Kirchner wird erste Präsidentin Argentiniens

29. Oktober 2007, 18:29
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Derzeitige First Lady ließ bei Wahlen Konkurrenz weit hinter sich - Christsoziale Gegenkandidatin Carrió gesteht Niederlage ein

Buenos Aires - Nach Auszählung von 75 Prozent der Stimmen ist der Sieg von Argentiniens First Lady Cristina Fernández Kirchner bei der Präsidentenwahl sicher. Demnach entfielen auf Kirchner rund 43,6 Prozent der Stimmen, auf ihre aussichtsreichste Gegenkandidatin, die Christsoziale Elisa Carrió, dagegen nur rund 23,1 Prozent, wie aus den am Montag veröffentlichten Zahlen hervorgeht. Kirchner siegte damit schon in der ersten Runde und dürfte ihren Mann Nestór Kirchner im Dezember im Amt ablösen. Carrió gestand ihre Niederlage ein.

Die 54-Jährige erklärte sich nach Bekanntgabe der ersten Teilergebnisse zur Wahlsiegerin und ließ sich an der Seite ihres Mannes von ihren AnhängerInnen feiern. "Wir haben mit großem Abstand gewonnen", sagte Kirchner in einer am Sonntagabend (Ortszeit) vom Fernsehen übertragenen Rede vor ihren Anhängern in Buenos Aires. Sie küsste ihren neben ihr auf der Bühne stehenden Ehemann und verwies auf dessen Erfolge beim Kampf gegen die Folgen der Wirtschaftskrise von 2001. "Wir sind seitdem einen langen Weg gegangen", sagte sie. "Wir haben das Land neu aufgestellt, Armut und Arbeitslosigkeit bekämpft, all die Tragödien, die Argentinien getroffen haben."

Klare Favoritin

Kirchner war als klare Favoritin ins Rennen gegangen. Wie in den Umfragen vorhergesagt, ließ sie ihre 13 MitbewerberInnen weit hinter sich. Auf dem zweiten Platz landete den Teilergebnissen zufolge die frühere christlich-liberale Abgeordnete Elisa Carrio mit rund 20,2 Prozent, gefolgt vom ehemaligen Wirtschaftsminister Roberto Lavagna mit rund 19,6 Prozent.

Unmittelbar nach der Schließung der Wahllokale hatten Nachwahlbefragungen Kirchner die Aussicht auf 46 Prozent der Stimmen gegeben. Für einen Sieg gleich im ersten Durchgang sind nach dem argentinischen Wahlrecht mehr als 45 Prozent der Stimmen nötig. Der zweite Wahlgang entfällt auch, wenn der Erstplatzierte zwischen 40 und 45 Prozent der Stimmen erhält und damit um mindestens zehn Prozentpunkte vor dem Nächstplatzierten liegt. Die Wahlsiegerin löst ihren Ehemann Nestór Kirchner am 10. Dezember im Amt ab.

Politik ihres Mannes

Im Wahlkampf hatte Kirchner mehr auf die Politik ihres Mannes verwiesen als auf eigene Verdienste während ihrer inzwischen 20-jährigen politischen Laufbahn. Der 57-jährige Präsident genießt ein hohes Ansehen in Argentinien. Die Bevölkerung rechnet ihm hoch an, nach dem wirtschaftlichen Kollaps von 2001 den Aufschwung gebracht zu haben. Seit seinem Amtsantritt 2003 verzeichnete das argentinische Bruttoinlandsprodukt eine Steigerung um 45 Prozent, und die Arbeitslosenrate konnte amtlichen Angaben zufolge von einst 20 Prozent unter die Zehn-Prozent-Marke gedrückt werden.

Kirchner ist die erste Frau, die in Argentinien ins Präsidentenamt gewählt wird. Isabel Martínez, die dritte Frau des früheren Präsidenten Juan Peron, war 1974 nach dem Tod ihres Mannes als Staatschefin eingesetzt worden. Die Rechtsanwältin Kirchner wird oft mit der ehemaligen First Lady der USA, Hillary Clinton, verglichen, die ebenfalls das Präsidentenamt anstrebt. (APA/dpa/red)

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    Cristina Kirchner folgt ihrem Mann Nestor im Präsidentenamt
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