Ein frühes Meisterwerk von Schnitzler

26. Oktober 2007, 20:28
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Es war diese Novelle, die der Mediziner und Schriftsteller Arthur Schnitzler im Jahr 1892 als Dreißigjähriger schrieb und die wenig später zu seinem ersten großen literarischen Erfolg wurde

Sterben ist eine kühl-distanzierte psychologische Studie über ein junges Paar, das sich von einem Moment auf den anderen plötzlich mit der Realität des Sterben-Müssens konfrontiert sieht. Erst will die von romantischem Überschwang beseelte Marie ("Miez") dem tuberkulosekranken Felix, welcher nur noch ein Jahr zu leben hat, in den Tod folgen. Doch dieser Vorsatz zersetzt sich in der Wirklichkeit dann ebenso wie die aufeinander folgenden Rationalisierungs- und Erklärungsversuche, mit denen der Moribunde das Unbeherrschbare zu bewältigen versucht.

Auch die Beziehung der beiden erweist sich schließlich als nicht stark genug, um den überwältigenden Einbruch des Bewußtseins um den herannahenden Tod zu ertragen. Die 1944 in Wien geborene, in Hamburg lebende Schauspielerin Monica Bleibtreu hat Schnitzlers frühe Novelle jetzt für den "Hörbuch Hamburg Verlag" gelesen (4 CDs, Gesamtspielzeit 261 Minuten, € 24, 95). Bleibtreu, die heuer beim Deutschen Hörbuchpreis in der Kategorie "Beste Interpretin" für ihre Lesung von Andrea Maria Schenkels Kriminalroman Tannöd ausgezeichnet wurde, sah sich einem herausfordernden Text gegenüber, den sie mit großer Intensität und einem gelegentlichen Schuß trockener Ironie interpretiert. Schnitzler - er stand der Novelle in seinen späteren Lebensjahren mit Skepsis gegenüber und bezeichnete sie "als zu Unrecht berühmt" -, erspart dem Leser keine einzige grausame Schwankung in der Auseinandersetzung des Kranken mit seiner Geliebten, und auch keinen Aspekt von Felixens Agonie: "Ich nehme dich mit, ich will nicht allein weg. Ich liebe dich und laß dich nicht da!". (win, ALBUM/DER STANDARD/Printausgabe, 27./28.10.2007)

4 CDs, Gesamtspielzeit 261 Minuten, € 24, 95
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