Wie die Bawag ihrem Chef die Pension berechnete

30. Oktober 2007, 12:06
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Bawag-Zeugen beleuch­teten Helmut Elsners Pensionsabfindung, die nach erster Berechnung noch viel höher hätte ausfallen können

Bawag-Zeugen beleuchteten Helmut Elsners Pensionsabfindung, die nach erster Berechnung noch viel höher hätte ausfallen können. Und jenen legendären Weltspartag vor zwei Jahren, an dem auch der PSK-Vorstand vom Verlust erfuhr - und trotzdem nichts geschah.

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Wien - Am Montagvormittag, Tag 43 des Bawag-Strafprozesses, standen zwei intime Bawag-Kenner im Zeugenstand - wobei der erste, der Wiener Wirtschaftstreuhänder Gerhard Nidetzky von der Kanzlei TPA, ein besonders haariges Thema beleuchten musste: die Pensionsabfindung für Helmut Elsner.

Elsner hat sich ja im November 2000 rund 6,8 Mio. Euro an kapitalisierter Pension auszahlen lassen (damals stand das Ende der diesbezüglichen Steuerbegünstigung bevor; Ende 2000 waren die Sondergeschäfte mit 1,4 Mrd. Euro völlig in den Sand gesetzt worden), die Anklage wirft ihm vor, die Auszahlung betrügerisch erschlichen zu haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Im Kern ging es um die Frage, warum die Einkünfte des Jahres 2001 (samt Gehaltserhöhung um 1,6 Mio. auf 8,8 Mio. Euro pro Jahr) und nicht das niedrigere Jahresgehalt von 2000 als Berechnungsgrundlage genommen wurde.

Nidetzky konnte das "nicht sagen", er habe Experten für die Berechnung zurate gezogen. Aber: "Die erste Berechnung hat auf Basisgehalt 2000 und Prämie überhaupt 168 Mio. Schilling (zwölf Mio. Euro; Anm.) ergeben"; für die Bank sei die Abfindung Elsners von Vorteil gewesen.

Das Pikante: Der Aufsichtsrat hat die Abfindung (ohne ihre Höhe zu kennen) auf Basis des Jahresgehalts 2000 beschlossen. Ex-Aufsichtsratschef und Angeklagter Günter Weninger: "Es wurde eindeutig etwas anderes durchgeführt als der Aufsichtsrat beschlossen hat", darauf habe er auch den Bankchef hingewiesen. Er sei davon ausgegangen, dass "dieser Fehler korrigiert wird, ich verstehe nicht, wieso das nicht geschah".

Elsner will von den Diskussionen in der ganzen Angelegenheit nichts gewusst haben, "das war die Idee meines Steuerberaters, ich habe mich überhaupt nicht eingemischt". Er konnte daher auch nichts zu den Details der Pensionsansprüche seiner geschiedenen und aktuellen Ehefrau (Ruth) sagen, wobei Elsner auch gleich das Datum seiner jüngsten Hochzeit mitvergessen hat. Warum er das im November 2000 ausbezahlte Geld in seiner Privatstiftung Gambit (in der Nidetzky im Vorstand saß) parkte? Elsner: "Man hat es mir empfohlen", was Nidetzky bestätigte.

An Weninger dürfte das alles spurlos vorbeigegangen sein, er will Elsner noch im Dezember 2000 (beim Auftauchen der Verluste) das Versprechen abgenommen haben, das Geld bis zur wirklichen Pensionierung (im März 2003) "nicht anzurühren".

Schock am Weltspartag

Der zweite Zeuge, der aktive Bawag-Vorstand und Ex-Generalsekretär und Pressesprecher Elsners, Herbert Legradi, ließ den Weltspartag 2005 (28. Oktober; kurz zuvor war der Refco-Kredit geflossen) aufleben - jenen Tag, an dem der gesamte Vorstand (also inklusive Jochen Bottermann, Stephan Koren und Legradi von der PSK) "über eine Mrd. Euro Verlust und ÖGB-Haftung" informiert wurde. Man habe erklärt bekommen, der Verlust sei bereits "verarbeitet". Warum man dann nicht gleich Ewald Nowotny informiert habe (der als neuer Bawag-Chef bald feststand und von Koren im Dezember vom Verlust erfuhr), erklärte Legradi mit dem Restrukturierungsteam, das damals die Arbeit aufgenommen habe. Und warum der Aufsichtsrat erst fünf Monate danach aufgeklärt wurde? Legradi: "Weil es ein Gutachten gab." Das hat er freilich damals nicht gesehen, "aber man hat es uns gesagt". (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.10.2007)

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