Stars und Steine

4. Februar 2008, 15:38
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Swarovski präsentierte Mode- und Rockstars - Wie Designer Christopher Kane

Beth Dito sieht aus wie bei der Geburt von Kelly Osbourne und/oder Selina Gusenbauer getrennt, hat aber zwei ganz andere Jobs. Der erste: Sängerin bei der Neo-Punk-Truppe "The Gossip", der zweite: Muse von Christopher Kane, dem englischen Design-Star und Catwalk-Gespräch der Saison. Wie Beth, die ebenso kompakt wie Christopher Kane zart ist, zum Job der Modemuse kommt, liegt für viele nicht auf der Hand, für viele sehr.

Die unkonventionelle Dame, die sich eigentlich lieber aus- statt anzieht, verkörpert ein Bild von Mode und Körperlichkeit, mit dem Christopher Kane viel mehr anfangen kann als mit in geometrische und andere Schablonen gepressten entsexualisierten Puppen. Kein Wunder, dass der gemeinsame Auftritt beim Event "Fashion Rocks" in der Londoner Royal Albert Hall zugunsten von des Prince's Trust andere internationale Show- und Modegrößen wie die Paarungen Chanel und Lilly Allen oder Alicia Keys und Giorgio Armani in den Schatten stellte. Die Künstler sangen, während die Models in der aktuellen Kollektion des ihm bzw. ihr zugeordneten Designers auf die Bühne kamen. Das ergänzt sich zuweilen aufs Allerschönste, wie etwa im Falle der eleganten Roisin Murphy in einer Kulisse von Gucci-Models, oder Joss Stone umgeben von Calvin Klein. Bei anderen, wie etwa bei Iggy Pop, ist jedes Gramm Model rundherum zu viel. Bei Ikonen wie Patti LaBelle und Shirley Bassey ist das Rundherum total egal. Beth Dito mit "The Gossip" und den unverschämten Mädchenkleidern von Christopher Kane hingegen waren vollkommen stimmig.

Grenzerweiterung

Der Event wurde von den Wattener Kristallkönigen Swarovski gesponsert. Nadja Swarovski und Markus Langes-Swarovski waren federführend.

Nun arbeitet die gesamte Modeindustrie mit den bunten Steinen und den glitzernden Geweben. Swarovski nahm das Londoner Ereignis zum Anlass, einen Designer ganz besonders in den Vordergrund zu rücken. Nämlich Christopher Kane. Man präsentierte eine Schmuckkollektion aus seiner jugendlichen Hand, die wohl schmückt, aber mit dem gelernten Ring-Ohrring-Armband-Halsketten-Reigen wenig zu tun hat. "Christopher Kane erweitert die Grenzen dessen, was wir als Accessoire kennen", meint Markus Langes-Swarovski. Warum auch nicht. Der Halsschmuck mit USB-Stick oder Karabiner ist vielseitig verwendbar, so dass wir einen praktischen Nutzen haben, solange wir den ästhetischen noch nicht erkennen können. Wenn ein plötzliches Datenspeicherproblem auftaucht oder man den Hund kurz an die kurze Leine nehmen muss, zum Beispiel.

Spielzeug

Der ästhetische Nutzen, den man nach längerer Betrachtung am Horizont aufsteigen sieht, ist ein humorvoller Kommentar zu hochkarätigem Gattinnen-Schmuck, zur Gadget-Verliebtheit jetsettender Business-Leute und damit so entspannend wie eine Runde Wutzeln im Büro oder Ums-Stockerl-Raufen mit dem Hund.

Was Christopher Kane der Mode zurückbringt, ist unvoreingenommene Kindlichkeit, die Lust am Spiel. Dass sich mit weißen, lila, dunkelrosa, hellrosa Swarovski-Steinen so schön spielen lässt, ist da wohl ein Glück. Wahrscheinlich sind die Stücke ohnehin als Spielzeug für Freundin Beth Dito gedacht, der der praktische Aspekt übrigens - keine Überraschung - völlig egal ist. (Bettina Stimeder/Der Standard/rondo/02/11/2007)

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    foto: hersteller
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