Vista-Verkäufe: Der "Wow"-Effekt blieb aus

7. Jänner 2008, 14:23
47 Postings

Microsoft hat zwar bereits 88 Millionen Kopien der neuen Windows-Version verkauft - Aber: Die selbst gesetzten Ziele hat man klar verfehlt

Wie man die Absatzzahlen von Windows Vista interpretiert, ist vor allem eine Frage des Standpunkts - und eine, die regelmäßig leidenschaftlich diskutiert wird. Während so manche KritikerInnen einen regelrecht Flop ausgemacht haben wollen, zeigt man sich bei Microsoft demonstrativ zufrieden.

Zahlen

Das Online-Magazin CNET hat sich die Zahlen etwas genauer angesehen, und kommt dabei zu einem recht diversen Bild: Fakt ist, dass Microsoft seit dem Verkaufsstart von Windows Vista bereits 88 Millionen Kopien seines neuen Betriebssystems verkauft hat. Fakt ist aber auch, dass man sich ursprünglich doch deutlich mehr erwartet hatte - ein Voraussage, die allerdings damals schon von AnalystInnen als unrealistisch eingeschätzt wurde.

Zuwachs

Microsoft verweist, auf dieses Thema angesprochen, stets auf die aktuellen Quartalszahlen, immerhin würden diese im vergangenen Quartal im Jahresvergleich einen 25-prozentigen Zuwachs bei den Windows-Umsätzen zeigen. Das ist zwar richtig, allerdings ist es nichts weitere Ungewöhnliches, dass in der Zeit vor einem neuen Betriebssystemlaunch - wie vor einem Jahr - weniger Lizenzen verkauft werden als danach. Auch resultiert ein Teil des Umsatzplus daraus, dass viele KundInnen nun die - teure - Ultimate-Version von Windows Vista kaufen würden.

Stagnation

Eine Zunahme der Absätze ist derzeit auch noch nicht zu bemerken, ganz im Gegenteil: Während man im letzten Quartal monatlich rund 9,3 Millionen Lizenzen pro Monat verkauft hat, waren es im Quartal davor noch mehr als 10 Millionen gewesen.

Mitverkaufen

Freilich ist sowas auch von saisonalen Schwankungen abhängig, ein großer Boom ist aber definitiv noch nicht zu erkennen. Das liegt allerdings weniger am Consumer-Markt - wo man den großen Teil der Lizenzverkäufe ohnehin "Huckepack" mit den Absätzen von neuen PCs einspielt - sondern an der abwartenden Haltung von Unternehmen gegenüber Windows Vista.

Unternehmen

Zwar verweist Microsoft darauf, dass gerade erst einige wichtige Unternehmen ihre Verträge mit Microsoft verlängert haben, trotzdem geht IDC davon aus, dass derzeit im Unternehmensumfeld frisch gekaufte Rechner sofort wieder auf Windows XP "downgegradet" werden. Das ist zwar an sich nichts Ungewöhnliches bei einem frischen Betriebssystem, aus den von Microsoft ursprünglich erhofften Zuwachsraten wird so allerdings nichts werden.

Verkauf

So hatte man ursprünglich prognostiziert, dass sich Vista innerhalb des ersten Jahres im Business-Umfeld doppelt so schnell wie sein Vorgänger verkaufen wird, nun muss man sich mit Zahlen zufrieden geben, die eine ähnliche Verbreitungsgeschwindigkeit wie Windows XP erwarten lassen. Einen anregenden Effekt auf die Verkäufe könnte allerdings das erste Service Pack für Vista haben, das für Anfang nächsten Jahres angekündigt ist.

Consumer

Doch auch im Consumer-Bereich verläuft nicht alles so, wie man es gerne haben würde: Immerhin sind einige Hersteller aufgrund von KundInnen-Feedback zurückgerudert und bieten alternativ zu Vista auch wieder XP an. Ein Realität, die auch Microsoft anerkennen muss: Wollte man ursprünglich den PC-Herstellern ab Jänner 2008 die Auslieferung von Rechnern mit Windows XP untersagen, hat man diesen Stichtag nun auf Ende Juni verschoben.

XP

Trotzdem ist das Beharren auf Windows XP zwar ein in Online-Foren heiß diskutiertes Thema, aber keines das auf den breiten Markt große Auswirkungen hat: Laut Zahlen von Current Analysis werden bereits 95 Prozent aller Desktop-Rechner mit Windows Vista ausgeliefert. Die meisten BenutzerInnen scheinen sich also mit der neuen Betriebssystemversion abzufinden. Und selbst wenn dann doch das eine oder andere Downgrade auf XP erfolgt: Die Vista-Lizenz hat Microsoft ja trotzdem bezahlt bekommen.

Ausblick

Für die Zukunft bleiben die Analysten eher vorsichtig: Es wird zwar eine gute aber keine großartige Weihnachtssaison bei den PC-Absätzen - und damit auch für Windows Vista - erwartet. Zumindest ist klar, dass Vista sich nicht als der erhoffte Treiber für die Ankurbelung von Hardware-Absätzen herausgestellt hat.

Apple

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor für das Microsoft-Geschäft stellt die wieder erwachte Konkurrenz dar: Apple steht so gut wie schon lange nicht mehr da. Das Geschäft mit Mac-Rechnern - und damit auch von der Windows-Konkurrenz Mac OS X - wächst weit über dem Marktdurchschnitt. (red)

  • Artikelbild
Share if you care.