Fluchen für den Teamgeist

26. Oktober 2007, 17:00
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Sind Sie Führungskraft und haben Sie heute schon geflucht? Sehr gut. Vorbildlich. Hochwirksam...

Das stimmt zumindest wenn es nach jüngsten Forschungsergebnissen geht. Denn: Regelmäßiges Fluchen im Job kurbelt laut einer britischen Studie (Universität Norwich) den Teamgeist im Kollegium an. Die Erkenntnis dahinter: Angestellte benutzen regelmäßig Schimpfwörter, nicht unbedingt in beleidigender oder negativer Weise und machen sich so erstens Luft und verschaffen sich dadurch zweitens Solidaritätsgefühle untereinander. Wer Schimpfwörter verbannt, kappe somit auch die Leinen zu den Mitarbeitern und schade sogar der Motivation. Führungskräfte müssten umdenken und "offen für verblüffende Ideen sein" raten die Studienautoren Yehuda Baruch und Stuart Jenkins.

Geschmackssache

Klingt soweit erfrischend "normal" und lebensnah, ist aber eine heikle Sache, vor allem weil ja gutes Benehmen ein dehnbarer Begriff ist und wo dem einen schon ein simples "Mist!" reicht, um die Aggression abzubauen und wieder ungestört arbeiten zu können, braucht der andere ja Kräftigeres.

Menschliche Blöße

Beim gegenwärtigen Druck in den meisten Jobs – was da wohl alles kommt, wenn die Schleusen geöffnet werden? Permanentes verbales Abreagieren lässt außerdem auf Schieflagen zueinander oder auf zugrunde liegende Probleme schließen, mit denen sich Führungskräfte beschäftigen sollten. Kraftausdrücke gegenüber Vorgesetzten und gegenüber Kunden dürfen sowieso kein Thema sein und bei aller kathartischen Bestrebung einer Führungskraft, bei aller erneut aufkeimenden Angst, man könnte ja demotivieren: Ein wenig menschliche Blöße zu zeigen ist im Team sicher nicht falsch. Im Zweifel ist der Rat, doch nicht mit Kraftausdrücken vorzupreschen aber wahrscheinlich der bessere.

Es sitzen ja unter den eigenen Leuten oft auch einige, die nach brauchbaren Hebeln suchen, um die Chefs aus den Sesseln zu kippen. Fluch-Protokolle sollte man denen dafür nicht in die Hand geben. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe, 27./28.10.2007)

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    foto: photodisc
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