Licht ins Dunkel

25. Oktober 2007, 16:36
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Grablichter: Zu Allerseelen fühlen sich auch wenig fromme Zeitgenossen bemüßigt, die Gräber ihrer Lieben zu schmücken und zu illuminieren

Ambrosius Wind + Regen Grablicht 45
Höhe 13 cm, Kerze 11 cm, Ø 5,5 cm, € 1,99 (bipa)
Was will man von einem Grablicht? Es soll möglichst lang brennen, auch wenn es regnet, stürmt oder schneit. Genau diese Vorgaben erfüllt das in verschiedenen Größen erhältliche Ambrosius-Licht vorbildlich - und als einziges im Test. Modell 45 verspricht und hält eine Brenndauer von circa vier Tagen. Das gelingt dank ausgeklügelter Belüftungsschlitze im messingfarbenen Blechdeckel: nicht nur rundherum, sondern auch oben und allesamt versetzt, sodass Wind und Feuchtigkeit nicht ungehindert eindringen können. Theologisch Bewanderte wissen vermutlich, dass der Heilige Ambrosius Bischof von Mailand und Patron der Wachszieher war resp. ist; ich hielt die Abbildung vorne auf dem roten Kunststoffzylinder fälschlich für St. Nikolaus (der einen Tag früher, am 6. Dezember, gefeiert wird). Ob man die weiß-goldene Bild-Schrift-Kombination nun goutiert oder nicht - man muss damit leben; abziehen lässt sich nur das kleine, seitliche Etikett mit dem Strichcode. Zu kritisieren bleibt höchstens, dass Gebrauchsanweisungen fehlen und der Kunststoffbecher nicht wieder verwendbar ist. 9,5 Punkte

Glas-Grablampe mit Brenner Nr. 40
Höhe 13,5 cm, Kerze 4 cm, Ø 6,5 cm, € 1,77 (dm)
Auf den ersten Blick wirkt dieses Modell perfekt, weil recht groß, wieder verwendbar und in ungewöhnlicher, dekorativer Form, nämlich viereckigem, rotem Glas, dessen Seiten erhabene "Kirchenfenster" mit Kreuzen zieren. Der Blick ins Innere fällt allerdings auf eine verhältnismäßig kleine Kerze, die nicht nur schwierig anzuzünden bzw. brennend wieder ins Glas zu setzen ist, sondern auch gerade einmal 24 Stunden brennt, ehe das Wachs aufgebraucht ist. Wer nun wie ich meint, na, dann nehmen wir eben einfach eine größere Nachfüllkerze, wird leider enttäuscht: Brennt die Flamme weiter oben im Glas, also näher an den Belüftungslöchern, geht sie beim ersten Lufthauch aus. Der Blechdeckel weist die gleiche Löcherform - abwechselnd Kreuze und Kreise - auf wie beim Jeka-Grablicht, ist aber dünner und verbiegt sich daher leicht. 8 Punkte

Hofer Tradition Grablaterne
Höhe 10 cm, Kerze 6 cm, Ø 7 cm, € 1,65 (dm)
Ein großes, blau-weißes Etikett verweist stolz auf die Firmengründung 1418, lässt sich aber relativ leicht abziehen. Die angegebene Brenndauer von 48 bis 60 Stunden - andere Größen, andere Brenndauer - konnte ich leider nicht verifizieren, da selbst leichter Wind die Flamme immer wieder ausgehen ließ. Der rote Becher mag löblich PV-frei sein, ein Wegwerfprodukt "in den Friedhofscontainer" ist er trotzdem. Die Warnung, dass auch der Boden des Bechers heiß werden und den Untergrund beschädigen kann, ergänzt die üblichen Hinweise (Nur im Freien/nur mit Deckel brennen!) sinnvoll; das Grablicht von Kindern und Haustieren fernzuhalten, sollte eigentlich selbstverständlich sein. 6 Punkte

Jeka Glas-Grablicht
Höhe 10 cm, Kerze 6 cm, Ø 5,5 cm, € 1,99 (bipa)
Bei allen getesteten Grablichtern verfärbt sich der Blechdeckel über der Flamme aufgrund der Hitzeentwicklung relativ schnell schwarz, bei keinem anderen Modell aber so rapide wie hier. Ich fand es schon schwierig, den Deckel über der brennenden Kerze auf den wiederbefüllbaren Glaszylinder zu setzen, ohne mir die Finger zu verbrennen. Wie lange die Kerze brennen soll, verrät das (schwer ablösbare) weiße Etikett nicht; da auch hier der kleinste Luftzug die Flamme ausbläst, wäre jegliche Angabe aber ohnehin nur bedingt aussagekräftig. 5 Punkte
Marie-Thèrèse Gudenus/Der Standard/Printausgabe 25./26.10.2007)

*Jeder Test spiegelt die persönliche Erfahrung der Autorin wider. Punkte: 10=Top, 0=Flop.
  • Den Verstorbenen leuchtet zwar - hoffentlich - ohnehin das ewige Licht.
    foto: der standard

    Den Verstorbenen leuchtet zwar - hoffentlich - ohnehin das ewige Licht.

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