Human Rights Watch übt Kritik an Burma - Meiste Kindersoldaten werden von Rebellenarmeen für den Kampf gegen die Regierung rekrutiert
Wien - Rund 300.000 Kinder sind gegenwärtig in knapp 30
bewaffneten Konflikten als Soldaten im Einsatz, berichten die
Menschenrechtsorganisationen
amnesty international und terre des
hommes. Sogar Großbritannien hat, laut einer Meldung des deutschen
Nachrichtenmagazins "Focus" vom Frühjahr 2007, zwischen 2001 und 2003
Minderjährige in den Irak geschickt. Der damalige britische
Verteidigungsminister Adam Ingram hatte betont, die Entsendung sei
irrtümlich geschehen.
Zwangsrekrutierung
Die meisten Kindersoldaten werden nach den Angaben der
Organisationen von Rebellenarmeen für den Kampf gegen die Regierung
rekrutiert. Allerdings unterstützen laut terre des hommes Regierungen
häufig paramilitärische Gruppen und Milizen, die Kinder in den Kampf
schicken oder sie zu Gewalttaten gegen die Zivilbevölkerung
anstacheln. Auch scheuen einige Regierungen nicht vor der bewussten
Anwerbung oder sogar Zwangsrekrutierung von Kindern und Jugendlichen
zurück. Der UNO-Sicherheitsrat habe zwar wiederholt den Missbrauch
von Kindern als Soldaten verurteilt, doch lediglich gegen sechs
Staaten wurden Maßnahmen ergriffen, fünf davon in Afrika.
Kritik an Burma
Erst am Dienstag hatte die Menschenorganisation Human
Rights Watch (HRW) den Einsatz von Kindersoldaten in Burma (Myanmar)
kritisiert (derStandard.at berichtete). Buben ab dem Alter von zehn Jahren würden von Anwerbern
gekauft und dann an das Militär veräußert, berichtete HRW. Die
Menschenrechtsgruppe berief sich dabei auf Interviews mit 20 früheren
burmesischen Soldaten. Die überwiegende Mehrheit von ihnen habe die
Zahl der Jugendlichen und Kinder unter den Rekruten auf fast ein
Drittel beziffert.
Ye
Htut, ein ranghoher Beamter im burmesischen Informationsministerium, wies die Vorwürfe zurück: Der Bericht basiere auf "grundlosen Anschuldigungen und
übertriebenen Lügen von Aufständischen im Grenzgebiet", erklärte er. Erst vor drei Jahren
habe die Regierung neue Richtlinien erarbeitet, um die Einhaltung des
langjährigen Rekrutierungsverbots von Kindersoldaten noch besser als
zuvor sicherzustellen. Seitdem seien fast 30 Personen wegen Verstößen
von einem Militärgericht diszipliniert worden.
Nach Angaben von Human Rights Watch müssen Kindersoldaten
vielfältige Aufgaben erfüllen. Sie werden als Spione, als Träger, als
Minenräumer, als Prostituierte und auch als aktive Kämpfer eingesetzt.
Das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF hatte bereits im Februar
kritisiert, dass das vor fünf Jahren verabschiedete Zusatzprotokoll
zur UNO-Kinderrechtskonvention, das den Einsatz von Kindern unter 18
Jahren im Krieg verbietet, von vielen nichtstaatlichen Akteuren in
Konflikten ignoriert werde. Militärs und Milizenchefs, die Kinder
einsetzen, würden zudem kaum zur Verantwortung gezogen. Das
Zusatzprotokoll ist bisher von 122 Staaten unterzeichnet worden; 111
haben es ratifiziert, darunter auch Österreich. (APA)