Weingut Gerhard Wallner in Deutsch-Schützen, Südburgenland
Im Südburgenland, das übrigens nach jüngsten Zählungen mit seiner Gesamtrebfläche gewachsen ist (600 Hektar statt früher 480), ist das Bewusstsein sehr ausgeprägt, mit dem Eisenberg und seinen Nachbarerhebungen Csaterberg und Deutsch Schützener Weingebirge etwas wirklich Besonderes zu haben. Auch Gerhard Wallner in Deutsch Schützen zählt zu jenen Winzern, die den sehr speziellen südburgenländischen Weinstil pflegen, der sehniger und deutlich mineralischer ausfällt als in so einigen anderen Gebieten und die Weine unabhängig vom numerischen Alkoholwert leichtfüßig und saftig wirken lässt.
Der Übergang der Verantwortung im Familienbetrieb der Wallners war, wie so oft, fließend. Gerhard Wallner, Absolvent der Weinbauschule Eisenstadt und Weinbaumeister, "kann seit sechs, sieben Jahren ganz nach seiner Richtung arbeiten": Das heißt sehr traditionell mit offener Vergärung im Bottich und händischem Untertauchen des Maischehuts, der dadurch sanfter bewegt wird als mit mechanischen Mitteln, und ohne jegliche Form der Konzentration, also auch ohne Saftabzug und ohne Enzyme. Die Weine seiner Toplinie vergärt er, soweit dies möglich ist, spontan. Ausgebaut wird vorwiegend in großen Holzfässern. "Meine Weine sollen Trinkweine sein und werden daher recht pur ausgebaut", sagt Wallner. Derzeit am Markt ist vor allem der (klassische) Jahrgang 2004, was er damit begründet, dass "Weine vom Eisenberg eben eine Zeitlang brauchen und in der Jugend eigentlich schwer trinkbar sind".
Wallners Blaufränkische wachsen in den Rieden Bründlgfangen und Weinberg, sowie am Eisenbeg. Der "Blaufränkisch 2004 klassisch" wird aus den Trauben jüngerer Anlagen gemacht, d.h. sieben bis 15-jährige Stöcke, und wächst auf schweren lehmigen Böden. Er schmeckt ausgesprochen saftig und intensiv nach dunklen Kirschen. "Blaufränkisch Reserve 2004" kommt aus Wallners Lagen in Deutsch Schützen und Eisenberg und war zu zwei Drittel in neuen großen Holzfässern. Sein Aroma ist etwas dunkelbeeriger, wieder sehr saftig mit einer angenehmen Harmonie zwischen sehr feinem, kaum merkbarem Tannin und Säure. Derselbe Wein des Jahrgangs 2003 zeigt sich in voller beginnender Trinkreife und Harmonie von seiner besten und elegantesten Seite, hat wieder diese charakteristische saftige dunkelfruchtige Note mit perfekt eingebundenem Tannin und einer sehr feinen mineralischen Note, während 2005, der vor zwei Monaten gefüllt wurde, noch etwas jugendliche Ruppigkeit an den Tag legt, aber angesichts seiner Vorgänger auch einiges Gutes erwarten lässt.
Wallner macht auch eine auf Blaufränkisch basierende Cuvée "Kentaur", der er Cabernet Sauvignon und Merlot, in manchen Jahren auch Zweigelt mitgibt. Auch dieser Wein hat viel Eleganz und Frucht, erinnert an Maulbeeren, Hollunder und Weichseln, und spielt sehr schön zwischen dunkler Frucht und leichter Säuerlichkeit. Fazit: sehr trinkfreudig und sehr viel Eisenberg im Glas. (Luzia Schrampf)
Preise:
Blaufränkisch 2004 klassisch 6 €
Blaufränkisch Reserve 2003 oder 2004 8 €
Cuvée Kentaur 2003 oder 2004 16 €
alle Preise ab Hof