Wenig Risiko, wenig Misserfolg

30. Oktober 2007, 19:09
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Österreichs Forschungsförderung könnte einen Schuss Risikobereitschaft vertragen - mit Infografik

Die Angst vor dem Scheitern ist in Österreich traditionell groß. Das zeigt sich auch in der Forschung, insbesondere in der staatlich geförderten. Sie weist eine für Hightech-Erfindungen und -entwicklungen erstaunlich niedrige Misserfolgsquote auf: Laut der jüngsten, 2006 durchgeführten Erhebung durch die KMU Forschung Austria gingen von den im Jahr 2002 bei der Forschungsförderungsgesellschaft FFG eingereichten 376 Projekten 16 schief. 30 konnten noch kein wirtschaftliches Ergebnis vorweisen und von weiteren 16 fehlte der Statusbericht über den Fortgang.

In Prozenten gemessen wirkt die Misserfolgsquote fast putzig, sie beträgt schlanke 4,3 Prozent. Zum Vergleich: Tekes, das finnische Pendant der FFG, weist in ihrem Rechenschaftsbericht ein Drittel aller Förderprojekte als gescheitert aus.

Ökonomen wie Andreas Schibany von Joanneum Research betrachten den österreichischen Ausweis für Sparsamkeit, Qualität und die Schaffung von Arbeitsplätzen, mit denen der Einsatz von Steuergeldern für die Forschungsförderung öffentlich legitimiert wird, mit gemischten Gefühlen. Dass von den eingesetzten Millionen praktisch nichts verschwendet werde, sei zwar löblich und beruhigend, sagt Schibany. Die hohe Erfolgsquote bei Förderprojekten könne allerdings auch als Indikator für eine generell sehr geringe Risikobereitschaft gewertet werden. Und unter der leidet bekanntlich die gesamte österreichische Wirtschaft, insbesondere was die Bereitstellung von Risikokapital für Unternehmensgründungen betrifft.

Wie viel Risiko verträgt Forschungsförderung

Die Frage, die sich Technologieexperten wie Schibany stellen, ist daher, wie viel Risiko Forschungsförderung verträgt respektive wie „risiko-avers“ Forschungsförderung hierzulande wirkt. Dass Letzteres der Fall ist, davon ist laut Schibany auszugehen. Das sei nicht als Kritik an den wohlbestallten Fördertöpfen zu verstehen, lege aber den Schluss nahe, dass dem Fördermarkt ein Schuss an Freizügigkeit guttun würde – „weil die traditionelle Förderung ,sicherer‘ Projekte dazu führt, dass es Anträge mit riskanteren Inhalten wegen ihres ungewissen Ausgangs schwerer haben, an Geld zu kommen“, sagt Schibany. Das habe zwar den Vorteil, dass nur eine Minderheit von Projekten scheitere, man beraube sich damit aber einiger Chancen auf große Erfindungen mit echtem volkswirtschaftlichem Nutzen.

Leiden würde die klassische Forschungsförderung unter mehr Risikobereitschaft bei der Vergabe von Mitteln übrigens nicht. Denn als breite Basis, die sich ausschließlich nach den technologischen Bedürfnissen der Unternehmen richtet, dient der Förderlandschaft die indirekte Forschungsförderung, also die steuerliche Absetzbarkeit von Forschungsausgaben – und natürlich die Forschungsprämie, die auch Betriebe ohne Gewinne unbürokratisch lukrieren können. Ihr Volumen wird mittlerweile auf 400 bis 500 Millionen Euro pro Jahr geschätzt und erlaubt Innovation ohne Inhaltsvorgaben und ohne Zwang.

Angesichts dieser breiten Innovationsbasis der österreichischen Wirtschaft rät Schibany zu mehr Mut zum Risiko in der direkten Forschungsförderung und natürlich in der Grundlagenforschung. Als Anreiz könnte die bevorzugte Förderung langfristig angelegter Projekte in Bereichen wie Medizintechnik oder Radiodiagnostik fungieren. Für sie sei eine Projektlaufzeit von vier Jahren meist zu kurz. (Luise Ungerboeck/DER STANDARD, Printausgabe, 31.10.2007)

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