Jean Ziegler: Biodiesel ist "Verbrechen gegen Menschheit"

Redaktion, 19. November 2007 15:30

UN-Experte: Preise von Grundnahrungsmitteln, Land und Wasser gingen vor allem in Entwicklungsländern zu sehr nach oben

New York - Als "Verbrechen gegen die Menschheit" hat ein UN- Experte die Produktion von Biokraftstoffen kritisiert. Der verstärkte Anbau von Mais, Weizen und Zucker zur Herstellung des umweltfreundlichen Kraftstoffs treibe die Preise von Grundnahrungsmitteln, Land und Wasser nach oben, sagte der Schweizer Jean Ziegler, Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, am Freitag (Ortszeit) in New York. Er forderte einen Stopp der weltweiten Produktion von Biokraftstoffen für mindestens fünf Jahre.

Alleine die Preise für Weizen habe sich innerhalb eines Jahres verdoppelt. Wenn der Trend anhalte, könnte die armen Länder nicht mehr genug Nahrung für ihre Bevölkerung importieren, sagte er. "Es ist ein Verbrechen gegen die Menschheit, auf einem landwirtschaftlich ertragreichen Boden Nahrung zu produzieren, die dann für Biokraftstoffe verbrannt wird", sagte Ziegler.

800 Millionen hungern

Bereits heute litten über 800 Millionen Menschen auf der Welt an Hunger. Dabei seien genug Nahrungsmittel vorhanden, um die Weltbevölkerung zu ernähren. "Alle Gründe für Hunger sind von Menschen verursacht. Es ist ein Problem des Zugangs und nicht von Überbevölkerung oder zu geringer Produktion und kann durch menschliche Entscheidung verändert werden", so Ziegler, der Hauptprotagonist in dem erfolgreichen Dokumentarfilm "We Feed the World" des österreichischen Filmemachers Erwin Wagenhofer war. In dem Streifen ließ Ziegler mit der Aussage aufhorchen "Ein Kind, das an Hunger heute stirbt, wird ermordet!" (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 68
1 2
Frank Mayr
30.10.2007 10:24
Ziegler spinnt

800 Mill. hungern NOCH: es werden absolut und relativ immer weniger! Seit Indien (1995) und China (1979) dem Sozialismus abgeschworen haben, gehts bergauf. Und natürlich wollen die auch so cool leben wie wir. Und die Energiebilanz ist nicht schlecht!

Chris Quast
01.11.2007 19:27

Das mit dem absolut, würde ich leider gar nicht mal unterschreiben.

Relativ stimmts natürlich. Man könnte jetzt zynisch sein und sagen, ja müss(t)en die sich so vermehren. (Man ernährt in einem Entwicklungsland halt leichter 100 Mio wie 150 Mio)

Das wird sie und andere in diesem Zusammenhang vielleicht interessieren.

http://www.fao.org/es/ess/fa... sh_map.htm


Speziell die großen Brocken (China, Indien, aber auch viele Teile Afrikas) trugen massiv dazu bei, dass die Anzahl der Hungernden abnahm.

Fußballgott Acimovic
28.10.2007 18:29
Was mich beim Biodiesel schon länger interressiert

sind Nebenwirkungen (Monokultur, Dünger)
sprich wie ist die _wahre_ Energiebilanz.

(Bitte erspart euch pseudoideologische Postings)

peace & love
02.11.2007 11:30
gutgemeinte schätzungen ...

... gehen von ~1:2 aus. windkraft liegt bei ~1:14, also wesentlich besser.

Werner Beilner
 
01.11.2007 22:58
Energiebilanz

Die Energiebilanz ist unterm Strich negativ. Was man sich auf der einen Seite spart, verliert man auf der anderen Seite wieder (Abholzung der Regenwäler an erster Stelle zu nennen). Die UNO warnt bereits vor neuen Hungersnöten, da die Produktion für diesen Treibstoff die Preise für Getreide in die Höhe treibt.
Wem's näher interessiert:
http://orf.at/071029-18... index.html

Majakowski
01.11.2007 16:16
So genau weiß das niemand

Aber in allen Szenarien bisher sieht die Energiebilanz eher schlecht aus, dzt. noch muß man mehr Energie investieren als man heraus bekommt.
Was sich aber durchaus ändern kann, wenn der Prozess einmal besser beherrscht wird.
Trotzdem bleibt ein riesiges Problem - jene Länder die genug Argarfläche haben um Biodiesel anzubauen, sind nicht die reichsten, dort verhungern jetzt schon viele Menschen, wenn jetzt Nahrungsmittel angebaut werden um den Fleischkonsum und Transportkonsum der Industrieländer zu ermöglichen - dann wird das ganze eher zum moralischen als zum technischen Problem.
Wenn einem die Menschenleben egal sind, kann man recht gut mit der Aussicht auf Biodiesel leben.

holodoc himself
 
28.10.2007 18:25
Ich denke ...

... es würde reichen den Export von Biodiesel (und Rohstoffen) aus Ländern in denen Menschen hungern zu verbieten.

WTO und EU verursachen derzeit Hungersnöte!

luke skywalker
28.10.2007 18:59
Ja das wäre ein echt guter Ansatz

konsequenterweise müsste man das auf Produkte wie Kaffee, Soja, Bananen, .... ausdehnen.

August Hoffmann
30.10.2007 12:19

Unsinn!

Stattdessen sollten für diese Güter faire Preise gezahlt werden. Möglichkeiten, das zu erreichen, gibts viele von freiwillig bis erzwungen.

luke skywalker
30.10.2007 15:36
Die Preise aller Agrarprodukte steigen -


ist doch super für die Bauern in der 3.Welt - sollte man meinen. Ist aber manchen auch wieder nicht recht.

Also was nun ????

iamdaiam
02.11.2007 09:11

dann müsste man sich auch die frage stellen wer am preisanstieg wirklich verdient. die bauern in der 3.welt sind in den meisten fällen lohnarbeiter und haben weder einfluss auf was produziert, wie produziert und an wen verkauft wird. wenn sie sich zb. satellitenbilder der neueren anbauflächen anschauen erkennen sie relativ leicht, dass hier nicht von einheimischen bauern gerodet und produziert wird sondern mit einsatz von viel kapital und schwerem gerät.

luke skywalker
02.11.2007 11:58
Sorry

aber bei uns Biosprit verteufeln und den preisanstieg nur weil ein paar Entwicklungsländer Strukturprobleme haben ist sowas von Krotesk ....
Das Problem sind die Strukturprobleme in diesen Ländern - setzten Sie sich für deren Behebung ein wenn Sie die Welt verbessern wollen - und nicht für den Feldzug gegen Biosprit.

my PC
28.10.2007 18:12
-----interessante ÜBerschrift!

Wenn man das weiter denkt, was Herr Ziegler da so gesagt hat: was ist dann unser Umweltminister, der durchgesetzt hat, dass Österreich freiwillig den Biospritanteil bereits bis 2010 in eine Höhe steigert, wie es von der EU gar nicht verlangt wird? Wer legt solche Menschen endlich ihr Handwerk? Oder gilt da der altbewährte ÖVP Spruch: Hände falten , G.....n halten? Hoffentlich rudert hier endlich einmal einer bei diesem Öko-Wahn zurück - sonst haben wir vor lauter Öko-Enerieerzeugung bald nichts von der Massen der Menschen leistbares zu essen auf der Welt!

holodoc himself
 
28.10.2007 18:29
Die EU hat offiziell beschlossen ...

... die Rohstoffe für die Biospritproduktion aus Entwicklungsländern zu importieren.

So treibt man nicht nur die Lebensmittelpreise in die Höhe, sondern fördert auch korrupte Großgrundbesitzer.

Hans Müller1
 
29.10.2007 08:08
..noch dazu verschlechtert sich die "CO2-Bilanz"

enorm wenn die Treibstoffe nicht lokal produziert werden

allercHristLichSt.
28.10.2007 18:22
Bravissimo, Jean Ziegler!!!

Andreas N
28.10.2007 14:58
Nicht die Überbevölkerung ist schuld....

... LOOOL und sowas nennt sich Experte ?
Bangladesh : 144 T km2 , 147 Mio Einwohner !

Afrika ist in 30 Jahren von 300 Mio auf 850 Mio Einwohner gewachsen.

Diese Länder sollen verdammt nochmal selbst Verantwortung übernehmen , die Herumhackerei am Westen geht mir schon am Keks !!

maxfax
28.10.2007 15:24
Wollen sie jetzt die Opfer zu den Tätern machen?

...Spaßvogel Sie...

Andreas N
28.10.2007 15:37
Die Opfer ...

.... sind die Täter, denn sich Vermehren wie die Heuschrecken und dann Hungern ist nicht die Verantwortung des Westens....

holodoc himself
 
28.10.2007 18:36
Unglaublich Ihre Menschenverachtung!

Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, dass in Ländern ohne Sozialsystem Nachkommen zur Versorgung im Alter notwendig sind?

Wenn "der Westen" keine Verantwortung übernehmen will, soll er auf Rohstoffe aus der 3. Welt verzichten!

Andreas N
28.10.2007 18:40
na klar...

... Frau muß 10 Kinder zur Welt setzen , weil eh 5 verhungern. Das ist sicherlich keine Menschenverachtung und schuld sind eh immer die anderen

torch
 
01.11.2007 19:35

Es ist das natürliche Regulativ, welches erst durch die Mechanisierung in den entwickelten Ländern aus der Welt geschafft wurde.
Brachflächen mit Energiepflanzen zu nutzen bietet der Landwirtschaft eine vitale Chance und hilft auch die Unterpreise für viele Agrarprodukte zu beseitigen und endlichzu gerechten Preisen für die Produzenten zu gelangen.

aaronthebaron
28.10.2007 13:09
als erstes wäre es mal an den Zeit...

... das irreführede Wort zu ändern: es sind AGRO-Treibstoffe, nicht BIO-Treibstoffe, denn BIO wird von vielen Menschen mit biologischem Landbau, Bio-Lebensmitteln assoziiert.

Analytische Chemie
28.10.2007 15:18
Nun, die Ignoranz ...

... unserer Mitmenschen kann wohl kein Grund sein, Begriffe zu ändern. Das wäre ein Fass ohne Boden.

BIOmoleküle wie Zucker oder Lipide kommen nicht nur in Früchten biologischen Landbaus vor, sollen wir sie etwa in ... hm .... "hauptsächlich-Kohlenstoff-Moleküle
-in-Tieren-und-Pflanzen" umbennen?

BIOchemie wird dann zu Lebewesenchemie, BIOinformatik nennen wir "elektronische-Datenverarbeitung-
biowissenschaftlicher-Daten", ...

Also, wer meint dass die Vorsilbe BIO irgendwie Gesundheit und Naturnähe impliziert, ist schlicht und ergreifend ein Gaskopf - das stimmt nämlich nicht einmal bei den sog. Biolebensmitteln, oft ganz im Gegenteil - und soll uns nicht kümmern.

Mowgly@Home
28.10.2007 12:00
100% Zustimmung

Die ganze CO2 Hysterie und die scheinbar so tolle Biosprit-Aktionismus ist nichts anderes als ein neues Geschäftsmodell um noch mehr Geld zu machen.
Biospritproduktion ist eine Katasrophe für die ganze Welt aber sicher keine alternative Energiequelle.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 68
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.