Das neue Apple Betriebssystem Mac OS X "Leopard" im Test

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Anders als Vista läuft Leopard auch auf Hardware, die ein paar Jahre am Buckel hat - Helmut Spudich auf Erkundungsreise

Anders als der große Rivale Microsoft, der mit neuen Versionen seines Betriebssystems – von Windows 98 auf XP, von XP auf Vista – seinen Benutzern in großen Zeitabständen jeweils große Schritte zumutet, geht Apple bei Updates für sein Mac OS X seit Jahren einen evolutionären Weg. Die jüngste Version, "Leopard", löst den im April 2005 erschienenen "Tiger" ab, dazwischen gab es zehn "Tigerkinder", laufende Updates – teils um Bugs zu beseitigen, teils mit wesentlichen Verbesserungen.

 

Viele neue Funktionen

Das seit vergangenem Freitag im Handel erhältliche "Leopard" (129 Euro, bei neuen Macs vorinstalliert) bringt viele neue Funktionen, mehr als 300 nach Angaben von Apple. So wie bei Tiger die Einführung der systemweiten Stichwortsuche „Spotlight“ die wahrscheinlich singulär wichtigste Neuerung war, ist dies bei Leopard "Time Machine", die Integration vollautomatischer Datensicherung.

Zeit

Backup ist, vor allem im persönlichen Bereich, eine leidige Angelegenheit. Kaum jemand kümmert sich darum, häufig erst nach dem ersten Datencrash, und dann mit meist patscherten Lösungen wie dem Brennen von wichtigen Dateien und Fotos auf CDs. Time Machine wird aktiv, sobald eine externe Festplatte an den Mac angesteckt wird: Zuerst wird eine komplette Sicherungskopie aller Inhalte (also nicht nur Dateien wie Office-Dokumente, Fotos oder Musik, sondern auch alle Programme und Einstellungen) gemacht, von da an werden Änderungen stündlich gesichert. Im Ernstfall kann die Zeitreise beginnen: Nicht nur bei Totalkatastrophen, sondern auch wenn z. B. das Original eines Fotos durch eine schlechtere Bearbeitung überschrieben oder ein Dokument gelöscht wurde, das eines Tages doch gebraucht wird. Mit Time Machine reist man in seiner Festplattengeschichte bis zu dem Zeitpunkt zurück, als alles noch vorhanden war, und stellt die gewünschten Dateien wieder her.

Windows-Umschalter

Obwohl Windows auf dem Mac seit dem Wechsel zu Intel-Chips auf mehrere Arten problemlos verwendet werden kann, ist jetzt die Möglichkeit des Wechsels zwischen Mac OS X und Windows XP oder Vista "offiziell", mit "Boot Camp" (bisher im Beta-Stadium), eine Art Umschalter. Anders als Virtualisierungsprogramme wie Parallels, mit denen Windows gleichzeitig mit Mac OS X auf einem Mac läuft, vollzieht Boot Camp einen völligen Wechsel:_Der Mac ist entweder ein Mac, oder ein Windows PC, nur durch Neustart kann zwischen den beiden Modi gewechselt werden.

Praktischer

Praktischer erscheint die Verwendung von Parallels oder Fusion (beide Programme liefen mit dem schon vorher installierten Windows nach dem Update problemlos), da damit leicht auf gemeinsame Dateien zugegriffen werden kann, oder Paste und Copy zwischen Windows- und Mac-Programmen möglich ist.

Eine Reihe neuer Features soll den Datenberg übersichtlicher darstellen. Dazu wurde aus iTunes „Cover Flow“ übernommen: Man scrollt durch die Dateien eines Ordners, die als Vorschau angezeigt werden, zum genaueren Hinschauen auch bildschirmfüllend, ohne das dazugehörige Programm starten zu müssen. Ordner im "Dock", der Übersichtsleiste am Bildschirm, zeigen ihren Inhalt als übersichtlichen Stapel ("Stacks") an.

Praktisch

Sehr praktisch für kleine Netzwerke, wie sie zuhause oder in Kleinbetrieben ohne Hilfe eines IT-Spezialisten entstehen, ist die automatische Erkennung von anderen Computern im jeweiligen Netz. Macs ebenso wie Windows-PCs scheinen im_Verzeichnis auf, und berechtigte Benutzer können auf freigegebene Inhalte zugreifen wie auf den eigenen Computer.

Liebe zum Detail

Viele Änderungen stecken in Details: So kann man z. B. die Suchzeile (die an sich zur Stichwort-, Datei- oder Programmsuche dient) als Taschenrechner "missbrauchen", indem man eine Formel wie „4+3*7“ eingibt. Der Webbrowser Safari ermöglicht es jetzt, Clips aus Webseiten auszuschneiden, die dann anstelle der ganzen Seite als „Widget“ angezeigt werden.

Anders als Vista läuft Leopard auch auf Hardware, die ein paar Jahre am Buckel hat

Leopard ließ sich auf unterschiedlichen Testgeräten, auch aus der Vor-Intel-Ära, leicht installieren – aber das ist natürlich keine Garantie, und es gibt Berichte über einzelne Probleme. Anders als Vista läuft Leopard auch auf Hardware, die ein paar Jahre am Buckel hat. Alle vorhandenen Peripheriegeräte funktionierten tadellos weiter, ebenso wie vorhandene Software. Mit einer kleinen, aber lästigen Ausnahme – die an sich exzellenten Novamedia-Software für mobilen Onlinezugang, die Mitte November upgedatet werden soll. (Helmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe, 30. Oktober 2007)

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