Den Hausverstand einsetzen

30. Oktober 2007, 18:46
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Otto Petrovic, Experte für den Schutz der Privatsphäre im Internet - im STANDARD-Interview

Otto Petrovic beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema "Schutz der Privatsphäre im Internet". Sabina Auckenthaler sprach mit ihm über Daten, deren Bekanntgabe im Netz nicht unbedingt notwendig ist.

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STANDARD: Gehen wir zu sorglos mit persönlichen Daten im Internet um?

Petrovic: Wer Daten über sich bekanntgibt, sollte sich immer fragen, ob er das wirklich will. Ist es notwendig, das Geburtsdatum bekanntzugeben, nur weil man ein Buch bestellt? Allerdings zeigen hier alle Untersuchungen, dass gegen Bequemlichkeit und etwas finanzielle Ersparnis die meisten bereit sind, ihre Daten preiszugeben. Das gilt aber nicht nur für das Internet. Genauso funktionieren Kundenclubs, wo man Prozente oder kleine Geschenke erhält, wenn man sich anmeldet. Im Grunde ist das ja noch nicht gefährlich: Der Kunde bekommt dann Angebote, die speziell auf ihn zugeschnitten sind. Problematisch wird es, wenn die Daten an Dritte weiterverkauft werden. Das ist zwar verboten, aber nicht auszuschließen.

STANDARD: Sollte man also einen weniger vertrauensvollen Umgang im Internet pflegen?

Petrovic: Natürlich empfiehlt es sich, seinen Hausverstand einzusetzen. Wenn in einer Mail steht, man hätte eine Menge Geld gewonnen und müsste dafür ein paar 100 Dollar einbezahlen, ist man natürlich gut beraten, dies nicht zu tun. Weiters sollte man immer überlegen, wer der Absender ist und bei Tätigkeiten wie Telebanking usw. auch lesen, was auf der jeweiligen Homepage steht: Dann weiß man schon, dass eine Bank nie via E-Mail Passwörter erfragen wird. Man sollte auch darauf achten, dass Passwörter nur über eine verschlüsselte Verbindung laufen.

STANDARD: Auch im Zusammenhang mit der geplanten Online-Durchsuchung befürchten viele, dass die Privatheit eingeschränkt wird ...

Petrovic: Man muss hier von Pauschalurteilen absehen: eine punktuelle Überwachung einzelner Verdächtiger in einem gut funktionierenden Rechtsstaat ist noch lange keine Totalüberwachung. Nur weil auf bestimmten Plätzen eine Videokamera installiert ist, sind wir ja auch noch kein Überwachungsstaat. Sicherheit ist oft das Gegenteil von Freiheit. Es geht darum, Interessen abzuwägen. Wollen wir mehr Sicherheit oder die uneingeschränkte Freiheit? Und: Was ist uns diese Sicherheit wert?

STANDARD: Sicherheit und Internet: auch ein Widerspruch?

Petrovic: Man muss da zwischen realer Unsicherheit und der psychologischen Unsicherheit unterscheiden. Glauben Sie wirklich, es ist sicherer, einem Kellner die Kreditkarte in die Hand zu drücken, als die Nummer (verschlüsselt) ins Netz zu tippen? Vielen ist unklar, was in diesem Raum, dessen Grenzen niemand kennt, und die es auch nicht gibt, passiert. Das nährt die Unsicherheit. (DER STANDARD, Printausgabe, 31.10.2007)

Zur Person
Otto Petrovic (42) ist Vorstandschef von Evolaris. Er lehrt am Institut für Organisations- und Personalmanagement an der Uni Graz.
  • Otto Petrovic (42): "Sicherheit ist oft das Gegenteil von Freiheit."
    foto: der standard/evolaris

    Otto Petrovic (42): "Sicherheit ist oft das Gegenteil von Freiheit."

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