierung, von der vor allem auch Geräte im mobilen Bereich profitieren sollen.

D-BUS

Den umgekehrten Weg nimmt der D-BUS-Port des EDS: Dieser ist im Handheld-Umfeld entstanden und soll nun in den Default-GNOME zurückwandern. Auch aus dieser Änderung sollen sich Performancegewinne ergeben.

Evolution

Bereits in die aktuelle Entwicklerversion des GNOME aufgenommen wurde eine Anbindung an den Google Kalender im Evolution. Die kommende Version der Groupware-Lösung soll zusätzlich noch mit der Unterstützung für Smart Card-Autorisierung sowie für aktuelle Exchange 2007-Server aufwarten können. Daneben arbeitet man derzeit auch einer vollständig neuen Exchange-Anbindung, die statt dem Umweg über den Outlook Web Access direkt per MAPI auf die Daten zugreift. Da das Ganze auf Samba 4 beruht, wird dies aber wohl fürs erste optional bleiben.

Einstellungen

Die mit der letzten Release begonnen Aufräumarbeiten bei den Einstellungsdialogen des Desktops sollen mit GNOME 2.22 weiter vorangetrieben werden. So will man in einem Lokalisierungsdialog die bisherigen Einstellungen für Tastaturlayout und Sprache vereinen. Weiters sind zusammenfassende Capplets für alle Einstellungen in den Bereichen Eingabegeräte und Bildschirme geplant.

Rewrite

Der Login-Manager GDM wird für die neue Release weitgehend neu geschrieben, um eine bessere Integration mit dem restlichen Desktop zu ermöglichen. Die Uhr des Desktops bekommt Unterstützung für mehrere Zeitzonen, die Verschlüsselungssoftware Seahorse soll besser mit dem Evolution integriert werden.

Vermischtes

Das Desktop-Wiki Tomboy soll Unterstützung für das Taggen einzelner Notizen bekommen, auch Tasklisten sollen künftig anlegbar sein. Der Media Player Totem bekommt Plugins für eine Anbindung an MythTV sowie einen direkten Zugriff auf Youtube.

Neu

Neben den Verbesserungen an den bestehenden Komponenten sollen aber auch wieder einige neue Programme in die Suite aufgenommen werden. So könnte der GNOME mit Empathy seinen eigenen Instant Messenger bekommen, der auch eine Reihe von Widgets zur Verfügung stellt, die in anderen GNOME-Anwendungen weiterverwendet werden können.

Komponenten

Mit Cheese bietet sich eine Photobooth-ähnliche Anwendung zur Aufnahmen von Bildern oder Videos per Webkamera - samt einiger Verfremdungseffekte - an. Dank Vinagre könnte der GNOME-Desktop nun auch einen eigenen VNC-Client bekommen.

Gimmie

Am ausführlichsten zu diskutieren sein, wird wohl der Aufnahmeantrag von Gimmie sein: Immerhin will die Software mit einem frischen Ansatz das klassische GNOME Panel ersetzen. Ebenfalls vorgeschlagen wurden das Entwicklungsstudio Anjuta, das Tool Mouse Tweaks zur Verbesserung der Barrierefreiheit des Maus-Cursor sowie GtkGLExt, eine OpenGL-Erweiterung für das Toolkit GTK+.

Abwarten

Der aktuelle Roadmap-Entwurf listet noch ein Vielzahl weitere Neuerungen auf. Wie immer in solchen Fällen bleibt natürlich abzuwarten, welche der Verbesserungen tatsächlich implementiert werden, immerhin ist schwer einzuschätzen, ob alle EntwicklerInnen auch die notwendige Zeit für die gesetzten Ziele finden. Umgekehrt werden wohl auch noch einige Verbesserungen im GNOME 2.22 landen, die derzeit noch nicht aufgelistet werden. (Andreas Proschofsky)

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