Der Mythos vom Vielherumgetriebenen

27. Oktober 2007, 09:19
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"navigare necesse est, vivere non est necesse", soll der römische Feldherr Pompeius 56 Jahre vor unserer Zeitrechnung gesagt haben

Zu Deutsch: "Seefahren ist nötig, Leben ist nicht nötig." Und in der Tat erzählen viele Epen von kühnen Meeresdurchquerungen, Schiffbruch, Rettung und schäumender Gischt. In Tausendundeiner Nacht ist das so, im portugiesischen Nationalepos von den Lusiaden, in Moby Dick auch. Die berühmteste, nachhaltigste Seefahrergeschichte ist aber Homers Odyssee, "ein Text ohne Ende für den Denkenden", wie Nietzsche einmal meinte. Die 2600 Jahre alte Geschichte um Odysseus, den Erfindungs- reichen, den Vielherumgetrie- benen, den man auch den Vielfältigen (Handke) nennen könnte, ist nicht nur durch die Sirenen, Sisyphos und das Trojanische Pferd in unsere Alltagssprache eingegangen, die Odyssee berührt durch ihren Bilderreichtum auch tiefere, archaischere Schichten des Seins. Es geht um das Leben des Menschen und sein Schicksal in der Welt. Einerseits ist dieser Odysseus ein Macher, andererseits ein Ausgesetzter, ein - trotz Gefährten - einsamer Held.

Allerdings mit göttlichem Beistand, in Athene hat er eine leidenschaftliche Fürsprecherin im Olymp und auf Erden. Auf dem Meer allerdings kann sie ihm nicht helfen, denn dort trachtet ihm, seit Odysseus den Zyklopen Polyphem geblendet hat, Poseidon nach dem Leben. Zurückkehren wird der Held, wie wir wissen, trotzdem, doch das Ithaka, das er wiederfindet, ist nicht mehr dasselbe. Ungewöhnlich schön ist nun eine gerade im Manesse Verlag erschienene Neuausgabe der Odyssee, die im Verlagsprospekt als "Prachtband" angekündigt wird. Völlig zurecht, denn das großformatige Buch ist nicht nur durch die 16 Illustrationen von Anton Christian wunderschön geworden. Fließend und überaus gut lesbar ist auch Kurt Steinmanns hexametrische Neuübersetzung. Ergänzt werden die 24 Gesänge durch einen umfangreichen Anhang, ein Namensregister, Anmerkungen zur Übersetzung und ein Nachwort. (steg, ALBUM/DER STANDARD/Printausgabe, 27./28.10.2007)

  • Billig ist das Ganze nicht. Das Gute aber: bis zum 31. Dezember gilt noch der Subskriptionspreis von € 71,90 (Ladenpreis ab 1. Januar 2008: € 92,50). Muss man haben!
    foto: m. cremer

    Billig ist das Ganze nicht. Das Gute aber: bis zum 31. Dezember gilt noch der Subskriptionspreis von € 71,90 (Ladenpreis ab 1. Januar 2008: € 92,50). Muss man haben!

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