Khol: Möglicherweise nach 2010 - Experten wollen Maßnahmen, um tatsächliches Pensionsalter anzuheben
Wien - Sozialminister Erwin Buchinger hat am Sonntag in
der
ORF-Sendung "Im Zentrum" bekräftigt, dass das gesetzliche
Pensionsantrittsalter in dieser Legislaturperiode nicht hinaufgesetzt
wird - auch wenn die jüngste Prognose der
Statistik Austria eine
Steigerung der Lebenserwartung um 4,6 Prozent ausweist. Auch der
Obmann des ÖVP-Seniorenbundes Andreas Khol schloss eine Erhöhung bis
2010 aus. Politiker und Experten waren sich einig, dass Maßnahmen
nötig sind, um das faktische an das gesetzliche Pensionsalter
heranzuführen.
Buchinger glaubt, dass die "Kommission zur langfristigen
Pensionssicherung" - die nach der neuen Lebenserwartungsprognose am
Zug ist - im Februar "mit großer Wahrscheinlichkeit" nicht empfehlen
wird, "etwas zu tun". Denn laut Statistik Austria würden die
Auswirkungen der höheren Lebenserwartung durch die Zuwanderung
überkompensiert. Zudem sei aus seiner Sicht der Hauptfaktor für die
Sicherung der Pensionen nicht die Demografie, sondern Produktivität
und Beschäftigungswachstum mit einer besseren Beteiligung von älteren
Arbeitnehmern und Frauen am Arbeitsmarkt.
Khol: Missbrauch bei Invaliditätspension
Khols Erwartungen an die Kommission sind andere: Es sei nötig,
regelmäßig "klein an den Schrauben" zu drehen - und somit müsste die
Kommission vorschlagen, "ob man bei gleichbleibendem Staatszuschuss
und Pensionsbeiträgen nicht nach 2010 länger wird arbeiten müssen".
Ansetzen könnte man bei der Pensionshöhe und dem Alter; höhere
Zuschüsse, Beiträge oder niedrigere Pensionen kommen für Khol nicht
infrage. Zunächst gelte es aber, das faktische Pensionsalter
anzuheben. Als Hauptproblem sieht Khol hier die Invaliditätspension,
wo er vielfachen Missbrauch vermutet.
Dem trat Buchinger entgegen; der Minister nahm aber erfreut das
Angebot Khols an, den Berufsschutz für Bauern und ungelernte
Arbeitskräfte zu verbessern. Mitte des nächsten Jahres will Buchinger
Maßnahmen zur Reduktion der Invalitätspensionen vorlegen - wobei er
bei der Gesundheit am Arbeitsplatz, Prävention und Rehabilitation
ansetzt.
Der Pensionsexperte Bernd Marin bekräftigte seine Kritik an
Invaliditätspension und der Hacklerregelung - also geringeren
Abschlägen bei früherem Pensionsantritt von Langzeiterwerbstätigen.
Das faktische Pensionsalter sei seit sieben Jahren so gut wie nicht
gestiegen, weil diese beiden Pensionsformen "alles zunichte machen".
Die Anhebung des Pensionsalters wäre aber die einzig mögliche
Maßnahme, die Pensionen auch bei gestiegener Lebenserwartung zu
sichern, ist Marin überzeugt. Dazu nötig wären
"versicherungsmathematisch korrekte Zuschläge und Abschläge".
Rosenkranz: Kein Handlungsbedarf
FPÖ-Familiensprecherin Barbara Rosenkranz sieht angesichts der
Statistik-Austria-Prognose "keinen unmittelbaren Handlungsbedarf".
Denn die Zahl der über 60-Jährigen habe sich gegenüber der Prognosen,
die der schwarz-blauen Pensionsreform zugrunde lagen, nicht geändert.
Nötig sei allerdings, die Zahl der Geburten zu erhöhen. Denn die
Kompensierung der Zuwanderung durch Zuwanderung lehne die FPÖ ab.
Der Zukunftsforscher Matthias Horx plädierte für eine "andere
Alterungskultur" - mit mehr Augenmerk auf die Gesundheit, einer
positiveren Bewertung älterer Arbeitnehmer durch die Unternehmen und
flexiblen Arbeitsformen. Und in der Bevölkerung müsse man das
Bewusstsein schaffen, "dass Arbeit nichts Negatives ist", so Horx. (APA)