Kleines 1x1 für Spiegelreflex-Neulinge

25. Oktober 2007, 10:20
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Digitale Schnappschusskameras und Foto-Handys hat fast schon jeder - bleiben noch digitale Spiegelreflexkameras. Der Einstiegspreis liegt bei rund 500 Euro

Weiß eigentlich eine neue Generation junger Hobbyfotografen, gewohnt, das Display ihrer Digicam beim Knipsen weit vor sich zu halten, welche Vorzüge eine Spiegelreflexkamera hat?

Spiegelreflex (SLR das englische Kürzel, D-SLR für digital) gilt als Königsweg der Fotografie, weil sie die beste Kontrolle über das Bild ermöglicht. Die Vorzüge: Wechselobjektive erlauben den vom Fotografen gewünschten Kamerablick, vom extremen Weitwinkel bis zum extremen Tele. Die Qualität der Objektive ist den Zooms der Digicams oder Handys (meist Kunststofflinsen) weit überlegen.

Sucher

Das Sucherbild (das durch Umleitung des Lichts über einen Spiegel entsteht, was dem Kameratypus den Namen gab) entspricht exakt dem, was auch der Sensor "sieht". Sofern digitale Kompaktkameras nebst Display überhaupt noch einen Sucher haben, ist das Sucherbild bestenfalls eine Annäherung. Und anders als das bei hellem Licht schlecht zu erkennende Display ermöglicht der optische Sucher stets perfekte Bildkontrolle. Apropos Kontrolle: Ein Unzahl von Knöpferln und Rädchen für direkte (und nicht menügesteuerte) Einstellmöglichkeiten sichert rasche Bedienung, von Belichtungszeiten und Blende bis Serienbilder. Für Anfänger oft abschreckend - aber auch die teuerste Profi-SLR hat notfalls eine "Point and shoot"-Automatik. Verzögerungen, die Qual der meisten Digicams und vor allem Handys, sind bei SLR-Kameras (fast) ein Fremdwort.

Spiegelreflexkameras verwenden größere Bildsensoren (einzelne sogenannte "Vollbild"-Sensoren in Filmgröße) als Kompaktkameras. Auch wenn sie dieselbe Pixelzahl wie eine Digicam haben, erhöht dies die Bildqualität und verbessert die Lichtempfindlichkeit: Denn auf größeren Sensoren sind Pixel weiter voneinander entfernt, das reduziert Bildstörungen.

Maße

Aber Größe und Gewicht? Was viele Amateure davon abhält, zu einer Spiegelreflex zu greifen, wird von Profis geschätzt, da die an Auge und Stirn angelegte, gut zu haltende Kamera stabiler ist und Bilder weniger verwackelt werden als bei der freihändigen Digicam-Haltung. Und Kontrollen sind so leichter zu bedienen.

Aber Hersteller haben erkannt, dass die Display-Fotografie viele Neulinge geprägt hat, darum gibt es inzwischen auch eine Reihe von Digitalkameras mit "Live View" - der Möglichkeit, das Bild über das Display anstatt den Sucher zu gestalten. Auch wenn es nur eine Einstiegshilfe ist: für manche Situationen (z. B. Aufnahmen über Köpfe hinweg) eine praktische Ergänzung. Das Display kann auch den Effekt von Einstellungsänderungen, sonst erst am Bild zu sehen, bereits vorher zeigen.

Kosten

Das letzte Hindernis, der Preis, ist für ambitionierte Amateure inzwischen weitgehend aus dem Weg geräumt. Die Einstiegsreihen von Canon und Nikon kosten deutlich unter 1000 Euro, wer auf die (ausgereifte) frühere Generation zurückgreift, ist schon ab rund 500 Euro für Gehäuse und Basisobjektiv mit dabei.

Nachdem sich Canon und Nikon den SLR-Markt lange Zeit teilten, ist die Palette der Hersteller im Amateurmarkt inzwischen umfangreich geworden: Olympus und Panasonic arbeiten mit der digitalen Neuentwicklung "Four Third System", dadurch sind deren Objektive untereinander austauschbar. Sony hat von Konica Minolta das SLR-Erbe übernommen, Pentax bietet sein eigenes System an. Die Kameraklassen zerfallen, grob gesprochen, in drei Bereiche: Einsteiger und reine Hobbyfotografen, zu Preisen unter 1000 Euro; "Prosumer" (Schnittmenge zwischen Profis und Consumer) zwischen 1000 und 2000 Euro - und Profigeräte mit nach oben offener Preisskala. (Helmut Spudich, DerStandard/Printausgabe vom 25.10.2007)

  • Mit der Möglichkeit, Bilder auch am Display und nicht nur im Sucher komponieren zu können, wollen Hersteller wie Olympus eine neue Fotografengeneration zur Spiegelreflexkamera bringen.
    standard

    Mit der Möglichkeit, Bilder auch am Display und nicht nur im Sucher komponieren zu können, wollen Hersteller wie Olympus eine neue Fotografengeneration zur Spiegelreflexkamera bringen.

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