Rechnungshof: Mediziner-Auswahl kostet pro Jahr eine Million Euro

29. Oktober 2007, 14:18
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RH präsentiert Bericht über Hochschulzugang an Med-Unis und fordert mehr Infos über Zulassungsverfahren - Mit Bericht zum Download und Grafik

Wien - Die Auswahl der Studenten an den drei Medizinischen Universitäten Wien, Graz und Innsbruck sowie der Veterinärmedizinischen Universität Wien (VUW) mit Hilfe von Aufnahmetests und -verfahren kostet im Jahr rund eine Million Euro. Dies geht aus einem am Montag veröffentlichten Bericht des Rechnungshofs (RH) über die Hochschulzugangsregelungen an den vier Unis mit medizinischen Studienrichtungen hervor.

Kostspielige Eignungstests

Die Medizinische Universität Wien (MUW) beziffert die Kosten für das gemeinsam mit der Medizin-Uni Innsbruck (MUI) durchgeführte Aufnahmeverfahren (Eignungstest für das Medizin-Studium/EMS) im Wintersemester 2006/07 mit rund 300.000 Euro, die MUI mit rund 250.000 Euro. Zusätzlich fielen in Wien etwa 200 zusätzliche Überstunden an, in Innsbruck wurden temporäre Aushilfskräfte eingesetzt, was 15.000 Euro kostete. Die Medizin-Uni Graz Graz, die ein eigenes Aufnahmeverfahren entwickelt hat, beziffert den Aufwand mit rund 300.000 bis 310.000 Euro. Die VUW schätzt ihre Verfahrenskosten mit rund 141.000 Euro ein.

Wenig Wissen über Aufnahmeverfahren

Während die Unis über diese Aufwendungen relativ genau Bescheid zu wissen scheinen, konnte nur die Veterinärmedizinische Uni die Kosten eines Studienplatzes pro Studienjahr beziffern, die drei Medizin-Unis dagegen nicht. Der RH empfiehlt daher den Unis, ihr Rechnungswesen zur Ermittlung der Studienplatzkosten zu verbessern. So könnten zusätzliche Leistungen, die zur Bewältigung des verstärkten Zustroms ausländischer Studienwerber nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) im Jahr 2005 notwendig sind, auch monetär dargestellt werden, meinen die Prüfer.

"Verstärkt informieren"

Der RH empfiehlt den Unis weiters, "über die von Zulassungsverfahren betroffenen Studienangebote und die diesbezüglichen Anforderungen verstärkt zu informieren" sowie "Auswahlkriterien und -prozesse ausreichend zu kommunizieren". Aus Gründen eines effizienten Mitteleinsatzes bei begrenzten Ausbildungsressourcen sollten bei der Auswahl der Studienbewerber "bevorzugt qualitative Gesichtspunkte berücksichtigt" werden, heißt es in dem RH-Bericht.

Zudem moniert der RH, dass bei den Zulassungsverfahren das Allgemeine Verwaltungsverfahrensgesetz (AVG) anzuwenden wäre. Dies sei von der MUI und der VUW für Teile des Auswahlprozesses im Wintersemester 2005/06 nicht eingehalten worden. So wurden etwa an der Veterinärmedizin unvollständige Bewerbungen vom weiteren Verfahren ausgeschlossen.

Deutsche Studienbewerber haben profitiert

Klar festgehalten wird vom RH, wie deutsche Studienbewerber vom EuGH-Urteil vor allem im Bereich Human- und Tiermedizin, aber auch in Psychologie, Biologie und Publizistik, profitiert haben. In diesen Studienrichtungen hätten sich die Nationalitäten-Proportionen der Studienanfänger deutlich verändert. So lag der Zulassungsanteil Deutscher in diesen Studienrichtungen in den Jahren vor dem EuGH-Urteil zwischen drei und sechs Prozent, stieg jedoch im Wintersemester 2005/06 auf einen Anteil von 22 bis 50 Prozent. Besonders krass etwa das Beispiel der Psychologie an der Uni Salzburg: Kamen dort 2004/05 nur sieben Prozent der Studienanfänger (insgesamt 258) aus Deutschland und 88 Prozent aus Österreich, waren es 2006/07 (215 Studienanfänger) 56 Prozent aus Deutschland und nur mehr 39 Prozent aus Österreich. Der Anteil von Studenten aus anderen Staaten blieb mit fünf Prozent gleich. (APA)

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    Die Aufnahmeverfahren an den medizinischen Universitäten kosten jährlich eine Million Euro. Der Rechnungshof empfehlt "Auswahlkriterien und -prozesse ausreichend" zu kommunizieren.

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  • Bericht des Rechnungshofes

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