Jägerstätter vor 5.000 Gläubigen in Linz seliggesprochen

Redaktion, 30. Oktober 2007 23:03
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60 Familienmitglieder und 27 Bischöfe nahmen an Feier im Linzer Mariendom teil - Papst: "Leben hingegeben in hochherziger Selbstverleugnung"

Linz - Der von den Nazis hingerichtete Widerstandskämpfer Franz Jägerstätter ist am Nationalfeiertag in Linz seliggesprochen worden. An die 60 Familienmitglieder, 27 Bischöfe und Kardinäle aus dem In- und Ausland sowie Personen des öffentlichen Lebens feierten mit rund 5.000 Gläubigen im Mariendom. Jägerstätters 94-jährige Witwe Franziska nahm, in rot und damit in der Farbe des Martyriums gekleidet, sichtlich ergriffen an der Seligsprechung teil. "Ich freue mich ganz besonders, heute einen verheirateten Laien und Familienvater in das Verzeichnis der Seligen einschreiben zu dürfen", betonte Kardinal Jose Saraiva Martins, der Präfekt der vatikanischen Heiligsprechungskongregation.

Der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer, der den Seligsprechungsprozess für die Diözese Linz betreut hat, und der Linzer Altbischof Maximilian Aichern baten den Kardinal am Beginn der Feier um die Seligsprechung. Der Gesandte von Benedikt XVI. verlas daraufhin das päpstliche Schreiben, mit dem Jägerstätter in das Buch der Seligen eingetragen wurde. "Er hat sein Leben hingegeben in hochherziger Selbstverleugnung, mit aufrichtigem Gewissen in Treue zum Evangelium und für die Würde der menschlichen Person", heißt es darin.

"Jägerstätter-Lied"

Franziska Jägerstätter begleitete im Anschluss den Reliquienschrein, in dem sich auch ein Autograph des berühmten Traums des Seligen befindet: Wie er berichtete, sei er im Schlaf vor den Schrecknissen der Nationalsozialisten gewarnt worden. Die Gläubigen sangen währenddessen das "Jägerstätter-Lied". Ein überdimensionales Bild des Seligen wurde im Altarraum enthüllt.

"Alles steht für Franz Jägerstätter unter der Maxime der Liebe zu Gott", betonte der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz in seiner Predigt. Nicht Kerker, nicht Fesseln, auch nicht der Tod seien imstande, einen von dieser Liebe zu trennen, zitierte er aus dem Paulusbrief. Als Jägerstätter diesen Satz niederschrieb, seien ihm tatsächlich die Hände gefesselt gewesen und der gewaltsame Tod vor Augen gestanden, berichtete Schwarz. Der Selige habe aber darauf vertraut, dass "Gott ihn auch in seiner letzten Stunde nicht verlassen wird". Wacher Sinn, kritische Unterscheidung, klare Entscheidung und Standfestigkeit seien gefragt und hätten Jägerstätter geleitet, betonte der Bischof.

Jägerstätter-Oper

Am Abend wird im Alten Dom von Linz eine Jägerstätter-Oper aufgeführt. Im Ursulinenhof, wo der Widerstandskämpfer einst inhaftiert war, ist noch bis 4. November eine Dokumentationsschau über ihn zu sehen. In der Pfarrkirche von St. Radegund, dem Geburtsort Jägerstätters, findet am Sonntag eine Eucharistiefeier statt. Des Seligen gedacht wird künftig am 21. Mai, seinem Tauftag.

Der Bauer und Mesner Franz Jägerstätter, am 20. Mai 1907 im Innviertel geboren, gilt als eine der bekanntesten österreichischen Symbolfiguren des Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Der Vater von vier Kindern weigerte sich, dem "Führer" den bedingungslosen Fahneneid zu schwören und bezahlte diesen Mut mit seinem Leben: Zwei Jahre vor Kriegsende wurde der "Wehrkraftzersetzer" exekutiert. Juristisch rehabilitiert wurde Jägerstätter erst in den 90er Jahren, vor zwei Jahren folgte die Anerkennung durch den Vatikan. (APA)

Kommentar posten
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anatoly
28.10.2007 12:17

Heute gibt es noch eine Seligsprechung: 498 (!) "Glaubenszeugen aus der Zeit des Spanischen Bürgerkriegs" werden selig gesprochen. (http://www.kath.net/detail.ph... ?id=18070) Wieviele stramme Franco-Anhänger werden wohl darunter sein? Das keine human handelnden Kommunisten oder Anarchisten dabei sein werden ist klar, da ja das einzige was zählt der Glaube ist und nach dem Willen der Kirche nur Gläubige (am ehesten natürlich Katholiken) moralisch "gut" handeln können. Das Signal ist ja wohl eindeutig. Zumal die Seligsprechung in Rom erfolgt und die größte bisherige sein soll.

anatoly
28.10.2007 12:20

Hatte übersehen, dass es dazu hier auch einen Artikel gibt.

Apollyon
28.10.2007 01:13
Ich freu mich für Jägerstätter ...

... und alle anderen, deren Haltung während der NS-Zeit nun endlich - viel zu spät - honoriert wird! Anscheinend ist man nun in der Kirche auch draufgekommen, dass man sich mit den falschen Leuten (Hitler u. Co.) eingelassen hat und die eigenen Schäfchen im Stich gelassen hat! Siehe folgende Links: http://www.sonntagsblatt-bayern.de/img03/200... 01_02.jpg; http://www.rhein-sieg-gymnasium.de/archiv/20... p10-3.jpg; http://www.stattfuehrer.de/images/bo... bbels.jpg; http://projects.brg-schoren.ac.at/nationals... drisg.jpg; http://www.judentum-projekt.de/images/va... 1_200.jpg; Und wem die Bilder nicht reichen, der kann sich ja mal mit Lektüre eindecken wie ZB das Buch "Grüß Gott und Heil Hitler"

catfish eyes
27.10.2007 20:09
An den Standard

Nachdem ich nirgends eine Kontaktadresse finde, bitte ich Sie, mein Anliegen auf diesem Wege entgegenzunehmen:

Ich kann es mit meinem Gewissen nicht mehr vereinbaren, beim Standard registriert zu sein und bitte Sie höflichst um die Streichung meiner Daten aus Ihrem Register und die Einstellung der Zusendung Ihrer wöchentlichen Mails. Herzlichen Dank im voraus!

Es ist entsetzlich mitzuerleben, wie eine Zeitung, die sich offen und sozial gibt, hintenrum nach besten Kräften Faschismus, Umweltzerstörung und v.a. das internationale Kapital schützt. Sie sind m.M.n. ein größerer Schaden für Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit als die Krone.

catfish eyes
27.10.2007 19:24
Hallo Standard!

Sind Sie sicher, dass mein Posting zur Verteidigung von Jägerstätters Verhalten in Ihrer Zeitung nicht erwünscht ist?

Mc Gregger
27.10.2007 13:09
Verneigen

Die Grösse dieses einen Mannes ist einfach überwältigend. Er folgte konsequent seinem Gewissen und hat das Christsein kompromisslos ernstgenommen.

Die Haltung der Republik aber auch der Kirche nach dem Krieg, gewährt Einblicke in ein Jammertal voller Heuchelei, Falschheit, Feigheit, Opportunismus, Duckmäusertum und Niedertracht, und deckt auf,wie schwer bis unmöglich der Umgang mit kopromisslosen Christen für viele ist.

Berührend, dass seine Gattin als hochbetagte Frau diese Ehrung und Seligsprechung nach den unglaublichen Demütigungen erleben durfte.









R E
27.10.2007 22:30
Hab die Übertragung

auch gesehen, größten Respekt dieser Frau. Und die hatte in Ihrem Leben sehr viel zu kämpfen. Gegen Vorurteile und der Ignoranz vieler Ihrer Mitmenschen.

Hoffe das Sie mit Ihren 94 Jahren noch sehr viel Freude am Leben hat, und diese noch lange geniesen kann....Schöne Grüße R.E.

catfish eyes
27.10.2007 19:45
Jägerstätter heute

würde sich vielleicht aus der Wirtschaft ausklinken, könnte es nicht ertragen, dass die Gesellschaft seines Landes den Ärmsten buchstäblich das Essen wegfrisst, bis zur Herzverfettung, könnte nicht mehr mitspielen im Theater der Freiheit für wenige und des Terrors für die Masse, wäre sich zu schade für seine Beteiligung an der Selbstgefälligkeit der globalen Oberschicht, die Teilen als Bestohlenwerden betrachtet und Verhungernde als Gefahr.

(Und er würde wohl auch darauf verzichten, in Zeitungen zu posten, die Kritik an diesem System wegzensieren.)

sociovation
27.10.2007 10:55
Man muss sich das so vorstellen

Während ein Kriegsdienstverweigerer im Linzer Dom selig gesprochen wird, schreitet ein Wien ein ehemaliger Zivildienst die Ehrengarde des Bundesheers ab und lässt Kinder auf Panzern spielen.
Kommentar überflüssig.

Prof. Alois
 
30.10.2007 17:49
Stimmt ja nicht

Jägerstätter hat ausdrücklich den Dienst für Nazideutschland abgelehnt. K eineswegs den Kriegsdienst insgesamt.

R E
27.10.2007 22:34
Obwohl es da

ein paar Rote gibt. Ihr Beitrag ist ja korrekt, aber vielleicht in einem anderen Forum ;-)) Aber ansonsten mag ich Ihre Postings gerne. Schönen Sonntag samt Zeitumstellung;-(

christine sturm
27.10.2007 11:38
Sie haben recht...

Ihr kommentar ist überflüssig

jacques05
27.10.2007 10:28
kann es sein,...

daß es im standard austro faschistische zensur gibt?

catfish eyes
27.10.2007 19:27

ja, es gibt starke Ansätze dazu

Herbert Wippel1
 
27.10.2007 05:57

Franz Jaegerstaetter ist fuer seine menschliche Einstellung ermordet worden und erwar auch kein deserteur, desertieren kann man nur aus der eigenen Armee, nicht aus der Armee eines fremden Landes. Er war Oesterreicher und nicht Deutscher, keiner in der Wehrmacht ist fuer sein Vaterland gefallen, auch wenn das auf so vielen Kriegerdenkmaelern steht. Die Soldaten sind schlichtweg von einem menschenverachteten Regime verheizt worden, gegn das sich leider nur wenige gewehrt haben.

zinn glaeckl
26.10.2007 23:27
Da wird aber der Lochner sehr böse sein

und Schönborn hat Verständnis für seinen Ärger. Jedenfalls hat sich der Erzbischof bis dato dazu nicht gegenteilig geäussert.

Jetzt wird sich der Lochner erst recht seinen Frust bei den gesichtsaufgeschlitzten Teppen von der Seele reden.

50plus
 
26.10.2007 21:12
Jägerstätter und die kath. Kirche

Was Jägerstätter unter den damaligen Umsänden aus Glaubens-u.Gewissensgründen durchgestanden hat, ist heroisch. Interessant, dass die wirklich großen Dinge immer nur von den kleinen unbedeutenden Katholiken-Würsteln (und das meine ich NICHT abwertend) vollbracht wurden und werden (Jägerstätter, Pater Kolbe, Schwester Restituta, Mutter Theresa, ...), während die ach so tollen Grossen (Papst, Kardinal, Bischof, ...) sich immer schön geduckt haben. Wäre interessant gewesen, wenn vom Papst abwärts bis zu jedem einzelnen Landpfarrer die Verweigerung zum Dienst für diese Nazi-Mordpartie auferufen worden wäre. Hätten die ganz Bayern samt Ostmark köpfen können?? Aber wie hätte der Unfehlbare in Rom checken können, was der Mesner geschnallt hat??

Schreck
27.10.2007 15:53

Mutter Theresa?? Brrr. Schreckliche Person, die viel Leid verursacht hat.

a grünes stricherl
 
27.10.2007 11:03
mutter theresa könnens gleich wieder aus der liste streichen ...

na_ich
27.10.2007 09:58
Kath. KIrche

Siehe "Der Stellvertreter", Hochhuth

Urfahraner Auge
27.10.2007 06:28
Es gibt halt mehr kleine Leute als große,

aber wenn sie ein paar Bischofsnamen hören wollen, die sich nicht ducken: Kardinal Arns, Erwin Kräutler, Oscar Romero, Jacques Gaillot. Im 2. WK haben die holländischen Bischöfe bekanntlich auch einen deftigen Hirtenbrief verfasst, der am 26. Juli 1942 verlesen wurde, worauf in den Niederlanden alle zum katholischen Glauben konvertierten Juden verhaftet wurden. Es ist halt leider auch so, dass die Kleinen gehängt werden, wenn die Großen den Mund zu weit aufmachen.

PostIt
26.10.2007 22:53
"die wirklich großen dinge"

der mutter theresa gibt's hier nachzulesen:

http://www.mutter-teresa.info/

Jetzt an Weihnachtsgeschenke denken
27.10.2007 12:40

"Der Todesengel von Kalkutta"
Kommen Sie sich nicht selbst lächerlich vor, wenn Sie auf eine solche Revolverseite verlinken?

PostIt
28.10.2007 09:42
wie wär's damit?

http://de.wikipedia.org/wiki/Mutter_Teresa

liest sich auch nicht wesentlich besser...

Wadif
27.10.2007 12:58

Danke für diese Entgegnung, ich kann Ihnen nur voll zustimmen.
mfg

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