Die Menschheit hat schon vor einem Monat jene Menge an Rohstoffen verbraucht, die in einem Jahr erneuert werden kann - seither häufen wir ökologische Schulden an
Wer in einem Monat mehr Geld ausgibt, als er oder sie einnimmt, verschuldet sich. Nach dem gleichen Prinzip geht die Menschheit derzeit mit natürlichen Ressourcen um. Bis 6. Oktober wurde seit Jahresbeginn weltweit jene Menge an Rohstoffen konsumiert, die innerhalb eine Jahres von der Natur neu gebildet werden kann. Dies haben Wissenschafter des Global Footprint Networks und der New Economic Foundation mit Hilfe des Ökologischen Fußabdruckes ermittelt.
Der Ökologische Fußabdruck misst die Fläche, die notwendig ist, um die verbrauchten Rohstoffe zur Verfügung zu stellen und Schadstoffe abzubauen – über Ackerland und Wälder bis zu Weiden und Fischgründen. Er vergleicht diese Fläche mit der Fähigkeit der Natur, Rohstoffe zu erneuern und Abfälle aufzunehmen.
Derzeit entnehmen wir laut Global Footprint Network der Natur dreißig Prozent mehr, als nachwächst. Anders formuliert heißt das, dass vor Jahresende die Rohstoffe für das laufende Jahr verbraucht sind. Für geringe Zeit lässt sich die Natur auf diese Weise übernutzen; dadurch werden aber Fischbestände dezimiert, verschwinden Wälder oder die Bodenerosion nimmt zu.
Die ökologische Kreditkarte
Die Natur zu übernutzen heißt ökologische Schulden anzuhäufen. Daher wird der 6. Oktober von den Wissenschaftlern als Ecological Debt Day bezeichnet. "Die Menschheit lebt von ihrer ökologischen Kreditkarte", sagt Mathis Wackernagel, Geschäftsführer des Global Footprint Network. "Wenn man mehr Geld ausgibt, als man auf der Bank hat, führt das zu finanzieller Verschuldung. Wir leben im 'Overshoot', dem Raubbau an der Natur", sagt Wackernagel. "Wir konsumieren mehr, als tatsächlich zur Verfügung steht, und häufen damit ökologische Schulden an. Das klappt für eine kurze Zeit, lässt jedoch Müllberge anwachsen und führt zur Abnutzung einzigartiger Ressourcen von denen unsere Wirtschaftsweise abhängig ist."
Die Last ist dabei weltweit nicht gleichmäßig verteilt. Würden alle Menschen so viele Rohstoffe verbrauchen wie die Europäer, bräuchten wir drei Planeten. Durch den ständig steigenden Rohstoffverbrauch wird der Ecological Debt Day zudem jedes Jahr früher erreicht.
Damit ein Planet wieder reicht
"Dabei geht es nicht um Schwarzmalerei", sagt Wolfgang Pekny, Geschäftsführer der Plattform Footprint. "Es geht darum, ein realistisches Bild der Situation unserer Erde aufzuzeigen und den Menschen in Österreich einen Maßstab zur Verfügung zu stellen, mit dem sie Ihren globalen Ressourcenverbrauch messen und ihr Verhalten steuern können". In der Plattform Footprint haben sich Umwelt- und Sozialorganisationen zusammengeschlossen, um den Ökologischen Fußabdruck als Maß für einen nachhaltigen Lebensstil zu etablieren.
Die Plattform gibt die passenden Hinweise, wie die Übernutzung von Rohstoffen verhindert und die Belastung von Ökosystemen reduziert werden kann: Geringerer Fleischverbrauch, weniger Auto- und Flugzeugreisen und ein geringerer Energieverbrauch gehören ebenso dazu wie eine geschickte Stadt- und Infrastrukturplanung und die Anwendung von modernen Umwelttechnologien.
Zum Autor:
Mark Hammer arbeitet als freier Journalist in Wien.
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